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Werner von Siemens: Erfinder, Pionier und Familienmensch

Mit seinen Erfindungen, aber auch seinem ausgeprägten Unternehmersinn gilt Werner von Siemens als Wegbereiter der Moderne. Der Deutsche legte den Grundstein für einen Weltkonzern. Vor 200 Jahren wurde er geboren.

In der Gründerszene von heute wäre Werner von Siemens vermutlich ein Star: Mit Tatendrang, Zielstrebigkeit und Risikobereitschaft setzte er seine Ideen um und prägte einen Weltkonzern. Siemens feiert den 200. Geburtstag des Multitalents.

Den Vergleich mit erfolgreichen Start-ups aus dem Silicon Valley braucht Siemens aus Sicht von Konzernchef Joe Kaeser nicht zu scheuen. Auch der Elektrokonzern fußt auf Pioniergeist und Erfindungsreichtum - und recht bescheidenen Anfängen in einer Berliner Hinterhofwerkstatt. Dort legte Werner von Siemens zusammen mit einem Kompagnon einst den Grundstein für den Konzern mit heute weltweit 348.000 Beschäftigten.

Wie alle großen Persönlichkeiten muss Werner von Siemens vor dem Hintergrund seiner Epoche gesehen werden. Am 13. Dezember 1816 wurde er als Ernst Werner Siemens - der Adelstitel wurde ihm erst in den letzten Lebensjahren verliehen - in eine Zeit des Aufbruchs und des Wandels hineingeboren. Die Industrialisierung kam im deutschen Staatenbund gerade erst in Gang - das eröffnete dem vielseitig begabten Gutspächter-Sohn zahlreiche Chancen, die er geschickt zu nutzen verstand.

Dabei waren seine Startbedingungen nicht die einfachsten, wie der Unternehmenshistoriker Johannes Bähr in seiner Biografie "Werner von Siemens 1816 - 1892" beschreibt. Wegen des wirtschaftlichen Misserfolgs des Vaters blieb ihm ein Studium versagt. Doch mit dem Eintritt in die preußische Armee verschaffte sich der zielstrebige junge Mann Zugang zu einer naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung, die die Basis für seine Arbeiten in der damals noch jungen Elektrotechnik bildete.

Sein Biograf beschreibt ihn als marktorientiert

Schon früh verstand es Werner von Siemens, naturwissenschaftliche Begabung und unternehmerischen Spürsinn miteinander zu verbinden. "Er war sehr praxisnah und marktorientiert", sagt sein Biograf. Weil das Militär damals an einer schnellen und sicheren Nachrichtenübertragung interessiert war, konstruierte er 1846/47 einen Zeigertelegrafen und gründete noch im gleichen Jahr die "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske" zusammen mit dem Mechaniker Johann Georg Halske. Schon rasch expandierte die junge Firma ins Ausland. Es folgten weitere wegweisende Erfindungen und Entwicklungen mit Schwerpunkt auf Elektrizität und Energietechnik.

Die Elektrifizierung gehört - anders als die Telekommunikation - auch heute noch zum Kerngeschäft des Konzerns. Doch ähnlich wie der Firmengründer in seiner Zeit, stehen das Unternehmen und die Weltwirtschaft vor der nächsten industriellen Revolution - die allgegenwärtige Digitalisierung und Automatisierung, die Vorstandschef Kaeser zu weiteren Zukunftsfeldern für Siemens ausgerufen hat. Nach einem radikalen Konzernumbau treibt Kaeser derzeit die Neuausrichtung von Siemens voran - mit der weiteren Verselbstständigung der Medizintechnik, die er an die Börse bringen will, und milliardenschweren Zukäufen wie die Mitte November angekündigte Übernahme des Industriesoftware-Spezialisten Mentor Graphics aus den USA.

Aber auch mit eigenen Innovationen soll das Unternehmen - ganz im Sinne seines Gründers - in die Zukunft gehen. Dafür hatte Kaeser vor einem knappen Jahr die Start-up-Einheit Next47 auf den Weg gebracht. Siemens lässt sich diese "Innovations-Plattform für die übernächste Generation" in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro kosten und will damit kreative Ideen abseits ausgetretener Pfade fördern.

Wie für den Firmengründer soll auch für Next47 Risikobereitschaft und die Fähigkeit, auch mal einen Rückschlag einzustecken, zum Programm gehören. Das erste Projekt der Start-up-Einheit ist ein hybrid-elektrischer Antrieb für Flugzeuge, dessen Machbarkeit Siemens zusammen mit Airbus bis 2020 nachweisen will. So weit wie Werner von Siemens muss unterdessen heute niemand mehr gehen, um Innovationen voranzubringen: Der sei für die Erschließung neuer Märkte - wie etwa bei der Verlegung von Telegrafen-Kabeln auf hoher See - sogar bereit gewesen, sein Leben zu riskieren, sagt Biograf Johannes Bähr.

Werner von Siemens war ein Familienmensch

Nachdem Vater und Mutter kurz nacheinander in den Jahren 1839 und 1840 gestorben waren, musste Werner von Siemens als ältester Sohn die Vaterstelle für seine jüngeren Geschwister übernehmen.

1852 heiratete er Mathilde Drumann. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor. Vier Jahre nach dem Tod von Mathilde im Jahr 1865 ging er mit einer entfernten Verwandten, Antonie Siemens, eine zweite Ehe ein. Antonie war 20 Jahre jünger als er. Das Paar bekam einen Sohn und eine Tochter.

Als Familienmensch machte sich Werner von Siemens auch mit sozialpolitischen Initiativen einen Namen: So etablierte er 1872 eine Pension-, Witwen- und Waisenkasse als betriebliche Altersversorgung. 1890 schied er offiziell aus dem Geschäft aus.

Wie sein Geburtsdatum liegt auch sein Sterbedatum im Dezember: Am 6. Dezember 1892 erlag Werner von Siemens im Alter von 75 Jahren einer Lungenentzündung.

Quelle: Apa/Dpa

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