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Vorarlberger Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber wurde 70

Herbert Sausgruber, Vorarlbergs vierter Landeshauptmann nach dem Zweiten Weltkrieg, feierte vergangenen Sonntag seinen 70. Geburtstag. "Sausi" - wie er von den Vorarlbergern genannt wird - leitete rund 14 Jahre als christlich-sozialer Regierungschef die Geschicke des "Ländle" und war dort lange Jahre mit Abstand der bekannteste und beliebteste Politiker.

Vorarlberger Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber wurde 70 SN/dapd
Herbert Sausgruber wurde 70.

Den Ruhestand genießt der frühere "Landesvater" in vollen Zügen. "Es geht mir absolut gut", sagte Sausgruber im Gespräch mit der APA. "Ich habe schon einen beachtlichen Zugewinn an Zeit und Autonomie, seit ich in Pension bin." Seine Zeit verbringe er mit "sehr viel lesen", vor allem Bücher über Ethik in Gesellschaft und Politik und europäische Themen haben es dem erfahrenen Politiker angetan. Hin und wieder halte er auch Vorträge zu diesen Themen, "wenn mir das Format sinnvoll erscheint", so Sausgruber. Zur Tagespolitik hat sich der frühere Landeschef seit seinem Rückzug im Dezember 2011 nicht mehr geäußert.

Bedauern wegen des Endes seiner Karriere kennt Sausgruber nicht. "Ich habe alle politischen Funktionen, die ich innehatte, sehr gerne ausgeführt", blickte er auf eine lange politische Karriere zurück, die 1975 in seinem Heimatort Höchst (Bezirk Bregenz) in der Gemeindevertretung begann. Das Amt als Landeshauptmann habe er niedergelegt, als er merkte, dass er die Funktion nicht mehr mit der gewohnten "Spannkraft" ausfüllen konnte. In den Ruhestand sei er deshalb ohne große Schwierigkeiten gewechselt, "auch weil ich einen Nachfolger hatte, der das kann und sehr gut macht", resümierte Sausgruber.

Anders als viele seiner politischen Kollegen hat der frühere Landeshauptmann keine Aufsichtsratsposten oder Ähnliches angenommen ("Der klare Schnitt war für mich richtig."). Lieber verbringt er Zeit mit seinen fünf Enkeln, die wie Sausgruber in der Bodenseegemeinde Höchst leben, oder engagiert sich ehrenamtlich im Rahmen des Sozialprojekts "Elijah" von Pater Georg Sporschill für osteuropäische Straßenkinder. Seit 2013 ist Sausgruber Obmann des Fördervereins. Auch das Joggen zählt nach wie vor zu den Hobbys des früheren Politikers, "aber nicht mehr mit der gleichen eisernen Konsequenz", gibt Sausgruber zu und fügt schmunzelnd hinzu: "Bei schlechtem Wetter lasse ich es eher".

Als Sausgruber 2011 seinen Rückzug aus der Politik ankündigte, überraschte er damit Freund und Feind. Zwar hatte niemand damit gerechnet, dass der Vorarlberger "Landesvater" die gesamte Periode bis 2014 durchdienen würde, aber mit einem so frühen Abschied hatte niemand gerechnet. In Vorarlberg war der erste Mann des Landes lange Jahre mit Abstand der bekannteste und beliebteste Politiker. Seine Werte, Denkweise und Auftreten passten zum westlichsten Bundesland: Sausgruber zeigte sich stets offen und freundlich, aber auch zurückhaltend. In der Sache war der ehemalige Landeshauptmann hart, durchaus aber zu Kompromissen bereit. Kritiker sahen in ihm allerdings keinen Gestalter, vielmehr einen Verwalter.

Trotz aller Kritik von außen feierte Sausgruber als Parteichef und Landeshauptmann große Erfolge. Zwar musste er nach seiner ersten Landtagswahl als Spitzenkandidat 1999 den Verlust der absoluten Mehrheit hinnehmen und gemeinsam mit Hubert Gorbach und dessen FPÖ regieren, bei den nächsten beiden Landeswahlen 2004 und 2009 sicherte er seiner Partei aber wieder die "Absolute". Den Kurs "seiner" ÖVP unterstrich Sausgruber stets als "Politik der Mitte" mit Schlagworten wie Familie, Eigentum, Leistung und Solidarität. Dabei konnte Sausgrubers "Mitte" mitunter einigermaßen breit sein. Sozial gab sich die Landes-ÖVP unter Sausgruber unter anderem im Kampf mit dem Bund um Pflege- und Familienleistungen oder indem sie die Tarife für Strom und öffentlichen Verkehr niedrig hielt. Als ziemlich weit rechts wurde sie hingegen von Beobachtern empfunden, als sie etwa 2008 gemeinsam mit der FPÖ ein Gesetz beschloss, das den Bau von Minaretten möglichst verhindern soll. Die Ausbootung der Vorarlberger FPÖ aus der Landesregierung infolge des "Exil-Juden"-Sagers von Parteichef Dieter Egger im Herbst 2009 sah Sausgruber auch danach stets als richtig an.

In Wien war der Politiker Sausgruber für seine alemannische Liebe zu größtmöglicher Eigenständigkeit bekannt, als Verfechter der Rechte der Länder und des Subsidiaritätsprinzips. Sätze wie "Die sollen uns nicht beim Arbeiten stören, das ist, was wir von der Zentrale erwarten" fielen in beständiger Regelmäßigkeit. Im Interesse des Landes schreckte Sausgruber vor Klagen gegen den Bund nicht zurück.

Sausgrubers Ernennung zum Landeshauptmann am 2. April 1997 war die beinahe logische Konsequenz einer politischen Bilderbuchkarriere: Seit 1972, nach seiner Promotion zum Doktor der Rechte und der Gerichtspraxis, stand Sausgruber im Landesdienst. Die politische Laufbahn begann drei Jahre später als Gemeindevertreter in Höchst. 1979 in den Vorarlberger Landtag gekommen, übernahm Sausgruber bereits 1981 das Amt des Klubobmanns der ÖVP-Fraktion. Von Oktober 1986 bis März 2012 war Sausgruber Landesparteiobmann der Vorarlberger Volkspartei. Am 24. Oktober 1989 wurde er erstmals in die Landesregierung berufen, im Mai 1990 zum Landesstatthalter (Landeshauptmannstellvertreter) gewählt. Nach der Landtagswahl 1994 wurde er zum Nachfolger des damaligen Landeshauptmanns Martin Purtscher designiert. 1997 übernahm er den Sessel des Regierungschefs.

Sausgruber ist seit 1973 mit seiner Frau Ilga verheiratet, Vater zweier Söhne und einer Tochter sowie fünffacher Großvater.

Quelle: APA

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