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Wissenswertes über Ostern und seine Bräuche

Warum feiern wir Ostern? Wie feiert man anderswo? Was essen wir, was speisen andere? Besinnliches und Kurioses für die Feiertage.

Ostern ist für viele immer noch verwirrend. Auf lateinisch heißt das Osterfest ja Pascha, was im islamisch dominierten osmanischen Reich ab dem 16. Jahrhundert wiederum nur ein Amtstitel war. Wenn auch ein durchaus angesehener. Außerdem steht der Name Pascha auch in unserem Kulturkreis heute eher für einen faulen Macho, als für den demütigen Aufbruch in eine neue, bessere Zukunft.

Noch dazu ist Ostern ein bewegliches Fest. Es wird über einen Lunisolarkalender, also einen Mond-Sonnen-Kalender, bestimmt und fällt in der Westkirche immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Das klingt ziemlich mystisch. Was in unserer digital dominierten Welt für zusätzliche Verwirrung sorgt. Im gregorianischen Kalender fällt dieser Sonntag übrigens frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April. Die Zeichen stehen zu Ostern trotz oder gerade wegen der Leidensgeschichte aber immer auf Aufbruch. Denn mit dem "Sonntag der Auferstehung" beginnt die österliche Freudenzeit, die fünfzig Tage bis einschließlich Pfingsten dauert.

Genießen Sie diese Zeit: Trotz oder wegen der Ausgangsbeschränkung, verlorenen Geldes und gewonnener Zeit. Auch so könnte man Ostern zusammenfassen.

Das Leiden, das Sterben und die Auferstehung fanden laut dem Neuen Testament in der jüdischen Pessachwoche statt. Weshalb das Osterfest in den meisten Sprachen auch nach der Wortableitung vom aramäischen pas-cha benannt wurde. Etwa auf Dänisch und Norwegisch paske, auf Schwedisch pask, auf Türkisch paskalaya, auf Spanisch pascua, auf Französisch Paques, auf Isländisch paskar, auf Rumänisch pasti und auch auf Plattdeutsch heißt Ostern paasken. In den meisten slawischen Sprachen wird das Osterfest wiederum "Große Nacht" genannt. Etwa auf Polnisch Wielkanoc, auf Tschechisch Velikonoce und auf Slowenisch Velika noc.

Warum heißt dieses Fest aber nun Ostern? Woher sich das Wort (im Englischen Easter) ableitet, ist nicht ganz geklärt. Sicher ist: Die Morgenröte gilt im Christentum als Symbol der Auferstehung. Die Canones Hippolyti (um 350) gaben für die Osternacht die Weisung: "Alle sollen daher bis zur Morgenröthe wachen, dann ihren Leib mit Wasser waschen, bevor sie Pascha feiern, und das ganze Volk sei im Lichte." Wo wir jetzt übrigens sogar bei Österreich angelangt wären. Denn Ostern könnte auch vom altgermanischen Austro (Ausro) stammen. Auch hier ist die Bedeutung "Morgenröte" und könnte einem altgermanischen Frühlingsfest zugeordnet werden.
Auch der Begriff "Ostarichi" dürfte aus dem Altbayerischen und einer ähnlichen Bedeutung stammen. Was viele nicht wissen: Österreich hieß eine zeitlang Osterland. Und dass die Esterhazys mit dem Osterhasen verwandt sein sollen, ist wieder eine andere Geschichte. Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (Bild links) konnte am Osterfest ebenfalls nicht vorbei - und brachte seine Gedanken über diese Zeit des Aufbruchs übrigens mit seinem Gedicht "Osterspaziergang" zu Papier:

Vor dem Tor
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.


So flexibel wie das Osterfest sind auch die Bräuche, die sich weltweit etabliert haben. Die meisten finden in diesen Tagen nicht öffentlich statt. Aber den einen oder anderen Brauch kann man sich auch daheim im eigenen Garten oder den eigenen vier Wänden vorstellen.
So wie das Ostereierrollen im Garten des Weißen Hauses in Washington. Dort, wo der jeweils amtierende US-Präsident normalerweise Staatsgäste empfängt, werden dann kleine Ostereier mit überdimensionalen Gabeln über eine Wiese bugsiert. 30.000 Gäste sind bei diesem Spektakel bislang keine Seltenheit gewesen.
Auf eine Osteramnestie hofft man in einigen ländlichen Regionen Boliviens. Dort spielen sich Nachbarn in der Nacht auf Ostersamstag Streiche oder stehlen sich gegenseitig Vieh und Vorräte. Der Hintergrund des seltsamen Treibens ist der Glaube, dass nach dem Tod von Jesus niemand die Übeltäter zur Rechenschaft zieht. Während Corona ist dieser Brauch natürlich schon gar nicht zur Nachahmung empfohlen.

Ernster geht es in Mexiko-Stadt zu, wo seit 170 Jahren der festliche Passionszug zu Erinnerung an die Leiden Christi durch die Straßen des Ortsteils Iztapalapa zieht. Tausende verkleidete Menschen inszenieren dort den Kreuzweg Jesu. Die Passionsspiele von Iztapalapa entstanden nach einer Cholera-Epidemie. Umzüge mit Fremden sind natürlich während Corona tabu. Aber vielleicht gibt es nach der Corona-Pandemie eine neue Choreografie für die Passionsspiele.

In Frankreich wird seither pandemietauglich gefeiert. Hier läuten in den Tagen vor Ostern die Kirchenglocken nicht. Sie "fliegen" wie die österreichischen angeblich nach Rom zum Papst, um mit Segen versehen und Ostereiern gefüllt nach Frankreich zurückzukehren. Aus den zu Ostern wieder läutenden Glocken - so heißt es - fallen dann die Süßigkeiten auf die Kinder herab. Diese Distanz ist während Corona nahezu vorbildlich.

