Kopf des Tages

Wilfried Seipel - der ehemalige KHM-Direktor wird 75

Zwei Jahrzehnte lang stand Wilfried Seipel als Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM) im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Seit seinem Abschied ist es - bis auf ein paar von ihm kuratierte Ausstellungen - ruhiger um ihn geworden. Am Mittwoch (5. Juni) feierte er seinen 75. Geburtstag.

Wilfried Seipel feiert seinen 75. Geburtstag. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Wilfried Seipel feiert seinen 75. Geburtstag.

Wilfried Seipel wurde am 5. Juni 1944 als Sohn eines Apothekers in Wien geboren. Er studierte an der Universität Wien Klassische Philologie, Alte Geschichte, Indogermanistik, Orientalistik sowie Ur- und Frühgeschichte und Assyriologie. 1966-70 studierte er in Heidelberg, erwarb sein Diplom und arbeitete als Assistent an der Papyrussammlung der Universitätsbibliothek, danach als Assistent am Ägyptologischen Institut der Uni Berlin. 1978 promovierte er an der Universität Hamburg und arbeitete anschließend am Österreichischen Archäologischen Institut in Kairo. Nach einer weiteren Assistenten-Tätigkeit in Konstanz und der Vertretung einer Professur für Ägyptologie in Hamburg wurde Seipel 1983 Direktor des Städtischen Museums Konstanz und ab 1985 Direktor des OÖ. Landesmuseums in Linz. Dort sorgte er mit Großausstellungen und zahlreichen Aktivitäten wie einem IMAX-Kino für neuen Publikumszustrom.

Von 1. Oktober 1990 bis 31. Dezember 2008 leitete Seipel das KHM als Generaldirektor. Er gilt als Mitautor der gesetzlichen Grundlagen für die Ausgliederung der Bundesmuseen und führte sein Haus zunächst in die Teilrechtsfähigkeit. 1999 erhielt das Museum die Vollrechtsfähigkeit als wissenschaftliche Anstalt, danach war Wilfried Seipel als Geschäftsführer auch wirtschaftlich für die Institution verantwortlich. Nach heftiger Rechnungshofkritik erhielt er ab 1. April 2007 mit Paul Frey einen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite gestellt.

In Seipels Ära fällt eine Ausweitung des Einflussbereiches in Österreich ebenso wie eine internationale Vernetzung des Hauses, das er als Global Player positionierte. Von 1995 bis zum Jänner 2004 bespielte er das Palais Harrach als Dependance, 2001 übernahm er das Völkerkunde- und das Österreichische Theatermuseum in seinen Wirkungsbereich. Großausstellungen wie "Gold der Pharaonen" (318.000 Besucher), "El Greco" (373.000 Besucher) oder "Bruegel" (367.000) sorgten für regen Zustrom. Dennoch litt das Museum unter Raumnot: Um Platz für Sonderausstellungen zu schaffen, wurden Erweiterungsprojekte unter dem zwischen Kunst- und Naturhistorischen Museum gelegenen Platz oder im Innenhof des Gebäudes geplant. Geldnöte verzögerten jedoch nicht nur das Vorantreiben dieser Pläne, sondern auch die Renovierung von Kunstkammer und Völkerkundemuseum.

Beim Diebstahl der „Saliera“ 2003 stand Wilfried Seipel im Kreuzfeuer der Kritik. SN/apa
Beim Diebstahl der „Saliera“ 2003 stand Wilfried Seipel im Kreuzfeuer der Kritik.

Weltweit für Schlagzeilen sorgte 2003 der Diebstahl der "Saliera" von Benvenuto Cellini, die 2006 wieder gefunden werden konnte. Nicht nur im Zuge dieses Kriminalfalls wurde mit Rücktrittsaufforderungen an Seipel nicht gespart - auch im Zusammenhang mit Rechnungshofberichten stand Seipel im Kreuzfeuer der Kritik. Der Konservative konnte sich jedoch der Rückendeckung der damaligen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) sicher sein. Kritik wurde u.a. vonseiten der Grünen auch nach der Amtsübergabe laut, als die damalige Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) Seipel mit der Erstellung zweier Studien beauftragte, von der die erste verspätet abgegeben wurde und die zweite laut "Standard" nicht mehr zustande kam.

Heute ist der vielfach Ausgezeichnete, der auch Publikumsrat des ORF und von 2009 bis 2013 Präsident des österreichischen Nationalkomitees des Internationalen Museumsrats war, als Ausstellungsmacher und in zahlreichen Stiftungen und Beiräten aktiv. Vor einigen Jahren präsentierte er die Wanderausstellung "Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze" in der Linzer Tabakfabrik. Der ägyptischen Geschichte blieb er weiter treu: Für die Kunsthalle Leoben kuratierte er 2015 eine Ausstellung über die letzten Pharaonen. Einen ganz anderen Schwerpunkt setzte er im Vorjahr im Museum Gröbming: Dort zeichnete Seipel für die Schau "Peter Rosegger, Dichter und Mahner in unruhigen Zeiten" verantwortlich.

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