Kopf des Tages

Thomas Angyan - Herz und Gesicht des Musikvereins

Heuer hatte Thomas Angyan zweifachen Grund zum Feiern: Nicht nur wurde der Wiener Kulturmanager im Frühjahr 65 Jahre alt, sondern steht er auch seit 30 Jahren an der Spitze des Wiener Musikvereins. Aber jede Ära muss einmal zu Ende gehen. In der jüngsten Generalversammlung der Musikinstitution hat Angyan bekanntgegeben, seinen laufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern.

Thomas Angyan. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Thomas Angyan.

Somit markiert der 30. Juni 2020 seinen letzten offiziellen Tag als Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde, womit er auf nicht weniger als 32 Jahre in dieser Funktion kommt und damit längst dienender Intendant sein wird. Auch angesichts des anstehenden 150-Jahr-Jubiläums der Institution in der Saison 2019/20 sei es für ihn "der richtige Zeitpunkt", so Angyan. Nun wolle er "das Ruder an die nächste Generation" weitergeben. Diese sieht sich jedenfalls mit großen Fußstapfen konfrontiert, denn Angyan hat viel erreicht in den vergangenen drei Jahrzehnten.

Dabei sah es zum Berufsbeginn noch gar nicht nach einem Leben in der Musik aus für Thomas Angyan, der am 16. März 1953 in Wien geboren wurde. Nach der Matura 1971 studierte der Absolvent des Wiener Theresianums zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1977 promovierte. Nach einer ersten Anstellung bei einer Londoner Bank wechselte er dann aber in den Bereich Musikmanagement. So organisierte er 1975 und 1977 das Musikfest der Konzerthausgesellschaft unter dem Dach der Wiener Festwochen.

Von 1978 bis 1986 war er dann Generalsekretär der Jeunesse Musicale in Österreich und gehörte neben Claudio Abbado und Hans Landesmann zum Gründungstrio des Gustav Mahler Jugendorchesters im Jahr 1986. Die berufliche Position, die sein Leben bestimmen sollte, stand jedoch noch aus: Seit 1987 als Nachfolger von Albert Moser designiert, wurde Angyan 1988 offiziell zum Generalsekretär der Gesellschaft der Musikfreunde bestellt. Seit 2005 führt er den Titel des Intendanten und ist daneben Mitglied zahlreicher Fonds und Stiftungen, so unter anderem Vorsitzender des Kuratoriums der Ernst von Siemens Musikstiftung.

Das Erfolgsrezept des stets konzilianten Intendanten ist vermutlich auf einen Punkt zu bringen: Angyan vereine seine Liebe und sein Verständnis für die Musik mit einem ausgesprochenen Sinn für Finanzen, hatte Dietrich Karner, damaliger Präsident der Gesellschaft der Musikfreunde, dem Gelobten zu seinem 50. Geburtstag einst beschieden. Und dieses Talent schlägt sich auch in der Aufstellung des Musikvereins nieder.

Ein zentrales Verdienst von Angyan ist zweifelsohne der Ausbau des Gebäudes, das seit 2004 mit vier von Architekt Wilhelm Holzbauer gestalteten neuen Sälen im Souterrain aufwarten kann, die Raum für Proben, Veranstaltungen und Konzerte bieten. Auch die Klimaanlage und die Renovierung der Musikvereinsorgel fallen in seine Amtszeit. Darüber hinaus wurden unter Angyans Ägide die Residenzen ausländischer Orchester und die Zahl der Zyklen erhöht, was auch für die Abonnenten zutrifft. Ebenso geht die massive Positionierung im Kinder- und Jugendbereich auf Angyans Konto.

So kam man in der vergangenen Saison auf weit mehr als 400 Eigenveranstaltungen, zu denen sich nochmals rund 300 Fremdveranstaltungen gesellten. Das sind Zahlen, die Angyan die schwindenden Subventionen der öffentlichen Hand mit einer gewissen Gelassenheit betrachten lassen, machen die entsprechenden Zuwendungen doch mittlerweile nur mehr rund zwei Prozent des Budgets aus.

So schnell bringt den erfahrenen Musikmanager also nichts aus der Ruhe, was vielleicht auch an der Frau an seiner Seite liegen könnte: Ehefrau Eva ist ausgebildete Pädagogin und Musikkennerin, am Haus organisierte sie jahrelang den Ball der Wiener Philharmoniker - jenen Ball, auf dem sie einst als Debütantin neben einem Einspringer tanzen musste, der später ihr Mann werden sollte.

Quelle: APA

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