Kopf des Tages

Theodor Herzl - Österreichisch-ungarischer Literat als Vater Israels

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nannte ihn den Mann, der sein Volk "praktisch im Alleingang vor der Auslöschung bewahrt hat".

Theodor Herzl wurde vor 150 Jahren geboren. SN/yad vashem archives
Theodor Herzl wurde vor 150 Jahren geboren.

Mit seinem Buch "Der Judenstaat" legte der Wiener Publizist Theodor Herzl 1896 den geistigen Grundstein für die Errichtung einer sicheren Heimstätte für die verfolgten Juden Europas. Israel feiert am Donnerstag den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung.

Ohne Herzl gäbe es kein Israel, sagte Netanyahu 2010 in einer Sondersitzung der Knesset zum 150. Geburtstag des Begründers des politischen Zionismus. Herzl habe nämlich nicht nur frühzeitig die Gefahr einer Auslöschung der Juden gesehen, sondern dann vor allem auch die "revolutionäre Lösung" entwickelt, einen souveränen jüdischen Staat "wieder zu gründen".

Ein Staat mit Vorbildwirkung für den Rest der Welt

Theodor Herzl wurde am 2. Mai 1860 in Pest in Ungarn geboren. Er studierte an der Universität Wien Rechtswissenschaften und war Mitglied der Burschenschaft Albia, die er aber nach antisemitischen Äußerungen von Kommilitonen verließ. Nach seiner Promotion im Jahr 1894 wirkte er als freier Schriftsteller. Seine Anfangserfolge auf dem literarischen Sektor waren aber bescheiden. Einzig sein Theaterstück "Tabarin" wurde in New York aufgeführt. Herzl schrieb für die "Neue Freie Presse" kurzweilige Plaudereien. Ab 1891 war er als "Presse"-Korrespondent in Paris tätig.

Der Justizskandal um den wegen Spionage unschuldig zu lebenslanger Haft und Verbannung auf die Teufelsinsel verurteilten jüdischen Offizier Alfred Dreyfus war ein Schlüsselerlebnis für Herzl. Die antisemitischen Tiraden gegen Dreyfus ließen in Herzl die Idee einer Emigration aller Juden in einen eigenen Staat reifen, die er nach seiner Rückkehr nach Wien in dem Buch "Der Judenstaat" darlegte. Ihm schwebte ein moderner, säkularer und mehrsprachiger Staat vor, der Vorbildwirkung für den Rest der Welt haben sollte.

Palästina als "Heimstätte" für Juden

Im August 1897 veranstaltete Herzl in Basel den ersten Zionistischen Weltkongress, bei dem erstmals konkret Palästina als "Heimstätte" für die Juden genannt wird. Herzl war glücklich: "In Basel habe ich den Judenstaat gegründet." Zwei Jahre später gründete er den "Jewish Colonial Trust" zum Ankauf von Land in Palästina. 1902 entwarf Herzl in seinem utopischen Roman "Altneuland" eine politisch-soziale Ordnung des jüdischen Staates, die von Fortschrittsoptimismus und Skepsis gegenüber der Demokratie geprägt ist.

Als Präsident der Zionistischen Weltorganisation (WZO) versuchte Herzl die Weltmächte für die Idee eines eigenen Judenstaates zu gewinnen. Auch Herzls Gespräche mit Kaiser Wilhelm II., dem türkischen Sultan Abdülhamit II. oder Papst Pius X. brachten keine greifbaren Ergebnisse. Herzl, der auch eine Palästina-Reise unternommen hatte, starb am 3. Juli 1904 44-jährig an einem Herzleiden in Edlach an der Rax und hinterließ drei Kinder. Er wurde am Döblinger Friedhof begraben.

Erst der Zerfall des Osmanischen Reiches und der Holocaust schufen die Voraussetzungen für die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. 1949, ein Jahr nach der Staatsgründung, wurde Herzls Leichnam von Wien nach Israel überführt. Er wurde auf dem nach ihm benannten Berg westlich von Jerusalem beigesetzt. Auch die 1924 im heutigen Israel gegründete Stadt Herzliya bei Tel Aviv wurde nach Theodor Herzl benannt.

(APA)

Aufgerufen am 26.04.2018 um 09:29 auf https://www.sn.at/panorama/international/theodor-herzl-oesterreichisch-ungarischer-literat-als-vater-israels-26753341

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