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Türke nach Tritt ins Gesicht von Frau in Shorts in Haft

Nach Empörung über seine Freilassung hat ein türkisches Gericht Untersuchungshaft gegen eine Mann verhängt, der eine junge Frau wegen ihrer kurzen Hosen in Istanbul ins Gesicht getreten hatte. Der 35-Jährige hatte die Krankenschwester am Montag vergangener Woche in einem Bus attackiert, weil er sich durch ihre Kleidung provoziert fühlte, wie Medien berichteten.

Nach seiner vorübergehenden Festnahme kam er am Wochenende wieder frei. Angesichts der öffentlichen Empörung über den laxen Umgang mit dem Fall ruderte die Justiz nun zurück. Abdullah C. kam in Haft und wurde wegen "Anstachelung zu Hass und Feindseligkeit" und eines Angriffs auf die Meinungs- und Glaubensfreiheit angeklagt.

Das Opfer, die 23-jährige Aysegül Terzi, berichtete im Fernsehen, der Angreifer habe während der Tritt-Attacke gesagt, wegen ihrer Shorts habe sie "kein Recht zu leben". Seit dem Vorfall müsse sie immer wieder weinen und fühle sich bedroht.

Die Nachrichtenagentur Dogan zitierte C. mit den Worten, die Kleidung der Frau sei "nicht normal" gewesen. Er habe sich "provoziert" gefühlt, zumal an dem Tag das muslimische Opferfest Eid al-Adha begonnen habe. Zugleich räumte er in einer Erklärung ein, dass sein Verhalten "nicht richtig" gewesen sei. In seiner Vernehmung habe er zudem geltend gemacht, dass er psychisch krank sei.

Die türkische Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya, die sich selbst mit Kopftuch betont religiös-konservativ kleidet, äußerte sich ebenso empört wie viele Demonstranten. Sie sei "als Mensch, als Frau und als Ministerin" betroffen.

Zwar gilt in der Türkei nach wie vor das Prinzip der Trennung von Religion und Staat, doch leistet die islamisch-konservative Regierungspartei AKP der Rückkehr des Religiösen ins öffentliche Leben weiter Vorschub. So setzte sich die AKP schon seit Langem für eine Aufhebung der Beschränkungen für die Verschleierung ein. Im Jahr 2010 wurde das Kopftuchverbot an den türkischen Hochschulen aufgehoben. Seitdem hat das Parlament auch das Tragen des Hidschab in Behörden und an Schulen zugelassen.

Quelle: Apa/Ag.

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