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US-Vizepräsident Mike Pence: Er ist Donald Trumps Ausputzer

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hatte US-Vizepräsident Mike Pence an diesem Wochenende seinen ersten Auftritt auf der internationalen Bühne - und es ist keine einfacher Auftritt geworden. Denn der Stellvertreter von Donald Trump musste sich zunächst mit einer Woge aus Ängsten und Sorgen befassen.

Mike Pence am Montag bei einer Pressekonferenz in Brüssel. SN/APA/AFP/THIERRY CHARLIER
Mike Pence am Montag bei einer Pressekonferenz in Brüssel.
Mike Pence am Montag bei einer Pressekonferenz in Brüssel. SN/APA/AFP/POOL/VIRGINIA MAYO
Mike Pence am Montag bei einer Pressekonferenz in Brüssel.

Die Verbündeten wollen wissen, wie es die neue US-Regierung mit der Nato hält, die Trump oft heftig gescholten hat. Und sie wollen wissen, wie es die US-Regierung mit der EU hält, nachdem Trump das britische Austrittsvotum bejubelt hat.

Doch Pence hat bereits reichlich Routine darin, Trump zu erklären. Er tut dies regelmäßig in Talksendungen und Gesprächen mit Kongressmitgliedern. Sein Ansinnen ist dabei oft, die von seinem Chef ins Rollen gebrachten Wogen wieder zu glätten. Der grauhaarige 57-Jährige nimmt diese Ausputzer-Rolle mit unterkühlter Professionalität wahr.

Doch auch wenn die Rollenverteilung zwischen Trump und Pence bisher gut zu funktionieren scheint - zuletzt kamen in der Affäre um die Russland-Connection des Trump-Teams einige Zweifel daran auf, ob der Vizepräsident zum allerengsten Zirkel um den Präsidenten gehört.

Denn Pence wurde beim internen Informationsfluss über die dubiosen Telefonate des inzwischen zurückgetretenen Sicherheitsberaters Michael Flynn mit dem russischen Botschafter offenbar wochenlang ignoriert.

Nach Angaben eines Sprechers erfuhr der Vizepräsident erst Ende vergangener Woche aus den Medien, dass Flynn entgegen seinen eigenen Angaben mit dem Diplomaten über die von Präsident Barack Obama verhängten Russland-Sanktionen gesprochen hatte.

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Dabei war der Rechtsberater des Weißen Hauses, Donald McGahn, schon zwei Wochen zuvor vom Justizministerium aufgrund von Mitschnitten darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass Flynn die Unwahrheit gesagt hatte. McGahn informierte daraufhin Trump.

Dass Pence hingegen nicht eingeweiht wurde, kommt einem Skandal innerhalb des Skandals gleich. Denn der Vizepräsident war unmittelbar betroffen. Er hatte aufgrund der Falschangaben des Sicherheitsberaters in Interviews versichert, dass es in den Telefonaten nicht um die Sanktionen gegangen sei.

Pence hat jedoch bisher nicht im Geringsten erkennen lassen, dass seine Loyalität durch die dubiosen Vorgänge erschüttert worden sein könnte. Es ist zweifellos nicht zuletzt diese Loyalität, die Trump an seinem Vize schätzt.

Und die Wertschätzung hat noch diverse weitere Gründe. Der Ex-Gouverneur und langjährige Kongressabgeordnete steuert die politische Erfahrung bei, die Trump und einem Großteil seines Teams fehlt. Als evangelikaler Christ stellt der Vize zudem ein wichtiges Bindeglied zur religiösen Rechten dar.

Terrific: Mike Pence ist der Mann hinter Donald Trump. SN/APA (AFP)/MANDEL NGAN
Terrific: Mike Pence ist der Mann hinter Donald Trump.

"Ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner, in dieser Reihenfolge" - so beschreibt Pence sich selbst. Als Gouverneur des Mittelweststaates Indiana setzte er eines der rigidesten Anti-Abtreibungsgesetze des Landes in Kraft.

Vor drei Wochen trat er dann beim alljährlichen Protestmarsch in Washington gegen die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs auf - als bisher erster Vizepräsident.

Der frühere Rechtsanwalt und Radiomoderator gehörte zwölf Jahre lang dem US-Repräsentantenhaus an, bevor er 2012 zum Gouverneur seines Heimatstaates gewählt wurde. Die vielen Kontakte aus seiner Zeit als Abgeordneter kommen ihm jetzt zugute.

Eine seiner Hauptaufgaben besteht darin, die Beziehungen des Weißen Hauses zum Kongress zu pflegen, wo nicht nur unter den oppositionellen Demokraten, sondern auch unter den Republikanern angesichts des turbulenten Starts der Trump-Regierung große Unruhe herrscht.

In seiner besonnenen und zurückhaltenden Art stellt der Vizepräsident den charakterlichen Antipoden zu Trump dar - weshalb ihn viele im derzeitigen Regierungschaos als Stabilitätsanker sehen.

Nie hat Pence jedoch durchblicken lassen, dass er im Temperament seines Chefs ein Problem sehen könne. Im Gegenteil: Es sei eine "erfrischende" Eigenschaft von Trump, "dass er sagt, was er denkt", befand Pence vor einigen Wochen in einem Interview.

(Apa/Afp)

Aufgerufen am 12.12.2017 um 03:29 auf https://www.sn.at/panorama/international/us-vizepraesident-mike-pence-er-ist-donald-trumps-ausputzer-40537

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