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Vereinte Nationen fordern Kampf gegen Plastikmüll

Die UNO hat anlässlich des Weltumwelttags am 5. Juni vor den Gefahren durch Plastikmüll gewarnt. In der indischen Hauptstadt Neu Delhi stellten die Vereinten Nationen einen aktuellen Bericht vor, der die Welt vor einer Plastikmüll-Krise stehen sieht. Nur etwa neun Prozent der neun Milliarden Tonnen Plastik, die bisher weltweit hergestellt wurden, seien wiederverwertet worden, heißt es darin.

Die Welt steht vor einer Plastikmüll-Krise SN/APA (AFP)/ANDREW KASUKU
Die Welt steht vor einer Plastikmüll-Krise

"Unsere Ozeane werden als Müllhalde benutzt, Meerestiere erstickt und einige Meeresregionen in Plastiksuppe verwandelt", sagte der Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Erik Solheim, bei der Präsentation des Berichts am Dienstag. In Städten auf der ganzen Welt würde Plastikmüll Abflüsse verstopfen, Überschwemmungen und Seuchen verursachen, fügte er hinzu.

Sorgen bereitet den Vereinten Nationen vor allem die Verwendung von Einweg-Plastik. So seien jedes Jahr bis zu fünf Billionen Plastiksackerl im Umlauf. Große Mengen an Plastikmüll fänden ihren Weg auch in die Ozeane, sagte Solheim. Er forderte eine "Revolution". "Wir müssen das Verhältnis der Welt zu Plastik neu definieren." Plastik selbst sei nicht das Problem, sagte er. "Sondern was wir damit machen."

Ein Großteil des Plastikmülls, der Wasserwege und Müllhalden verstopfe, bestehe aus Einwegprodukten wie Strohhalmen, Sackerln und Besteck, heißt es in dem Bericht. Demnach werden jedes Jahr bis zu fünf Billionen Plastiksackerl verbraucht. In diesem Tempo wird die Erde laut UNEP bis Mitte des Jahrhunderts mit zwölf Milliarden Tonnen Plastikmüll überschwemmt sein.

Der UNO-Bericht verweist darauf, dass nur etwa neun Prozent des jemals hergestellten Plastiks recycelt worden seien. Nur zwölf Prozent wurden demnach verbrannt. Die übrigen 79 Prozent der insgesamt neun Milliarden Tonnen Plastik blieben auf Müllhalden, in Ozeanen und Wasserstraßen, wo sie tausende Jahre brauchen, bis sie komplett abgebaut sind. In Indien wurde Plastik bereits in Kuhmägen gefunden. In Thailand starb vor wenigen Tagen ein Wal, nachdem er Müllbeutel verzehrt hatte. Eine Autopsie brachte mehr als 80 Plastiksackerl im Magen des Tiers zum Vorschein.

Müll, der im Meer schwimmt, koste Fischerei, Schifffahrt und Tourismusindustrie in der asiatischen Pazifikregion jedes Jahr 1,3 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro), erklärte das UNO-Umweltprogramm. Mehr als 60 Staaten hätten bereits Verbote gegen oder Abgaben auf Einweg-Plastikprodukte verhängt. Um die "steigende Plastikflut" einzudämmen, seien jedoch eine bessere Abfallbeseitigung, finanzielle Anreize für die Änderung des Konsumverhaltens sowie die Forschung nach alternativen Materialien nötig, hieß es in dem Bericht.

In dem Bericht analysierte die UNO Programme zur Reduzierung von Plastikmüll in 60 Ländern und schlägt nun eine Reihe von Maßnahmen vor. Am effizientesten sind demnach gezielte Verbote und Abgaben. Allerdings sei ausschlaggebend, dass diese auch gut geplant und umgesetzt werden. Das sei bisher nicht der Fall, so die UNO.

Quelle: Apa/Dpa

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