International

Tote bei Kämpfen in brasilianischem Gefängnis

Bei Kämpfen zwischen Mitgliedern verfeindeter Banden sind in dem Alcacuz-Gefängnis im Teilstaat Rio Grande do Norte in Brasilien wahrscheinlich mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen, teilte die Polizei in Natal am Sonntag mit. Nach Medienberichten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Gang Comando de la Capital und dem Sindicato del Crimen.

Rivalisierende Banden gingen aufeinander los.  SN/APA (AFP)/HO
Rivalisierende Banden gingen aufeinander los.

Das Ministerium für öffentliche Sicherheit hatte mitgeteilt, dass das Gefängnis nach 14-stündigen Auseinandersetzungen wieder unter Kontrolle der Sicherheitskräfte sei. Kein Häftling sei aus der Strafanstalt entkommen. Die auf 620 Häftlinge ausgelegte Anstalt war mit mehr als tausend Insassen massiv überbelegt. Die Kämpfe brachen aus, als Mitglieder einer Bande in den Bereich einer anderen eindrangen.

Seit Anfang des Jahres kamen bei Kämpfen in brasilianischen Gefängnissen mehr als 100 Menschen ums Leben. Im Juli war eine Waffenruhe zwischen den beiden größten Kokainbanden - dem Primeiro Comando da Capital (Erstes Kommando der Hauptstadt) aus Sao Paulo und dem Comando Vermelho (Rotes Kommando) aus Rio de Janeiro - zusammengebrochen. In Manaus wurden Anfang des Jahres bei 17-stündigen Kämpfen in einem Gefängnis 56 Menschen getötet. Viele der Opfer wurden enthauptet und verstümmelt. Seither gab es noch mehrere ähnliche Vorfälle.

Kriminelle Banden kämpfen um die Kontrolle des Drogenhandels. Zudem sind die Haftanstalten extrem überfüllt. Nach Angaben des Justizministeriums sitzen 622.000 Häftlinge in Gefängnissen mit einer Gesamtkapazität von nur 372.000 Plätzen ein.

Im den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Häftlinge in Brasilien nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch um 85 Prozent. Vor allem die restriktive Drogenpolitik mit Freiheitsstrafen selbst für Konsumenten hat demnach die Zahl der Gefangenen in die Höhe schnellen lassen.

Zahlreiche Gefängnisse werden de facto von kriminellen Organisationen verwaltet. "In den Einrichtungen gibt es keine Kontrolle", sagte der Regionaldirektor von Human Rights Watch, Daniel Wilkinson, der Deutschen Presse-Agentur. "Das hat in der Vergangenheit zu Gewalt geführt und wird weiter zu Gewalt führen."

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 04:48 auf https://www.sn.at/panorama/international/tote-bei-kaempfen-in-brasilianischem-gefaengnis-528184

Schlagzeilen