International

Venedig, die verkaufte Stadt

Dass der Venezianer Marco Polo die Nudeln aus China eingeführt hat, ist ein Mythos, dass Chinesen und Reiche sich heute Venedig teilen, ist real. Ihre Stadt werde von innen zerstört, fürchten die Venezianer.

Die Chinesen erobern zunehmend Venedig, die Brücke mit Pagodenaufbau ist allerdings eine Fotomontage. SN/istock/triggerphoto, privat
Die Chinesen erobern zunehmend Venedig, die Brücke mit Pagodenaufbau ist allerdings eine Fotomontage.



Venedig ist schön geworden, die Palazzi sind renoviert. Es fließt viel Geld durch die Stadt, aber nicht für uns Venezianer", sagt Enrico Mariani aus Cannaregio, Schuhhändler in der dritten Generation. Seine Haare sind in den letzten Jahren schneller ergraut und sein Gesicht erzählt von Resignation. Vor allem jetzt, wenn der 62-Jährige die Auslage seines Geschäfts im Sestiere Castello 4301 betrachtet. Die Schuhe sind neu ausgepreist, in fetten Ziffern, aber radikal verbilligt. Bald wird er schließen - das letzte seiner drei Geschäfte in Venedig: "Die Miete beträgt 12.000 Euro monatlich und wird nun erhöht. So läuft das hier - die Warenpreise fallen, alles fällt, nur die Mieten steigen. Für Geschäftsräume auf der anderen Seite des Markusplatzes verlangt man sogar 50.000 Euro und mehr. Kein Italiener kann sich solche Preise leisten."

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