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Vorhang fällt über die Regierung: Italiens "Verschrotter" Renzi geht

Der Vorhang fällt über die Regierung von Italiens Premier Matteo Renzi. Nach knapp mehr als tausend Tage an der Führung des Landes muss der jüngste Ministerpräsident in der italienischen Geschichte kapitulieren. Der ambitionierte Sozialdemokrat, der 2014 als Verschrotter alter Eliten angetreten ist, muss vor der harten Realität resignieren. Mit überwältigender Mehrheit sagten die Italiener am Sonntag "Nein" zu seiner Verfassungsreform.

Vorhang fällt über die Regierung: Italiens "Verschrotter" Renzi geht SN/APA/AFP/ANDREAS SOLARO
Aus für Matteo Renzi als italienischer Premier.

Die Wähler machten bei dem Referendum klar, dass sie nicht mehr an Renzis Reformkurs glauben. Der Mythos des Jungstars der italienischen Politik, der mit Energie und einer gewissen Überheblichkeit das träge Italien in eine neue Ära hieven wollte, ist gestürzt. Renzi, der als Alternative zu den veralteten politischen Machtlobbys angetreten war, wurde nun als deren Verkörperung von den Wählern abgestraft. Er repräsentiert längst nicht mehr das Neue in der Politik. Der 41-Jährige scheint nach dem Referendumsdebakel und einer zermürbenden Wahlkampagne, die das Land zutiefst gespalten hat, plötzlich um Jahre gealtert. Der Verschrotter ist selber verschrottet worden.

"Game over, jetzt beginnt der Rexit", feierte die oppositionelle Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi den Sieg der "Ja"-Front. Die Abkehr der Italiener vom Premier und seiner Demokratischen Partei (PD) ist unbestreitbar, neue politische Szenarien bahnen sich an. "Der Renzismus ist definitiv zu Ende", kommentierten politische Beobachter in Rom. Im desillusionierten Italien, das nach der Krise immer noch nicht den Weg zum Wirtschaftswachstum gefunden hat, ist Renzi in wenigen Monaten vom Neuen zum Alten geworden. Das Duell zwischen Kräften, die für bzw. gegen das etablierte System kämpfen, war in diesen Monaten erbitterten Wahlkampfs so scharf wie nie.

Der toskanische Premier zahlt einen hohen Preis für die Mobilität der Wählerschaft, die extrem unideologisch von Jahr zu Jahr von einer Partei zur anderen wandert. Die Rechnung präsentiert bekommt Renzi auch für die Tatsache, dass trotz seiner wirtschaftlichen Reformen der ersehnte Wirtschaftsaufschwung im Land nicht wirklich spürbar ist. Die Jugendarbeitslosigkeit ist weiter hoch, Unternehmen schaffen kaum neue Jobs, Maßnahmen zum Schuldenabbau greifen nicht, während das Bankensystem strauchelt.

Renzi ist auch für die Personalisierung des Wahlkampfes bestraft worden. Immer wieder hatte er zuletzt vor den negativen Auswirkungen eines "Nein"-Siegs auf die Finanzmärkte und für Europa gewarnt. Die desillusionieren Italiener haben ihm kaum Gehör geschenkt. Für Italien beginnt eine Phase der politischen Ungewissheit, die zu Neuwahlen im Frühjahr führen könnten.

Quelle: APA

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