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Vorarlberger Alt-Bischof Elmar Fischer wurde 80

Aus der Öffentlichkeit verabschiedet hat sich Feldkirchs Alt-Bischof Elmar Fischer schon lange. Nach einer Amtszeit mit wenig Höhe- und vielen Tiefpunkten sagte er im Dezember 2011 in einem ganzseitigen Brief im Vorarlberger Kirchenblatt Adieu. Neben Dankesworten bat Fischer damals, "mir die Unzulänglichkeiten in meinem Bemühen zu verzeihen". Am 6. Oktober wurde Fischer 80 Jahre alt.

Vorarlberger Alt-Bischof Elmar Fischer wurde 80 SN/APA
Vorarlberger Alt-Bischof Elmar Fischer wurde 80.

Sein Jubiläum wird am Samstag mit einer Messe im Feldkircher Dom zelebriert. Anschließend findet gemeinsam mit geladenen Gästen ein offizielles Geburtstagsessen statt.

Heute lebt der 1936 in Feldkirch-Tisis geborene Geistliche zurückgezogen in einer Gemeinschaft im Bregenzerwald. Papst Benedikt XVI. nahm seinen altersbedingten Rücktritt im November 2011 an, ohne ihn um eine "Verlängerung" gebeten zu haben. Dennoch hat der Vatikan Fischer einen positiven Abschied gegönnt. Abtreten durfte Fischer nämlich mit der Seligsprechung des Märtyrers Carl Lampert.

Als Nachfolger von Klaus Küng stand Fischer der jüngsten Diözese Österreichs seit 3. Juli 2005 als Bischof vor. Legte er mit geschickten Personalbestellungen zunächst noch einen guten Start in seine Bischofszeit hin, erwies sich das hohe kirchliche Amt in weiterer Folge als immer schwerere Bürde für den ausgebildeten Psychotherapeuten. Zahlreiche verbale Fehltritte und auch Gewaltvorwürfe gegen seine Person prägten seine Ära als Bischof. Umgekehrt darf er für sich in Anspruch nehmen, dass in der Zeit seines Wirkens eine wegweisende Strukturreform für die Vorarlberger Pfarreien erarbeitet wurde.

Besonders hoch her gingen die Wogen im Frühjahr 2010, als es hieß, Fischer habe als Lehrer bzw. Internatsleiter in den 1960er und 1970er-Jahren Schüler geschlagen. Die Anschuldigungen erwiesen sich laut einem Gutachten des von der Diözese beauftragten Psychiatrieprofessors Hartmann Hinterhuber zwar als glaubhaft, zu mehr als einer halbherzigen Entschuldigung - der Bischof meinte wörtlich: "In meiner Erinnerung stellen sich die Dinge im Konkreten anders dar" - konnte sich Fischer aber nicht durchringen. Damit war die Affäre zwar erledigt. Fischer hielt sich danach jedoch so gut wie möglich im Hintergrund, den Kontakt mit den Medien stellte er ein.

Aber schon davor war seine Zeit als Bischof von Feldkirch dominiert von einer tiefen Kluft des Gottesmannes zur medial geprägten Informationsgesellschaft, von Missverständnissen und umstrittenen Aussagen. Unter anderem polarisierte der streng konservative Fischer mit seiner Meinung, dass Ohrfeigen "für junge Menschen hilfreich" sein können (was er später wieder zurücknahm).

2009 war die öffentliche Entrüstung groß, als Fischer Homosexualität für heilbar erklärt hatte. Die tags darauf folgende Entschuldigung - "Ich ging von einem offenkundig nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur aus" - mochte man dem Bischof nur mit großem Wohlwollen glauben. Vor allem auch deshalb, weil Fischer als "Rückfalltäter" galt: Bereits 1996 hatte er als damaliger Generalvikar der Diözese seine tiefe Skepsis gegenüber Homosexualität in einem Rundbrief an die katholischen Pfarrämter kundgetan.

Ebenfalls nicht anfreunden konnte sich Fischer mit dem Gedanken an Moscheen mit Minaretten im Land. Die Vorarlberger würden es nicht ertragen, wenn jetzt eine Moschee gebaut würde, ließ er 2008 wissen, nicht ohne anzumerken: "Ich sitze in der Provinz unter den Leuten, wie sie halt in Vorarlberg sind".

Mit zunehmender Anhäufung seiner zielsicheren Sprünge in allerlei Fettnäpfchen ging Fischer auch der von allem Anfang an nicht übermäßig große Rückhalt im Vorarlberger Klerus verloren. Und auch viele Vorarlberger Gläubige zogen ihre Konsequenzen. Sie quittierten Fischers Aussagen (und die Missbrauchsfälle im Kloster Mehrerau), indem sie der Kirche den Rücken kehrten. 2009 wurde mit 2.515 Austritten ein Rekord verzeichnet, der damals weit über den Zahlen vergangener Jahre lag und 2010 mit 4.709 Austritten noch einmal geradezu pulverisiert wurde. Seitdem hat sich die Zahl der jährlichen Austritte bei rund 2.500 eingependelt.

(APA)

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