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Stresstest: Die oberste Bankenaufseherin Danièle Nouy

Wenn am Sonntag das Ergebnis des europäischen Banken-Stresstests bekannt gegeben wird, steht auch eine Frau im Fokus der Öffentlichkeit: die Französin Danièle Nouy, Chefin der neuen europäischen Bankenaufsicht (EBA), wird die Resultate vorstellen. Am 4. November dann übernimmt sie mit der bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelten EBA die Aufsicht über die wichtigsten Banken Europas.

Stresstest: Die oberste Bankenaufseherin Danièle Nouy SN/APA (Archiv/epa)/JEAN DERENNES/B
Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Daniele Nouy.

Nouy gilt als entschlossen und weltoffen. Die mit einem Versicherungsmakler verheiratete Mutter zweier erwachsener Töchter kann eine beeindruckende Karriere vorweisen - in der EU zweifelt kaum jemand an den Fähigkeiten der erfahrenen Bankerin. Den größten Teil ihrer Karriere verbrachte Nouy bei der französischen Notenbank Banque de France, wo sie von 2007 an die Abteilung für Banken- und Versicherungsaufsicht leitete.

Doch auch im internationalen Finanzgeschäft kennt Nouy sich aus: 1985 wurde sie für ein Jahr als Vertreterin der Banque de France bei der US-Notenbank Fed nach New York gesandt, von 1998 bis 2003 war sie Generalsekretärin des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, von 2006 bis 2008 vertrat sie Frankreich im Europäischen Bankenausschuss der EU.

Neben ihrer fachlichen Kompetenz konnte Nouy einen weiteren Trumpf vorweisen, der für sie als Chefin der Bankenaufsicht sprach: Sie ist eine Frau. Vor rund zwei Jahren hatte das Europäische Parlament, allen voran die britische Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, Sharon Bowles, dagegen protestiert, dass im sechsköpfigen Direktorium der EZB keine einzige Frau sitzt. Vorübergehend blockierten die Abgeordneten sogar die Ernennung des Luxemburgers Yves Mersch in das Gremium. Mit der Nominierung der Französin 2013 dürfte die EZB auch auf diese Kritik reagiert haben. Im Dezember sprach sich eine breite Mehrheit der EU-Parlamentarier für die heute 64-Jährige aus. Mammutaufgabe wartet Bei der neuen Bankenaufsicht, die bei der EZB in Frankfurt am Main angesiedelt ist, wartet auf Nouy viel Arbeit. Die erste Mammutaufgabe hat die oberste Bankenaufseherin aber nun so gut wie hinter sich: Am Sonntag verkündet die EBA zusammen mit der EZB die Ergebnisse des Banken-Stresstests. In den vergangenen zwölf Monaten haben Nouy und ihre Mitarbeiter zusammen mit tausenden Wirtschaftsprüfern die wichtigsten 130 Banken der Eurozone, sowie einige Institute aus EU-Staaten ohne die Einheitswährung, auf Herz und Nieren getestet.

Ihre europäischen Kollegen beschreiben die blonde Französin nicht nur als überzeugte Europäerin, sondern auch als charakterstark, streng, anspruchsvoll und wenig nachgiebig. "Die Banker kuschen vor ihr, und das ist in diesen Zeiten eher positiv", zitierte die Pariser Zeitung "Le Monde" einen europäischen Finanzexperten. "Sie ist überzeugt von der Notwendigkeit, die Banken zu regulieren - jeder hat Angst vor ihr", vertraute ein französischer Insider der gleichen Zeitung an. Andere berichteten voller Respekt, Nouy habe bereits lange vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor den Gefahren "exotischer" Anlageprodukte gewarnt.

Die in der Bretagne geborene Französin hat in Paris Politikwissenschaft und jus studiert. 1974 bekam sie ihre erste Anstellung bei der Banque de France. Das Gespür für Finanzen wurde Nouy sozusagen in die Wiege gelegt - auch ihr Vater hatte bei der Pariser Notenbank gearbeitet.

Quelle: Apa/Afp

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