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WHO: Äußerste Umsicht bei Weg zurück zur Normalität

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in der Corona-Krise erneut zu äußerster Umsicht bei der Lockerung strenger Maßnahmen geraten. "Jetzt ist die Zeit für Wachsamkeit. Jetzt ist die Zeit sehr, sehr vorsichtig zu sein", sagte WHO-Experte Michael Ryan am Montag in Genf. Wer erste Schritte zurück zur Normalität gehe, müsse mehrere Bedingungen erfüllen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus SN/APA (AFP)/-
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus

Dazu gehöre nicht zuletzt die Fähigkeit, die Infizierten schnell identifizieren und isolieren zu können. Er warnte, dass sich das Coronavirus zwar schnell ausbreite, aber sehr langsam weiche. Das Virus sei zehnmal tödlicher als die Schweinegrippe 2009, so Tedros. Die Menschen müssten auf absehbare Zeit ihr Verhalten ändern und soziale Distanz leben, hieß es.

Zur Frage, ob einmal Infizierte einen Schutz vor Wiederansteckung hätten, hielt sich die WHO zurück. Es gebe noch viel zu wenige Daten, um das wirklich grundsätzlich beantworten zu können. Aktuell gehe man davon aus, dass einmal Erkrankte zumindest für eine gewisse Zeit einen Schutz genießen würden. Wie lange diese Zeit sei, sei aber unklar.

Aus den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern kamen zuletzt unterschiedliche Signale. US-Präsident Donald Trump möchte die USA so schnell wie nur irgend möglich wieder in den Normalbetrieb versetzen. In Spanien sollen die Menschen ab Montag wieder zur Arbeit gehen dürfen. Und auch in Italien als eines der am schwersten von der Covid-19-Pandemie getroffenen Länder verlangsamte sich die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 großteils. Großbritannien ist indes noch nicht über den Berg.

Die Versuchung, Beschränkungen des öffentlichen Lebens zurückzufahren, ist groß angesichts der wirtschaftlichen Verluste. Aber Virologen warnen: Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Es bestehe das Risiko, dass die Infizierten-Zahlen wieder hochschnellen könnten. Der prominente Immunologe und Berater Trumps, Anthony Fauci, hält eine Rückkehr zur Normalität allenfalls schrittweise und mit regionalen Abstufungen für möglich.

Das öffentliche Leben in den USA steht wegen der Krise in weiten Teilen still, was der Wirtschaft extrem zu schaffen macht. Ursprünglich hatte Trump eine Rückkehr zur Normalität schon für diese Tage, zu Ostern, in Aussicht gestellt. Aber dann traf die Pandemie die USA mit voller Wucht, täglich gibt es seither traurige Rekorde. Die USA haben inzwischen in absoluten Zahlen weltweit die meisten Toten durch die Corona-Epidemie zu verzeichnen: Mehr als 22.000 Menschen starben bis zum Abend des Ostersonntag im Zusammenhang mit dem Virus.

In Spanien, wo Ostermontag kein Feiertag ist, trat die erste Lockerung der strikten Ausgangsbeschränkungen für die fast 47 Millionen Einwohner ein. Seit zwei Wochen durfte nur noch zur Arbeit, wer in unverzichtbaren Branchen tätig ist. Nun dürfen die meisten Spanier nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren - die strenge Ausgangssperre, die noch bis mindestens Mitternacht am 25. April gilt, bleibt aber ansonsten bestehen. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür.

"Die Pandemie wird kontrolliert. Die Daten werden in den kommenden Wochen dank des wirtschaftlichen Winterschlafes noch besser sein", sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez mit Blick auf die zweiwöchige Zwangspause der Arbeitnehmer. Einen Hoffnungsschimmer gab es auch aus Italien. Von einem "düsteren Tag" sprach jedoch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10.000er-Marke übersprungen. Experten rechnen aber mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind. Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Großbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa sein könnte.

Quelle: APA

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