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Testen in der Turnhalle: So läuft der Corona-Massencheck beim Vorbild Südtirol

Südtirols Massentest, der die Coronawelle schneller brechen soll, endete am Sonntag. Österreich will sich bei den geplanten Reihenchecks im Dezember an der Region orientieren. Die Slowakei sieht sich als Vorreiter - allerdings nicht beim Druck auf die Bürger zur Teilnahme.

Immer mehr Staaten in Europa setzen im Kampf gegen die Pandemie auch auf Massentests: Im italienischen Südtirol lief am Freitag eine dreitägige kostenlose Reihenuntersuchung an. Auch am Sonntag wurde reger Zulauf der Bevölkerung registriert. Von den rund 350.000 Menschen, die zur Antigentestung aufgerufen wurden, nahmen bereits 269.901 teil. Das entspricht 48,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dabei wurde ein Prozent positiv auf das Coronavirus getestet. Die zentrale Phase der Reihenuntersuchung auf das Virus SARS-CoV-2 lief bis zum Sonntagabend.

Die Landesregierung will mit der Aktion die zweite Coronawelle schneller brechen. Virusträger, die nichts von ihrer Infektion ahnen, sollen entdeckt werden. Sie gelten als gefährliche Ansteckungsquelle. In der Provinz Bozen-Südtirol, über die ein Teil-Lockdown verhängt ist, leben gut eine halbe Million Menschen. Die Behörden hoffen, dass am Ende zwei Drittel der Bürger und Bürgerinnen einen Antigenschnelltest machen. Das wären etwa 350.000 Menschen. Sollte die Aktion die Pandemie bremsen, wollen die Politiker möglichst rasch ihre Einstufung als rote Zone aufheben.

Was plant Österreich?

In Österreich sollen alle 200.000 Lehrerinnen und Lehrer sowie Betreuungskräfte in Kindergärten auf das Virus getestet werden. Vorgesehen ist dafür das Wochenende vom 5. und 6. Dezember, wie die Regierung bekannt gab. Am 7. und 8. Dezember sollen dann die 40.000 Polizisten folgen. Kurz vor Weihnachten könnte sich dann die gesamte Bevölkerung von neun Millionen Menschen checken lassen. Die Teilnahme sei freiwillig, betonte Bundeskanzler Sebastian Kurz. "Diese Massentests sind bis zur Impfung eine große Chance für Österreich, den Weg zur Normalität zurückzufinden", teilte er mit. Eine weitere Testreihe ist in Österreich Anfang 2021 geplant.

Bei den Corona-Massentests orientiert sich Österreich wohl an Südtirol: Die Tests werden neben jenen für Lehrer auch für die Gesamtbevölkerung an einem Wochenende stattfinden, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). "Wir sehen uns am Wochenende ganz genau das Organisationsmodell der Massentestungen in Südtirol an. Es scheint mir bisher das beste zu sein, also: geblockt an einem Wochenende mit vielen Testmöglichkeiten und einer starken Digitalisierung bei der Umsetzung, um Wartezeiten zu vermeiden", sagte Anschober. Er betonte drei Grundprinzipien der Massentestungen: "Freiwilligkeit, Wiederholung und eine gute Kommunikation, die keine falschen Sicherheiten schafft." Zudem kündigte er für Antigen-Schnelltests mit positivem Ergebnis zur Sicherheit Nachtestungen mit der eindeutigen PCR-Methode an.

So laufen die Tests in Südtirol

Wer ein positives Ergebnis bekommt, aber beschwerdefrei ist, soll sich zehn Tage zu Hause isolieren. Mitmachen können Männer, Frauen sowie Kinder ab fünf Jahren. Das Testresultat soll nach spätestens einer halben Stunde vorliegen. Im Internet veröffentlichten die Behörden Ergebnisse: Danach gab es bis Freitag 16 Uhr fast 83.000 Teilnehmer. Mehr als 1250 Menschen wurden positiv getestet.

Der Erfolg eines solchen Massentests hängt nach Einschätzung des Experten Stephan Ortner stark von der Teilnahmequote ab. Wie der Direktor des Eurac-Research-Zentrums in Bozen erläuterte, kann ein gut organisierter Test mit hoher Beteiligung so gut wirken "wie ein totaler Lockdown von vielen Wochen". Ein starker Erfolg sei möglich bei einer Quote ab 70 Prozent, wie Studien seines Instituts zeigten. In einem großen Staat, etwa in ganz Italien oder Deutschland, lasse sich so ein freiwilliger Test aber wohl nicht in ähnlicher Weise durchführen, meinte er. In einzelnen Bundesländern jedoch schon.

Die autonome Provinz gehört in Italien wegen der hohen Coronafallzahlen zu den roten Zonen mit besonders strengen Ausgangsbeschränkungen. Am Freitag hatten die Behörden dort mehr als 700 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert. Im Rest Italiens wurde die Untersuchung mit viel Interesse verfolgt.

In der Region Venetien startete Anfang der Woche ein Probelauf mit Do-it-Yourself-Tests für zu Hause. Die Testsäckchen enthalten ein Stäbchen, das in die Nase gesteckt wird, und ein Kontrollröhrchen für die Probe. Regionalpräsident Luca Zaia hatte die Funktionsweise in einem Video vorgeführt. Die Region will zunächst rund 5000 der Antigen-Testkits ausgeben. Die Studie soll einen Monat laufen.

Vorreiter Slowakei will erneut testen

Die Slowakei sieht sich als Vorreiter für Massentests in Europa. Ende Oktober und Anfang November hatte das Land größere Reihenuntersuchungen gemacht. Daran beteiligten sich mehrere Millionen Menschen. Donnerstagabend kündigte Ministerpräsident Igor Matovič für den 2. Dezember die nächste Testung fast der gesamten Bevölkerung an. Am Freitag liefen letzte Vorbereitungen für lokal begrenzte Tests am Wochenende. In knapp 500 kleinen Gemeinden mit vorher besonders hohen Infektionsraten sollte bis Sonntag ein drittes Mal durchgetestet werden.

Wegen heftiger Kritik am bisherigen Vorgehen versprach Matovič, bei diesen lokalen Tests für rund 400.000 Menschen werde es keine Sanktionen für die Nichtteilnahme geben. Nach den ersten beiden Testrunden wurden Nichtgetestete fast wie Personen mit positivem Ergebnis behandelt. Ohne negativen Test durfte man nicht einmal zur Arbeit gehen.

Quelle: Dpa

Aufgerufen am 27.11.2020 um 04:06 auf https://www.sn.at/panorama/international/testen-in-der-turnhalle-so-laeuft-der-corona-massencheck-beim-vorbild-suedtirol-95983366

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