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West-Nil-Fieber breitet sich in Europa aus

In Griechenland steigt die Zahl der am West-Nil-Fieber erkrankten Menschen weiter. Nach neuen Angaben starben in diesem Jahr bereits 43 Menschen an den Folgen der Virus-Erkrankung. In Österreich ist die Gefahr, sich anzustecken, noch gering.

Asiatische Buschmücken übertragen Krankheiten wie das West-Nil-Fieber.  SN/APA (AFP)/James Gathany
Asiatische Buschmücken übertragen Krankheiten wie das West-Nil-Fieber.

Insgesamt seien 312 Infektionen erfasst worden; die meisten auf der Halbinsel Peloponnes und in den ländlichen Regionen rund um Athen sowie im Gebiet um die Hafenstadt Thessaloniki. Dies teilte die zuständige Behörde des Gesundheitsministeriums (Keelpno) am Donnerstag mit. Zwölf Menschen werden demnach derzeit noch in Krankenhäusern behandelt, sechs davon auf Intensivstationen. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte weitaus höher liegen: Die meisten Erkrankten weisen keine oder harmlose Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen auf.

Das Virus wird hauptsächlich von Mücken übertragen. Es breitete sich in diesem Jahr ungewöhnlich stark in Europa aus, besonders viele Fälle gab es in Italien, Griechenland, Rumänien und Ungarn. Es trat aber auch in Frankreich, Österreich und Tschechien auf. In Deutschland infizierte sich kürzlich ein Tierarzt mit dem West-Nil-Virus, sehr wahrscheinlich bei der Obduktion eines Vogels, der an dem Virus verendet war.

Die Lage in Österreich

Laut AGES, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, wird das West-Nil-Virus durch Stechmücken (Gelsen) übertragen und gilt als Erreger des West-Nil-Fiebers. Das natürliche Reservoir des Virus sind wie erwähnt Vögel (über 300 Vogelarten). Menschen und andere Säugetiere, insbesondere Pferde, können ebenfalls erkranken. Im August 2008 wurde in Österreich erstmals bei Greifvögeln eine Infektion nachgewiesen. Die Bedeutung des Klimawandels als Ursache für das Vordringen von fremden Stechmückenarten in die nördliche Hemisphäre wird zwar diskutiert, als gesichert gilt jedoch, dass auch unsere einheimischen Stechmücken-Arten zur Verbreitung des West-Nil-Virus beitragen. Das Virus (WNV) kommt in tropischen, aber auch gemäßigten Gebieten vor. Der Erreger überwintert vorwiegend in Stechmücken, kann aber auch in manchen Vögeln monatelang in inneren Organen überleben und durch Zugvögel über weite Entfernungen verschleppt werden. WNV wurde bereits 1937 aus dem Blut einer fieberhaft erkrankten Frau im West Nil District von Uganda isoliert und in der Folge in vielen Teilen Afrikas und Asiens sowie in einigen Gebieten in Süd-Ost- und sogar in Mitteleuropa festgestellt.

Das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West-Nil-Fieber zu erkranken, ist derzeit noch sehr gering. Da die Übertragung durch Stechmücken erfolgt, treten West-Nil-Virus Infektionen in den Sommermonaten auf. In Österreich wurden zwischen 2009 und 2018 (Stand 9. Oktober) insgesamt 44 im Inland erworbene West Nil Virus-Fälle bestätigt. Die wahrscheinlichen Ansteckungsorte sind in Wien und in Niederösterreich zu finden. Es gab bis jetzt keinen Todesfall beim Menschen. In Summe konnten seit 2009 in Österreich 54 West-Nil-Virus Infektionen nachgewiesen werden. Zehn davon waren importiert.
Im Jahr 2014 wurde West-Nil-Virus erstmalig bei einer Blutspenderin diagnostiziert. 2015 fanden sich acht Fälle, darunter fünf Blutspender.

Die Symptome

Die gute Nachricht ist: 80 Prozent der Infektionen verlaufen unauffällig.

20 Prozent der erkrankten Patienten zeigen eine grippeähnliche Erkrankung mit plötzlichem, hohem Fieber (= leichtes West-Nil-Fieber), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Symptomen, eventuell Schnupfensymptomen, Lymphknotenschwellungen und Hautflecken. Die Inkubationszeit beträgt 2-8 Tage. Innerhalb von 7-10 Tagen erfolgt meist ein Abklingen der wichtigsten Symptome.
In Einzelfällen (bei 0,7 %) kommt es zur West-Nil-Meningitis oder Enzephalitis. Bewusstseinstrübung, Koordinationsstörungen, Schluckbeschwerden, extreme Müdigkeit und Schwindel kombiniert mit Verhaltens- und Persönlichkeitsänderungen sind typische Anzeichen.

Das West-Nil-Fieber hat in der Regel eine gute Prognose, vor allem bei Kindern. Personen, die über 50 Jahre alt sind, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, an einem schweren Verlauf von West-Nil-Fieber zu erkranken. Gleiches gilt für Patienten mit Diabetes mellitus oder Immunschwäche.

Eine Impfung gibt es für den Menschen nicht

Die Behandlung von West-Nil-Fieber beim Menschen ist rein symptomatisch, d. h. eine gegen das Virus gerichtete Medikation gibt es nicht. Auch bei Tieren ist die Behandlung symptomatisch und beschränkt sich auf die Folgeerscheinungen.

Ein Impfstoff ist derzeit nur für Pferde erhältlich. Einen in der Prävention einsetzbaren Impfstoff für den Menschen gibt es nicht. Das Vermeiden von Moskitostichen ist das einfachste Mittel zur Prophylaxe von Infektionen . Das Tragen von langärmeliger, heller Kleidung, das Verwenden von Antimückensprays und der Verzicht auf den Aufenthalt in mückenreichen Regionen ist zu empfehlen.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 15.11.2018 um 02:13 auf https://www.sn.at/panorama/international/west-nil-fieber-breitet-sich-in-europa-aus-59408788

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