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Wer Plastiksackerl nimmt, kommt ins Gefängnis

Nach vielen anderen Ländern führt nun auch Tansania ein Verbot von Plastiktüten ein. Mit drastischen Maßnahmen.

Symbolbild SN/APA (dpa)/Patrick Pleul
Symbolbild

Seit Samstag dürfen in dem ostafrikanischen Land Tansania der Regierung zufolge keine Plastiksackerl mehr importiert, exportiert, hergestellt, verkauft oder genutzt werden. Herstellern droht eine Geldstrafe von bis zu einer Milliarde tansanischer Schillinge (etwa 390.000 Euro) oder zwei Jahre Haft, wie January Makamba, Staatssekretär für Umwelt im Büro des Vizepräsidenten, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Ein Nutzer einer Plastiktasche könnte demnach mit 30.000 Schillingen (etwa 12 Euro) oder zwei Wochen im Gefängnis bestraft werden. Plastik etwa für medizinischen Gebrauch, in der Landwirtschaft oder in der Bauindustrie sind von dem Verbot ausgenommen.

Damit folgt Tansania anderen Ländern wie Ruanda und Kenia, die bereits ein Plastiksackerl-Verbot eingeführt haben. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms haben weltweit 61 Staaten die Herstellung und den Import von Plastiktaschen verboten und 83 Staaten ihren kostenlosen Vertrieb. In Deutschland gibt es eine mit dem Handel vereinbarte Bezahlpflicht, wodurch Händler freiwillig Geld für die Tragetaschen verlangen.

Papiertaschen sind keine gute Alternative

Umweltschützer lobten die Entscheidung der tansanischen Regierung. "Plastik ist die Nummer eins der Umweltverschmutzer", teilte der WWF-Chef in Tansania, Amani Ngusaru, nach der Verkündung des Verbots im April mit. Allerdings beschwerten sich einige Bürger Tansanians, dass nicht ausreichend Vorbereitungen getroffen worden seien. "Die Regierung besteht auf die Nutzung von alternativen Tragetaschen, aber diese gibt es nicht auf dem Markt", sagte etwa Khalfan Khamis, ein Plastiktaschen-Händler in Daressalam.

Auch mahnen viele Experten, dass ein Verbot nicht immer zielführend ist: Alternativen wie die Papiertasche sind nicht unbedingt gut für die Umwelt und die Plastiktasche macht nur einen kleinen Teil des Plastikmülls aus. Kürzlich sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums, Plastiksackerl machten in Deutschland weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

In Frankreich gibt es seit 1. Jänner 2016 ein landesweites Verbot nicht kompostierbarer Plastiksackerl. In Italien gibt es bereits seit 1. Jänner 2011 ein Verbot von Plastiksackerl, die aus nicht biologisch abbaubarem Material bestehen. In In Österreich soll es ein Verbot von Kunststofftragetaschen, mit Ausnahme jener Tragetaschen, die biologisch vollständig abbaubar sind, ab 2020 geben. Der österreichische Handel hat bisher schon im Kampf gegen Plastik freiwillig einzelne Initiativen gesetzt und mit gutem Beispiel innovative Ideen umgesetzt.

Quelle: Dpa

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