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Tomas Zierhofer-Kin - Festivalinnovator scheitert an den Festwochen

Zwei Mal gelang es Tomas Zierhofer-Kin, ein Festival mit neuen Formaten in einen neuen Aggregatszustand zu katapultieren, als er im Rahmen der Salzburger Festspiele den "Zeitfluss" mitkreierte und als Intendant ab 2005 das Kremser donaufestival als Hort der Avantgarde positionierte. Bei der Neuausrichtung der Wiener Festwochen ist der 49-Jährige nun aber am mangelnden Zuspruch gescheitert.

Tomas Zierhofer-Kin. SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Tomas Zierhofer-Kin.

Unmittelbar nach dem Ende seiner zweiten Saison an der Spitze des Festivals einigte sich der gebürtige Salzburger mit der neuen Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) auf die Auflösung seines eigentlich noch bis 2021 laufenden Vertrages mit 30. Juni. "Ich habe diesen Vorschlag der Kulturstadträtin unterbreitet, da ich trotz vieler künstlerischer Erfolge und der gelungenen Bemühungen, ein für die Festwochen neues Publikum zu gewinnen, auf keine breitere Resonanz gestoßen bin", zeigte sich Zierhofer-Kin laut Aussendung kritisch.

Die intendierte Umgestaltung der zuvor etwas behäbigen Hochkulturtankers Festwochen in eine dynamische Flotte kleinerer Performance-Einsatzboote wurde von großen Teilen des Feuilletons ebenso wenig mitgetragen wie von weiten Schichten des bisherigen Publikums. Die weitgehend vom donaufestival übernommene, genreüberschreitende Programmierung, die Abkehr von den großen Eigenproduktionen in den etablierten Spielstätten und das Ende der Zusammenarbeit mit Musikverein und Konzerthaus ging in Wien nur bedingt auf.


Dabei war diese Neuausrichtung von der Kulturpolitik durchaus gewünscht gewesen. "Die Wiener Festwochen wollen kein Hochglanzfestival sein", hatte Zierhofer-Kin bald nach seiner Berufung verkündet. Und dieses Versprechen hat der heute 49-Jährige, dessen berufliches Leben sich bisher im kulturellen Dreieck Salzburg, Wien und Krems abspielte, zweifelsohne eingelöst.

Geboren wurde Tomas Zierhofer-Kin am 3. Oktober 1968 in Salzburg. Den Ausgangspunkt für seinen beruflichen Weg legte der spätere Festivalleiter dabei breit an und studierte neben Komposition, Philosophie, Musikwissenschaft und Gesang auch kulturelles Management in seiner Heimatstadt sowie in Wien. Noch während des Studiums am Mozarteum gründete er mit Markus Hinterhäuser 1993 dann das Festival "Zeitfluss" als Teil der Salzburger Festspiele - eine Institution, die er mit Hinterhäuser bis 2001 innehatte.

Daraufhin zeichnete dasselbe Duo von 2002 bis 2004 für die Programmreihe "zeit_zone" bei den Wiener Festwochen verantwortlich. Dann ging es wieder zurück nach Salzburg, wo Zierhofer-Kien im Mozartjahr 2006 gemeinsam mit Max Hollein Kurator des Festivals "Kontra.com" war. Zu dieser Zeit war Zierhofer-Kin aber bereits zum künstlerischen Leiter des Kremser donaufestivals bestellt worden, das er ab 2005 unter internationaler Resonanz mit einem Avantgardeprogramm bespielte.

Das einst betuliche Provinzfestival wurde unter seiner Ägide ein Hort der Performancekunst, der Sub- und Popkultur, der Kritik an Neokolonialismus und Kapitalismus und zum Tummelplatz für Queeres. Zierhofer-Kin brachte musikalische Gigs internationalen Formats nach Krems und verband vermeintlich feinsäuberlich getrennte Genres zu neuen Kombinationen. Dass dieses Konzept nicht nur vom Publikum goutiert wurde, sondern auch Rückhalt in der niederösterreichischen Kulturpolitik fand, die ihren Intendanten nicht nur gewähren ließ, sondern zum Aushängeschild machte, gehörte zu den Überraschungen der Zierhofer-Kin'schen Laufbahn.

In Wien wurde dem als Teamplayer gepriesenen Kulturmanager nun weniger lange Stütze von kulturpolitischer Seite gewährt. "Auf jeden Fall braucht so ein Konzept Zeit, sich zu entwickeln", hatte Zierhofer-Kin noch im April im APA-Interview in weiser Voraussicht appelliert. Diese Zeit wird ihm in der Bundeshauptstadt nun nicht mehr eingeräumt. Für den Nachfolger oder die Nachfolgerin, die Kulturstadträtin Kaup-Hasler nun suchen muss, wäre dennoch einiges an Vorarbeiten vorhanden. So ist etwa US-Starkünstler Paul McCarthy für 2019 mit einem Großprojekt angekündigt, während nach Aussagen des Intendanten 2020 ein Musiktheater-Schwerpunkt geplant war. Ob diese Pläne ihren Erschaffer überdauern, bleibt nun abzuwarten.

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 10.12.2018 um 09:33 auf https://www.sn.at/panorama/international/tomas-zierhofer-kin-festivalinnovator-scheitert-an-den-festwochen-29426617

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