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Wer bekommt den Friedensnobelpreis?

Syrische Lebensretter, Flüchtlingshelfer und Kämpfer für Atomabrüstung sind für den Friedensnobelpreis 2016 nominiert.

Die Jury des Friedensnobelpreises hatte in diesem Jahr eine schwierige Aufgabe zu meistern: Noch nie waren mehr Menschen und Organisationen für die prestigeträchtige Auszeichnung nominiert. 376 Kandidaten standen auf der Liste für den Nobelpreis 2016. Wen das norwegische Nobelkomitee aus der Rekordzahl von Vorschlägen ausgewählt hat, verkündet es am Freitag (11.00 Uhr) in Oslo.

Bekannt ist nur ein Bruchteil der Nominierungen - zum Beispiel die der Weißhelme, einer Organisation aus syrischen Bürgern, die Verletzte nach Bombenangriffen aus den Trümmern ziehen und so viele Leben gerettet haben. "Sie zeigen, dass es nicht immer die weißen Ritter von außerhalb sind, die den größten Unterschied machen, sondern oft die Einheimischen", sagte der Osloer Friedensforscher Kristian Harpviken. Hollywoodstars wie Ben Affleck und George Clooney haben in einer Kampagne für einen Nobelpreis für die Syrer geworben. "Das wäre der aktuellste Preis", meinte der Historiker Asle Sveen.

Einsatz in der Flüchtlingskrise

Auch der mutige Einsatz bei der Rettung von Bootsflüchtlingen könnte nach Einschätzung von Beobachtern belohnt werden. Auf der Liste des Nobelkomitees sollen einige Bewohner der griechischen Inseln sowie Schauspielerin Susan Sarandon stehen.

Denkbar ist laut Friedensforschern auch ein Preis zum Thema Atomabrüstung. Eine Auszeichnung etwa an US-Energieminister Ernest Moniz und den Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Saleh, halte er "für recht wahrscheinlich", sagte Harpviken.

Ursprünglich hatten viele Experten darauf getippt, dass die begehrte Auszeichnung nach Kolumbien gehen könnte. Doch nachdem die Kolumbianer in einem Referendum gegen den Friedensvertrag gestimmt haben, den Regierung und die linke Farc-Guerilla ausgehandelt hatten, sind die Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden in dem Land nach über einem halben Jahrhundert des Konflikts wieder geschrumpft.

Im vergangenen Jahr hatte die norwegische Nobeljury das tunesische Quartett für den nationalen Dialog - einen Zusammenschluss aus Gewerkschaftsverband, Arbeitgeberverband, Menschenrechtsliga und Anwaltskammer - für den gemeinsamen Einsatz für Demokratie in Tunesien geehrt.

Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (830.000 Euro) dotierte Auszeichnung wird als einziger Nobelpreis nicht in Stockholm, sondern in Oslo verkündet. In der norwegischen Hauptstadt wird der Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, auch überreicht.

Die berühmtesten Preisträger

Immer wieder geht der Nobelpreis an international weniger bekannte Friedenskämpfer. Seit 1901 hat die Jury aber auch schon einige weltberühmte Preisträger gekürt:

BARACK OBAMA: Der Preis an den amtierenden US-Präsidenten ist einer der umstrittensten in der Geschichte des Nobelpreises. Obama ist aber längst nicht der einzige Bewohner des Weißen Hauses, der die Auszeichnung bekommen hat. Vor ihm wurde die Ehre etwa schon Theodore Roosevelt (1906) und Woodrow Wilson (1919) zuteil.

MARTIN LUTHER KING JR.: Vier Jahre, bevor er ermordet wurde, erhielt der US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King 1964 den Friedensnobelpreis.

MUTTER TERESA: Die Helferin der Armen und Kranken, die im September heiliggesprochen wurde, bekam den Nobelpreis 1979.

NELSON MANDELA: Für seinen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika verlieh die Nobeljury Mandela (noch vor seiner Zeit als erster dunkelhäutiger Präsident des Landes) 1993 die Auszeichnung.

WILLY BRANDT: Bekanntester deutscher Nobelpreisträger ist wohl der damalige Bundeskanzler Willy Brandt. Der SPD-Politiker wurde 1971 für seine Ostpolitik geehrt, die zur Entspannung im Kalten Krieg beitrug.

ARAFAT, PERES UND RABIN: Der Ende September gestorbene israelische Altpräsident Schimon Peres bekam den Preis 1994 als Außenminister gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Izchak Rabin und dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat für ihre Bemühungen um ein Ende des Nahost-Konfliktes.

DIE EU: Mit dem Nobelpreis für die Europäische Union würdigte das norwegische Komitee 2012 deren Beitrag zu Frieden in Europa.

KOFI ANNAN UND DIE UN: Zuvor hatte die Jury eine andere große Organisation ausgezeichnet: 2001 bekamen die Vereinten Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan den Nobelpreis.

Quelle: SNdpa

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