Kopf des Tages

Thomas Spitzer - einmal verunsichert, immer verunsichert

Der stilvoll getragene Schnauzer ist ebenso sein Markenzeichen wie die Gitarre im Anschlag: Thomas Spitzer hat gemeinsam mit der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) die Hörgewohnheiten und Bühnen des Landes maßgeblich geprägt. Mit abseitigem Humor, eingängigen Melodien und dem Faible für dadaistische Anwandlungen ist es aber wohl bald vorbei - allerdings nicht aufgrund Spitzers 65. Geburtstag.

Thomas Spitzer (re.) mit seinem langjährigen EAV-Kollegen Klaus Eberhartinger. SN/apa
Thomas Spitzer (re.) mit seinem langjährigen EAV-Kollegen Klaus Eberhartinger.

Diesen begeht der gebürtige Grazer am 6. April. Kommendes Jahr heißt es dann Abschied nehmen vom EAV-Wahnsinn: Die Band hat kürzlich unter dem Titel "1000 Jahre EAV" für 2019 ihre Abschiedstournee angekündigt - mit dem ihr eigenen Schmäh und Anmerkungen wie "Auweh, röchel, lall'". Nach mehr als 40 Jahren reisen Spitzer, Sänger Klaus Eberhartinger und Kollegen also noch einmal durch die Hallen von Österreich, Deutschland und der Schweiz, wobei die "erste öffentliche Beisetzung" am 6. Februar im steirischen Fehring stattfinden soll.

Dass das einzig verbliebene Gründungsmitglied Spitzer dabei in die Saiten greifen wird, ist gar nicht so selbstverständlich. Erst 2010 hatte sich der Musiker vom Liveleben mit der EAV zurückgezogen, "die Tinglerei interessiert ihn nicht mehr", hatte Eberhartinger dazu erklärt. Für die Platte "Werwolf-Attacke" (2015) und die dazugehörigen Konzerte gab es aber schließlich den Rückzug vom Rückzug - um nunmehr im endgültigen Rückzug zu münden. Aber wer weiß, bei der EAV kann man sich wohl nie ganz sicher sein.

Klar ist aber, dass der heute in Kenia lebende Spitzer mit Fug und Recht als Mastermind der Formation gilt. Der studierte Grafiker lernte an der Kunstakademie in Wien 1977 Anders Stenmo und Eik Breit kennen und entwickelte mit ihnen sowie Nino Holm die Pop-Kabarett-Gruppe Erste Allgemeine Verunsicherung. Zuvor hatte er in seiner Heimatstadt bereits erste musikalische Gehversuche unternommen, immerhin mit einem jungen Kompagnon namens Gert Steinbäcker, der später mit STS selbst den Austropop-Olymp erklimmen sollte.

Für die EAV legte sich Spitzer voll ins Zeug, gestaltete die bunten, oft bissigen Artworks der Band und zeichnete auch für die Bühnenbilder verantwortlich. Und wem die EAV-Songs - vom "Märchenprinz" bis zum "Ba-Ba-Banküberfall" - oft hartnäckige Ohrwürmer bescherten, der kann sich ebenfalls bei Spitzer bedanken, aus dessen Feder die Reime und ein Großteil der Musik stammen. Dabei ging er durchaus mit sozialkritischer Ambition ans Werk, wobei daneben genauso klassische Balladen oder eben Nonsens-Nummer Platz finden. Diese vor Stilbrüchen und Wagnissen nie scheuende Ausrichtung wird für Spitzers kreativen Ausdruck wohl auch künftig charakteristisch bleiben.

Quelle: APA

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