Anders verhält es sich bei den streng katholischen Iren. Diese markieren das Ende der Fastenzeit mit einer rituellen Heringsbeerdigung. Weil der Arme-Leute-Fisch das Hauptnahrungsmittel während des Fastens ist und er den Menschen nach 40 Tagen allmählich zum Hals heraus hängt, wird er zum Osterfest feierlich beerdigt. Der Überlieferung nach sollen irischen Fleischhauer den Brauch eingeführt haben.

Ein italienischer Osterbrauch ist dagegen derzeit tabu. Dort kann es einem normalerweise passieren, dass er an Osterfeiertagen von zwei roten Teufeln gefangen genommen und entführt wird. Das Lösegeld ist moderat: Ein Gläschen Wein reicht dem Teufel, der - wie gesagt - in diesen Tagen aber arbeitslos ist.
Vielfältig sind auch die Bräuche wenn es um den Eierlieferanten geht. Während sich bei uns größtenteils der Hase durchgesetzt hat, so macht ihm in Tirol die Osterhenne Konkurrenz, in Hannover bringt der Fuchs die Eier und in Schweden das Osterküken. Viel bunter waren die Traditionen im 16. Jahrhundert: Henne, Hahn, Fuchs, Vogel, Kranich, Storch, Kuckuck, Osterlamm oder gar die Osterglocken galten damals als Überbringer der bunten Geschenke. Aber auch für diese Tiere gilt: Geschenke abstellen, läuten und Abflug. Was fast schon wieder ein bisschen ans Christkind erinnert.

Im Gegensatz zu Weihnachten, wo jede Familie ihr eigenes traditionelles Gericht zu haben scheint, gibt es zu Ostern nur wenig Spielraum für kulinarische Vorlieben. Das in Österreich und Deutschland übliche Osterbrot, aus Hefeteig und Rosinen, kommt auch in vielen anderen Ländern auf den Tisch. Aber auch hier gilt: Jeder hat sein eigenes Rezept - obwohl es sich grundsätzlich um den gleichen Kuchen handelt.

Während er im Englischen Hot Cross Bun, im Österreichischen Osterfochaz, im Tschechischen Mazanec, im Russischen Kulitsch und im Griechischen Tsoureki genannt wird, hat er in Italien nicht nur einen anderen Namen sondern auch eine ganz spezielle Form: Die Colomba, auf Italienisch Taube.

Denn während in Österreich Lämmchen oder Hasen für das typische Ostertier stehen, ist es in Italien ist es die Taube. Der Legende nach geht das auf die langobardische Zeit zurück. Der Langobardenkönig Alboino soll während der Belagerung von Pavia eine taubenförmige Pfanne als Zeichen des Friedens überreicht bekommen haben. Die tatsächliche Erklärung ist allerdings viel banaler: Die Colomba wurde von der gleichen Firma hergestellt wie der Panettone und die brauchte einfach eine schöne Form. Da die Taube als Symbol der Versöhnung und des Christentums gilt, war es für einen Osterkuchen einfach passend.

Die Colomba ist aber nur eine von vielen Osterspeisen Italiens. Eröffnet wird das Ostermahl durch die Brodetto Pasquale, also mit einer Suppe. Sie wird aus einer Lammbrühe zubereitet und mit Ei verdickt und mit Zitronensaft verfeinert. Mit der Suppe wird das Lammfleisch und Brot gereicht.

Bewährt und beliebt als Klassiker unserer Breiten: Hase und Eier.  SN/apa
Bewährt und beliebt als Klassiker unserer Breiten: Hase und Eier.

Die Torta Pasqualina (erstes Bild)ist eine der Hauptspeisen. Dabei handelt es sich um eine herzhafte Blätterteig-Torte, die unter anderem aus Ei, Ricotta und Spinat zubereitet wird. Traditionell besteht sie aus 33 Schichten, von denen jeweils eine für ein Lebensjahr von Jesus zählt. Sie gilt übrigens auch in Argentinien als Osterspeise.

Eine Colomba Pasquale.  SN/ jp lob
Eine Colomba Pasquale.



In Griechenland und Zypern
gibt es eine mit der Brodetto Pasquale vergleichbare Suppe. Dort heißt sie Avgolemono. In Zypern werden auch Flaounes gebacken. Das sind Brote, die mit Käse gefüllt sind. Zubereitet werden sie bereits am Karfreitag. Man füllt sie mit Pafitiko. Das ist ein Käse, der extra für die Flaounes hergestellt wird.


In Großbritannien und Irland gibt es zu Ostern den Simnel Cake. Das ist Fruchtkuchen. Er ist ziemlich aufwändig verziert. Die Dekoration besteht aus elf Marzipanbällchen, die am Rand des Kuchens verteilt werden. In der Mitte thront ein weiterer großer Marzipanball. Dieser steht für Jesus, die elf kleineren symbolisieren seine Jünger. Wer jetzt denkt, das waren doch einmal zwölf Apostel, der hat natürlich Recht. Aber die nachtragenden Briten haben Judas ein für allemal von ihrer Marzipantafel verbannt.

Auch in Brasilien geht es süß her. Da gibt es so genannte Paçoca de amendoim (nebenstehendes Bild). Sie bestehen hauptsächlich aus gemahlenen Erdnüssen, die mit Zucker und Mehl der Maniokpflanze vermischt werden. Paçoca ist sehr trocken und sehr süß, weshalb man beim Essen dringend ein Getränk zur Hand haben sollte.

Torta Pasqualina.  SN/coffeeflavour - stock.adobe.com
Torta Pasqualina.

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.09.2020 um 08:56 auf https://www.sn.at/panorama/international/wissenswertes-ueber-ostern-und-seine-braeuche-85971853

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