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Vor Prozess um Loveparade: Immer noch melden sich Traumatisierte

In wenigen Wochen beginnt in Duisburg der Prozess um das Unglück bei der Loveparade, bei dem 2010 21 Besucher starben. Überlebende kämüfen noch immer mit dem Trauma.

Gezeichnete Figuren im Tunnel zum Veranstaltungsgelände erinnern an das Unglück bei der Loveparade 2010. SN/APA/dpa/Martin Gerten
Gezeichnete Figuren im Tunnel zum Veranstaltungsgelände erinnern an das Unglück bei der Loveparade 2010.

Der Loveparade-Stiftung in Duisburg sind in diesem Jahre weitere Fälle von schwer traumatisierten Menschen durch das Gedränge mit 21 Toten bekannt geworden. "Einige können weiterhin nicht arbeiten und brauchen immer noch Therapien", sagte der Vorstand der "Stiftung Duisburg 24.7.2010", Jürgen Widera, der Deutschen Presse-Agentur.

"Einige sind ganz aus der Bahn geworfen und haben ihren Job verloren." In einem Fall habe jemand Probleme, seine Berufsunfähigkeit anerkannt zu bekommen. In einem anderen Fall habe jemand erst 2017 wieder anfangen können zu arbeiten - zunächst mit zwei Stunden täglich im Rahmen einer Wiedereingliederung.

In einem Gedränge waren damals 21 Menschen gestorben, mehr als 650 wurden verletzt. Am 8. Dezember beginnt der Strafprozess gegen zehn Beteiligte der Stadt Duisburg und des Veranstalters Lopavent.

Bekannt wurde der Stiftung auch der Fall eines Studenten, der bis heute Schwierigkeiten hat, das Haus zu verlassen und sich unter Menschen zu begeben. "Es hat mich schon ein bisschen erschreckt, dass es Menschen gibt, die so schwer belastet sind, von denen wir überhaupt nichts gewusst haben." Die Betroffenen seien über das Bundesgebiet verteilt. Widera ist bis Ende 2018 auch Ombudsmann der Stadt Duisburg für die Opfer der Loveparade.

Für Hinterbliebene und Verletzte stehen beim Prozess an jedem Verhandlungstag zwei Experten der Notfallseelsorge zur Verfügung. Derzeit werde ein Team von erfahrenen Notfallseelsorgern und Psychologen aufgebaut, sagte Widera. Die Notfallseelsorger aus Duisburg und dem Kreis Wesel würden Hinterbliebene und Verletzte bereits seit 2010 betreuen.

An den für Verletzte und Hinterbliebene besonders aufwühlenden Tagen sollen auch mehr als zwei Fachleute vor Ort sein. "Beispielsweise, wenn die Bilder von der Katastrophe gezeigt werden. Wenn Eltern mit den Bildern ihrer toten Kinder konfrontiert werden, kann alles Mögliche passieren, bis hin zur Retraumatisierung", sagte Widera. Der Pfarrer rechnet damit, dass die Eltern von etwa zehn Getöteten den Prozessauftakt am 8. Dezember persönlich verfolgen werden.

Die Hoffnung von Nebenklägern auf Aufklärung wird nach Ansicht des Opferbeauftragten des Landes Berlin, Roland Weber, in Strafprozessen oft nicht erfüllt. "Ein Strafprozess soll klären, ob die Angeklagten eine persönliche Schuld tragen im Sinne des Strafrechts", sagte Weber im Vorfeld des Loveparade-Strafprozesses. "Die sitzen nicht da, weil sie den Opfern eine Sachverhaltsaufklärung bieten wollen." So hätten die Angeklagten etwa das Recht zu schweigen. Dieser Widerspruch lasse sich ganz oft nicht auflösen, sagte der Rechtsanwalt.

Hintergrund: Die Opfer der Loveparade

Bei dem Loveparade-Unglück im Sommer 2010 in Duisburg wurden am einzigen Ein- und Ausgang der Technoparade in einem Gedränge 21 junge Menschen erdrückt. Sie waren zwischen 17 und 38 Jahren alt und kamen aus Deutschland (15), Australien (1), den Niederlanden (1), Spanien (2), Italien (1) und China (1). Mindestens 652 Loveparade-Besucher wurden damals verletzt. Viele von ihnen leiden bis heute körperlich und seelisch unter den Folgen. Am 8. Dezember beginnt in Düsseldorf ein Strafprozess gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters. Sie müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Bei dem Prozess sind laut Landgericht Duisburg 33 Angehörige und 27 Verletzte als Nebenkläger zugelassen. Das Gericht hat bislang 111 Verhandlungstermine bis Ende 2018 bestimmt.

Quelle: Dpa

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