Kopf des Tages

Tone Fink - der Künstler, bei dem sich alles ums Papier dreht

Ein Besuch bei Tone Fink ist wie die Besichtigung einer Wunderkammer. In seinem Wiener Atelier hat er Objekte, Skulpturen und Masken gelagert. Viele Möbel sind aus Pappmaschee selbst gemacht. An den Wänden hängen neben eigenen Werken zarte Zeichnungen seiner Tochter Katharina, die ebenfalls Künstlerin ist. Am 1. Jänner wird Tone Fink 75 Jahre alt.

Der Vorarlberger Künstler Tone Fink. SN/APA/ROBERT JAEGER
Der Vorarlberger Künstler Tone Fink.

Genau genommen wird der Tone erst 45, denn bis 1974 signierte der in Schwarzenberg im Bregenzerwald Geborene mit seinem Geburtsnamen Anton Fink. Erst ein Journalist brachte ihn auf die Idee des Künstlernamens. Anton hatte an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert, bei Maximilian Melcher und dem großen Max Weiler. "Er war sehr resolut und ich eher schüchtern. Und ich bin kein Maler - das hat er erkannt", erinnert sich der Künstler an stundenlanges Bearbeiten des Zeichenpapiers, bis er das Material schließlich perforierte.

Farbe hat auf Tone Fink nie große Anziehungskraft ausgeübt, doch mit Papier verbindet ihn eine Lebensfreundschaft. "Bei mir dreht sich alles ums Papier", sagt er, der sich im Umgang mit dem filigranen Medium als "Verletzer und Verarzter" in einem fühlt. Schließlich möchte er "das Papier nicht nur bezeichnen, sondern auch drangsalieren". Seine geradezu zärtlichen Bearbeitungen hinterlassen manchmal kaum sichtbare Spuren, er kann aber auch ruppiger zu Werke gehen. Die Art, wie er seine extra für ihn hergestellten Folianten durchblättert, lässt jedenfalls eine geradezu körperliche Beziehung spüren.

Seine Mutter sei immer kreativ gewesen, sagt Tone Fink und erzählt vom Zitherspielen, Häkeln und Nähen, der Vater war Huf- und Wagenschmied, was sich wohl in seiner eigenen Neigung zu allerlei fahrbaren Objekten niedergeschlagen habe. Ein Jahr hat Tone Fink an einer Volksschule unterrichtet, hat dann auch das Lehramt für Bildnerische Erziehung und Werkerziehung gemacht und vier Jahre an einer Vorarlberger Mittelschule gearbeitet. Dann zog er nach Wien und lebt seither als freischaffender Künstler - mit allen Höhen und Tiefen. "Davon leben zu können, ist auch eine Kunst", lacht er. Im Vergleich zu manchen Kollegen sind seine Werke noch erschwinglich. "Ich bin zufrieden. Es gibt viel bessere Künstler, die nicht von ihrer Kunst leben können."

Neben Wien hat Fink Ateliers auch in Fußach am Bodensee und im burgenländischen Schattendorf, wo viele seiner großen Objekte in einem ehemaligen Tanzsaal gelagert sind. So unstet er in seinem Leben ist, so vielseitig ist Tone Fink auch in seiner Kunst. Ein Rundgang durch sein Wiener Lager führt den Besucher etwa zurück in die "Gipszeit", in der große Gefährte, Skulpturen, Throne entstanden, oder weckt mit fantasievollen Masken Erinnerungen an Prozessionen und Performances, mit denen Fink Festwochen und Festspiele aufmischte.

"Ich bin kein ruhiger Mensch, sondern war immer unterwegs. Bewegung war immer eines meiner Themen." Das gilt auch für das Bewegtbild. Nie wieder habe er so eine Resonanz erzielt wie mit seinem in den ORF-"Kunststücken" ausgestrahlten Film "Narrohot", erzählt der Künstler, der als Gründungsmitglied der Animationsfilmvereinigung asifa austria auch seinen Zeichnungen laufen lehrte. Viel Spaß - aber schrecklich viel Arbeit, resümiert er diese Werkgruppe. 1.500 DIN-A4-Zeichnungen für zwei Minuten! Sollte es jemals noch einmal einen Trickfilm von ihm geben, werde es höchstens ein Halbminüter, schmunzelt er.

Mit seinen Masken, Papiergewändern und Objekten, mit seinen Tast-, Greif- und Berührbildern hat er die Zeichnung immer schon ins Dreidimensionale ausgeweitet. Tone Fink ist aber immer noch für Überraschungen gut. "Ich war erstaunt: Ist das wirklich Tone Fink?", erzählte die Wiener Galeristin Ulrike Hrobsky jüngst bei der Vernissage ihrer Ausstellung "Tone Fink: farb.bekenner - linien.strichler" über das Auspacken von farbigen Leinwänden, die mit regelmäßigen Tropfen aus Lascaux-Acrylfarben bearbeitet wurden. Die 1993 entstandenen Bilder waren zuvor nur in Japan zu sehen. Tone Fink hat sie aus seinem Lager geholt, als ihm die Zeit reif dafür schien.

Die in Wien noch bis 26. Jänner ausgestellte Serie heißt zwar "in Reih und Glied", die dornenartigen eingetrockneten Tropfen sind aber keineswegs streng ausgerichtet. Augenzwinkern ist bei Tone Fink immer im Spiel. "Ich bin ja ein Spieler", gibt er gerne zu. Davon zeugen auch die wortspielerischen Titel seiner Werke wie "Tone mit Krone" oder der neuen Publikation "mono.tone", die zu seinem Geburtstag in der Vorarlberger Galerie.Z präsentiert wird. "Kunst ist, wenn man trotzdem lacht", beruft sich Fink auf Joseph Beuys. "Erwin Wurm ist ein weltberühmter Künstler. Aber ich glaub', so ernst nimmt der sich auch nicht. Auch beim Franz West hab ich das Gefühl, er hat oft gelacht." Anderseits habe er das Gefühl: "Die Sammler haben das nicht so gern. Die denken dann: Der nimmt sich selbst nicht ernst. Die glauben dann, ich verarsche sie..."

Die Serie von Geburtstagsausstellungen wird ab 13. Jänner im Kärntner Feldkirchen abgeschlossen. Doch im Kunsthaus Bregenz wird für das Frühjahr ein Tone-Fink-Abend vorbereitet, der dem Künstler besondere Vorfreude bereitet. Gezeigt werden nicht nur seine Filme und zehn seiner großen Unikatbücher, sondern auch seine fahrbaren Objekte. "Da werde ich an die 20 Geräte spazieren führen", freut sich Tone Fink. Und für einen Augenblick sieht man die Verwandlung leibhaftig vor sich: Der große Künstler als kleines Kind.

Aufgerufen am 27.10.2021 um 06:28 auf https://www.sn.at/panorama/international/tone-fink-der-kuenstler-bei-dem-sich-alles-ums-papier-dreht-63134491

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