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"Weißer Wunderläufer" und umstrittener IAAF-Chef Coe wurde 60

Als "weißer Wunderläufer" hat Sebastian Coe seine Rivalen abgehängt. Seit der Brite - der am Donnerstag 60 wurde - Präsident im Leichtathletik-Weltverband (IAAF) ist, entkommt er aber dem Zweifel an seiner Integrität nicht. Im Zuge des Korruptionsskandals um Vorgänger Lamine Diack drohte ihm sogar der Verlust seines Amtes. Stehvermögen und taktische Cleverness halfen ihm, um sich zu behaupten.

"Weißer Wunderläufer" und umstrittener IAAF-Chef Coe wurde 60 SN/APA (AFP)/FABRICE COFFRINI
Sebastian Coe.

Der in London geborene Sohn eines Ingenieurs und einer Schauspielerin war in den 1970er- und 1980er-Jahre einer der besten Mittelstreckler der Welt. Von 1976 bis 1984 blieb er über 1.500 Meter und die englische Meile (1.609 Meter) unbesiegt. Zwischen 1979 bis 1981 lief Coe zudem Weltrekorde über alle Mittelstrecken und wiederholte als erster Leichtathlet seinen 1980 erkämpfen Olympiasieg über 1.500 Meter vier Jahre später in Los Angeles. Unvergessen sind die Duelle mit seinem Dauerrivalen und Landsmann Steve Ovett.

Nach dem Ende seiner Athleten-Karriere lief es für den charismatischen und gewandten Coe ohne großen Zwischenstopp erfolgreich weiter. 1992 kandidierte er bei den Unterhauswahlen und zog für fünf Jahre ins Parlament ein. Im Jahr 2000 wurde Coe zum "Life Peer" erhoben, führt den Titel "Baron Coe of Ranmore" und sitzt seitdem im House of Lords.

Nachdem London die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 übertragen wurde, übernahm er als Präsident des Organisationskomitees die Vorbereitungen - und wurde am Ende als Olympia-Macher und "Lord of the Games" gefeiert. Kurz danach kürte man ihn zum Vorsitzenden des Nationalen Olympischen Komitees Großbritanniens.

Schon 2007 wurde Coe in der IAAF zum Vizepräsidenten gewählt und blieb es, bis er 2015 die Nachfolge des Senegalesen Diack antrat, den er bei der Amtsübernahme seinen "spirituellen Präsidenten" nannte. Eine Aussage, die ihm nach der Anklageerhebung durch die französische Staatsanwaltschaft gegen Diack wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und Korruption auf die Füße fiel. Hat der langjährige Vizepräsident Coe von den Machenschaften seines Vorgängers nichts gewusst?

Eine Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat den Fall untersucht und im Jänner in ihrem Bericht festgestellt: Es sei "nicht glaubhaft", dass hochrangige Offizielle der IAAF nichts von den kriminellen Vorgängen mitbekommen haben. WADA-Ermittler Richard Pound nahm Coe jedoch in Schutz: Er könne sich "keinen Besseren" vorstellen, den Verband zu führen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hielt jedoch Distanz zu Coe, obwohl der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach und der Brite seit mehr als 35 Jahren als Freunde galten und sich "Professor" und "Shakespeare" nannten. Im Juni fehlte der Name von Coe auf der Liste der neuen IOC-Mitglieder. Dabei galt es bis dato als ungeschriebenes Gesetz, IAAF-Präsidenten ins IOC aufzunehmen.

Als Coe drohte, im Sumpf der Korruption durch seine enge Bindung an Diack mit unterzugehen, gelang ihm mit dem Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten wegen Staatsdopings von den Sommerspielen in Rio ein Befreiungsschlag. Die harte Haltung der IAAF hat dem Briten Anerkennung eingebracht, während Bach und das IOC wegen des Verzichts auf den Komplett-Bann Russlands viel Kritik ernteten.

Lord Coe, der die IAAF radikal reformieren muss und Russland erst mit einem wirksamen Anti-Doping-System wieder in den Weltverband aufnehmen kann, wird weiter auf dem Prüfstand stehen. "Das ist meine letzte Rolle. Absolut", versicherte er. Ob er sie zu Ende spielen kann?

Quelle: Apa/Dpa

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