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Tourismusparadies Umbrien bangt nach dem Erdbeben um Zukunft

Die Zahl der Besucher ist selbst in den Gebieten zurückgegangen, die nicht vom Erdbeben betroffen waren. Viele Kulturgüter wurden zerstört.

Nach den schweren Erdbeben der vergangenen Tage bangt das Tourismusparadies Umbrien um seine Zukunft. Die mittelitalienische Region, die wegen ihrer Natur, den einmaligen Landschaften, der Gastronomie und den Kunstschätzen international beliebt ist, hat in den vergangenen Tagen einen Rückgang an Touristen in der Höhe von 60 Prozent verzeichnet, meldete der Hotelierverband Federalberghi.

Auch in den Städten, die nicht vom Erdbeben betroffen wurden, sei der Besucherrückgang zu Allerheiligen klar spürbar gewesen. "Die Menschen befürchten Nachbeben und bleiben von Umbrien fern. Vor allem ausländische Touristen denken, dass die ganze Region zerstört sei, was nicht stimmt. Der ganze Raum um Perugia und den Trasimeno-See hat keinerlei Schäden erlitten", berichtete Federalberghi. Der Verband hat sich sofort in Bewegung gesetzt, um die Hoteliers in den betroffenen Regionen aktiv zu unterstützen.

Auch in den Marken sorgen sich die Verantwortlichen um den Tourismus, weil Reisende eine gesamte Region meiden, obwohl nur einige Orte betroffen sind. "Leider sprechen die Medien von einem 'Erdbeben in den Marken' und die Kunden unterscheiden nicht", sagte Emiliano Pigliapoco, Präsident des Hotelverbandes Federalberghi der Marken.

Dramatisch ist die Lage in der vom Erdbeben zerstörten Benedikt-Kleinstadt Norcia. "Der Tourismus ist in Norcia zu Ende. Zwei unserer Hotels sind zerstört, weitere zwei im Stadtzentrum werden für die nächsten zehn Jahre nicht mehr zugänglich sein", berichtete Vincenzo Bianconi, Präsident der Hoteliers von Norcia. Trotz der schweren Schäden will Bianconi nicht aufgeben. "Wir hegen neue Projekte, wir wollen von der Landwirtschaft ausgehend neu beginnen", sagte Bianconi.

Viele Unternehmen resignieren trotz der angespannten Lage nicht und sehen im Erdbeben eine Möglichkeit zum Neustart. Diesen Willen zum Neubeginn will die Regierung unterstützen. "Wir müssen eine fortschrittliche Form von Tourismus planen, einen Tourismus, der umweltverträglicher und naturverbundener ist. Ich denke zum Beispiel an Radtourismus", betonte der auch für den Tourismus zuständige Kulturminister Dario Franceschini.

Der Ministerrat in Rom will am heutigen Freitag ein Dekret verabschieden, das den Wiederaufbau im Bebengebiet beschleunigen soll. Davon würde auch der Tourismus profitieren. Vorgesehen sind bürokratische Vereinfachungen für Unternehmen, die nach dem Erdbeben ihre Produktionswerke wieder in Betrieb setzen wollen. Gemeinden in der Erdbebenregion, die Aufträge für die Errichtung neuer Gebäude oder die Restaurierung von Immobilien ausschreiben wollen, sollen dies mit einer schnelleren Abwicklung tun können. Auch die Anstellung von Personal in den vom Erdbeben beschädigten Gemeinden soll erleichtert werden.

Quelle: APA

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