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Spuren verschwundener Studenten in Mexiko führen zu Militär

Im Fall der 43 verschleppten und vermutlich ermordeten Studenten in Mexiko hat eine Recherche investigativer Journalisten neue Details ans Tageslicht gebracht. Laut "amerika21.de" soll mit dem Handy eines der Opfer noch Monate nach seinem Tod telefoniert worden sein. Protokolle des Mobilfunkanbieters weisen auf Sicherheitsbehörden als Standorte hin, berichtete das Lateinamerika-Portal am Freitag.

Spuren verschwundener Studenten in Mexiko führen zu Militär SN/APA (AFP)/YURI CORTEZ
Am 27. September 2014 waren die 43 Lehramtsstudenten verschwunden.

Mit dem Mobiltelefon sollen nach Angaben der Journalisten zwischen Oktober und Dezember 2014 noch Anrufe aus der Militärkaserne Nr. 1 - in der Nähe von Mexiko-Stadt - und aus dem Zentrum für Ermittlungen und Nationale Sicherheit (CISEN) - ebenfalls in Mexiko-Stadt - getätigt worden sein.

Der damals 19-jährige Besitzer des Handys gehörte zu der Gruppe von Lehramtsstudenten aus dem südmexikanischen Ort Ayotzinapa, die in der Nacht zum 27. September 2014 von Bundespolizisten in der Stadt Iguala, im Bundesstaat Guerrero, angegriffen wurden. Stunden später wurde er auf der Straße tot aufgefunden. Seine Leiche wies Folterspuren auf.

Drei Journalisten - Francisco Cruz, Felix Santana y Miguel Angel Alvarado - haben ihre Recherche zu dem Fall in einem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel "Der Krieg, der vor uns geheim gehalten wird" (La Guerra que nos ocultan) einfließen lassen. Anhand von Protokollen des Telekommunikationsanbieters Telcel konnten die ein- und ausgegangenen Anrufe des entsprechenden Mobiltelefons analysiert werden, das der Student in der Nacht der polizeilichen Angriffe bei sich getragen hatte.

Die drei Autoren gehen davon aus, dass die Militärs direkt mit dem Mord an dem Studenten zu tun haben. Auf die Verfolgung der Anrufe der Handys der 43 Lehramtsstudenten hatte die Expertenkommission (GIEI) der Interamerikanischen Menschenrechtskommission mehrmals aufmerksam gemacht. Dieses Gremium hatte von Oktober 2014 bis zum Frühjahr 2016 in dem Fall ermittelt. Die GIEI forderte, diese Anrufe gründlich zu verfolgen und entsprechend zu ermitteln. Die mexikanischen Behörden haben dies nach Angaben von "amerika21.de" bis heute nicht getan.

Cruz, Santana und Alvarado sind der Überzeugung, dass Militärs bzw. Paramilitärs den 19-jährigen Studenten gefoltert und getötet haben. Die Aktion seine verstümmelte Leiche auf der Straße liegen zu lassen, habe den Zweck gehabt, Angst unter den Studenten und Aktivisten zu verbreiten. "Es war eine Terror-Botschaft", so die Journalisten.

Zu Untersuchungen in dem Fall waren auch österreichische Experten herangezogen worden. Am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck (GMI) wurden sterbliche Überreste untersucht. Forensiker identifizierten zwei Opfer anhand von Leichenteilen, die auf der Abfalldeponie gefunden worden waren.

Quelle: APA

Aufgerufen am 24.09.2018 um 09:51 auf https://www.sn.at/panorama/international/spuren-verschwundener-studenten-in-mexiko-fuehren-zu-militaer-1162816

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