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Steinmeier appellierte bei Klimakonferenz an Industrieländer

Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der UNO-Klimakonferenz in Bonn die Verantwortung der Industriestaaten gegenüber Entwicklungsländern und kleinen Inselstaaten hervorgehoben. Die Bewohner der Entwicklungs- und Inselstaaten seien "diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben", sagte Steinmeier am Mittwoch in Bonn.

Klimakonferenz in Bonn SN/APA (AFP)/PATRIK STOLLARZ
Klimakonferenz in Bonn

Und doch müssten diese "schon jetzt auf ganz elementare Weise buchstäblich um ihr Land fürchten", ergänzte der Bundespräsident. "Vor allem den kleineren und schwächeren Staaten sind wir den Erfolg dieser Konferenz schuldig", mahnte Steinmeier bei der Eröffnung der Plenarsitzung bei der Klimakonferenz. Schließlich litten diese Länder besonders stark unter klimabedingten Wetterextremen wie Stürmen oder Hitzewellen, zugleich dringe ihre "Stimme im großen Weltkonzert" oft nicht durch.

Angesichts der jetzt schon schwerwiegenden Folgen der Erderwärmung müsse das 2015 geschlossene Pariser Klimaabkommen konsequent umgesetzt werden, sagte Steinmeier. "Ein wirklicher Durchbruch war Paris nur dann, wenn wir der Vereinbarung jetzt auch Taten folgen lassen."

Der Bundespräsident lobte die Verhandlungen in Bonn als konstruktiv. Die Beteiligten sollten sich durch "einzelne Rückschläge" bei den weltweiten Klimaschutzanstrengungen nicht abschrecken lassen und weiter auf ein multilaterales Vorgehen setzen.

"Die internationale Politik - wie übrigens auch das Klima - ist ein schwerfälliger Tanker, vor allem, wenn er einmal richtig in Fahrt gekommen ist", sagte Steinmeier. Mit Blick auf die US-Regierung, die ihren Ausstieg aus dem Pariser Abkommen angekündigt hat, fügte er hinzu, vielleicht wolle "so mancher, der sich heute noch von der Kommandobrücke ins Beiboot verabschiedet, in ein paar Jahren doch wieder an unser großes Schiff andocken".

Vielleicht gelinge den klimafreundlichen Akteuren in den US-Bundesstaaten, -Kommunen und -Unternehmen "in der Zwischenzeit etwas ganz Bemerkenswertes: trotz Gegenwind aus der eigenen Hauptstadt und allein durch ihr großes eigenes Engagement den in Paris eingeschlagenen Kurs auch zu halten". Auch den weltgrößten CO2-Emittenten China nannte Steinmeier ausdrücklich. Der Weg der Volksrepublik im Klimaschutz sei in vielen Bereichen sicherlich noch weit, doch die Weichenstellungen in Peking seien ermutigend.

Die derzeit hitzige Debatte in Deutschland über einen Kohleausstieg klammerte der Bundespräsident aus. Er lobte vielmehr, dass Deutschland mit der Energiewende bereits vor einigen Jahren eine klimafreundliche Transformation eingeleitet habe.

Deutschland ist technischer Gastgeber der UNO-Klimakonferenz, die Verhandlungen leitet der kleine Inselstaat Fidschi. Steinmeier zählte daher mit Fidschis Regierungschef Frank Bainimarama und UN-Generalsekretär Antonio Guterres zu den Eröffnungsrednern. Die Konferenz hatte am Montag vergangener Woche begonnen, offiziell endet sie am Freitag.

Quelle: Apa/Ag.

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