Kopf des Tages

Und Brecht ist immer dabei: Heinrich Breloer wurde 75

Heinrich Breloer, der Meister des Dokudramas, wird 75. Momentan verfilmt er das Leben von Bertolt Brecht. Danach will er mehr Zeit für sich haben. Der Regisseur lebt gerne in Köln - und hat am Rosenmontag sein ganz eigenes Ritual.

Regisseur Heinrich Breloer. SN/dapd
Regisseur Heinrich Breloer.

Bei Heinrich Breloer dreht sich momentan fast alles um ein Thema: Bertolt Brecht. Wenn es um den großen Dramatiker geht, ist Breloer in seinem Redefluss nur schwer zu stoppen. Kein Wunder: Seit nunmehr sechs Jahren arbeitet der Regisseur daran, das Leben Brechts zu verfilmen. Ein Mammutprojekt, das bald seinen größten Schritt machen wird: Im Mai sollen die Dreharbeiten zu dem ARD-Zweiteiler beginnen. Und so steckte Breloer auch zu seinem 75. Geburtstag am 17. Februar voller Elan.

Breloer gilt als Meister des Dokudramas, einer Mischung aus inszenierten Szenen und Dokumentaraufnahmen. Er ist Spezialist dafür, das Leben von Persönlichkeiten auszuleuchten und den Menschen hinter der Fassade zu entdecken. So war es bei den Recherchen für "Die Manns", als die jüngste Tochter des Dichters Thomas Mann, Elisabeth Mann Borgese, ihre Erinnerungen mit ihm teilte. So war es beim Dokudrama "Speer und Er", für dessen Umsetzung er Albert Speer persönlich sowie die Kinder des Hitler-Architekten und Rüstungsministers interviewte.

Und so ist es auch bei Brecht (1898-1956). Bergeweise Unterlagen hat Breloer gesichtet, mit etwa 25 betagten Zeitzeugen gesprochen. "Ich wollte von ihnen auch ganz simple Sachen wissen: Wie begrüßte Brecht sie? Wie sprach er? Hatte er ein Gebiss?" Der Dramatiker ist für Breloer auch aus filmischer Sicht kein Unbekannter, schon 1978 widmete er sich in einer Dokumentation dem jungen Brecht. "Manchmal haben solche Geschichten einen Eigenwillen und wollen weitererzählt werden", sagt Breloer.

Außer Thomas Mann und Brecht gibt es aus seiner Sicht nur einen weiteren deutschsprachigen Literaten, für dessen Lebens-Verfilmung es sich lohnen würde, in großem Stil öffentlich-rechtliche Gelder einzusetzen: Franz Kafka. Er selbst habe in der Hinsicht aber keine Pläne, winkt Breloer ab: "Das wäre zu diesem Zeitpunkt größenwahnsinnig."

Denn wenn das Brecht-Projekt durch ist, wolle er endlich mal "mehr Zeit zum Leben" haben, erklärt der Mann mit dem grauen Schnäuzer. In den vergangenen Jahrzehnten war er im Zuge seiner Arbeit ständig auf Reisen, machte "Expeditionen mit dem Tonband", und musste diese Aufnahmen hinterher natürlich alle abhören. "Ich möchte es abends auch mal etwas ruhiger angehen lassen, mal in Ruhe ins Kino gehen und nicht nur immer alles hinterher auf Video gucken."

Auch mit seiner Frau will er demnächst mehr Zeit verbringen. Aufgewachsen ist Breloer in Marl, dort betrieb sein Vater, ein Müllermeister, ein Hotel. In dem wohne er auch heute noch, wenn er in der Ruhrgebietsstadt zu tun habe, erzählt er: "Ich bin immer in Zimmer 1, das ist unser früheres Wohnzimmer."

Inzwischen leben Breloer und seine Frau seit gut 40 Jahren in Köln. Bald ist wieder Karneval, dann steht die Domstadt kopf. Breloer hat da ein ganz besonderes Hobby, denn vor seinem Haus stellt sich der Rosenmontagszug auf. "Dann setze ich mir immer einen Zylinder und eine rote Nase auf, gehe an den Wagen entlang und mache die verrücktesten Fotos. Der Zug geht nicht an mir vorbei, sondern ich gehe an dem Zug vorbei", sagt er lachend.

Quelle: Dpa

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