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Zeitumstellung: Kommission wird laut Juncker Abschaffung empfehlen

Nach der europaweiten Online-Befragung zur Zeitumstellung will die EU-Kommission deren Abschaffung empfehlen. Da sich in der Umfrage eine Mehrheit der EU-Bürger gegen die Zeitumstellung ausgesprochen habe, werde die EU-Kommission am Freitag einen entsprechenden Beschluss fällen, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im ZDF-"Morgenmagazin".

Der Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker. SN/APA/AFP/POOL/ARIS OIKONOMOU
Der Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker.

"Die Menschen wollen das, wir machen das", meinte Juncker. Dann seien die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament am Zug und am Ende werde die Abschaffung der Zeitumstellung "auch kommen".

Bei der EU-weiten nicht-repräsentativen Online-Umfrage zur Zeitumstellung hatte sich die große Mehrheit der Teilnehmer einem Zeitungsbericht zufolge für die Abschaffung des Wechsels zwischen Sommer- und Normalzeit ausgesprochen. Von den insgesamt 4,6 Millionen Teilnehmern der Umfrage stammten dem Bericht zufolge gut drei Millionen aus Deutschland. In der EU leben mehr als 500 Millionen Menschen.

EU-Parlament und Staaten müssten dem Aus zustimmen

Die EU-Kommission hat zunächst einmal nur ein Vorschlagsrecht. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen noch zustimmen. Wenn das noch vor Ende der Legislaturperiode im Mai 2019 passieren soll, müssen sie sich beeilen. Die Befürworter der Abschaffung sind sich sicher, dass es im EU-Parlament eine Mehrheit dafür gibt. Im Rat der Mitgliedsländer ist die Lage unübersichtlicher. Auch Deutschland hat sich bisher nicht positioniert.

Die EU-Kommission wollte mit der Online-Umfrage die Meinung der EU-Bürger zur Zeitumstellung in Erfahrung bringen. Die Umfrage war allerdings nicht repräsentativ - es konnte jeder mitmachen, und die Vermutung liegt nahe, dass sich vor allem Menschen mit einer sehr klaren Meinung beteiligten. Und die Kommission hatte stets betont, dass das Votum nicht bindend sei. Nun will sie ihm aber nach Junckers Angaben trotzdem folgen.

Ob Winter- oder Sommerzeit ist nationale Angelegenheit

Sollte das Hin und Her um eine Stunde tatsächlich abgeschafft werden, könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Standardzeit - also Winterzeit - oder die Sommerzeit einführen möchte. Diese Entscheidung, welche von beiden Zeiten dauerhaft gilt, ist eine nationale Angelegenheit und würde von einer Abschaffung der Zeitumstellung nicht berührt.

Gut möglich, dass es dann noch mehr zeitliche Unterschiede geben würde. Spanien etwa würde wohl kaum die Sommerzeit beibehalten - denn sonst würde die Sonne in Madrid im Winter erst gegen 9.30 Uhr aufgehen. In der von Deutschland dominierten Online-Umfrage wollte hingegen eine Mehrheit die dauerhafte Sommerzeit. In Österreich sprachen sich in einer Telefon-Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitut Spectra 65 Prozent für eine das ganze Jahr geltende Zeit aus. 36 Prozent davon bevorzugen die permanente Sommerzeit.

Drei Zeitzonen in der EU

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Österreich und 16 weiteren Staaten herrscht die gleiche Uhrzeit: die Mitteleuropäische Zeit, genannt MEZ. Darunter sind Deutschland, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen und Spanien. Acht Länder - Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern - sind eine Stunde voraus: dort gilt die Osteuropäische Zeit oder OEZ. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien, wo die Westeuropäische Zeit gilt, die WEZ.

"Portugal hat eine andere Zeit als Spanien, und Finnland hat eine andere Zeit als Schweden", sagte der CDU-Politiker Peter Liese, ein langjähriger Gegner der Zeitumstellung. "Daher wäre es kein Problem, wenn sich einige Mitgliedstaaten für die ständige Winterzeit und andere für die ständige Sommerzeit aussprechen." Nur eines soll EU-weit wegen des Binnenmarkts einheitlich sein: die Beibehaltung der Zeitumstellung oder deren Abschaffung.

Warum die Zeitumstellung eingeführt wurde

Die Sommerzeit wurde aus Gründen der Energieeinsparung 1980 in Österreich eingeführt. Eigentlich soll das Tageslicht besser genutzt und dadurch Energie gespart werden. Der tatsächliche Nutzen ist umstritten. Seit 2002 ist die Umstellung EU-weit einheitlich geregelt, um Probleme durch unterschiedliche Uhrzeiten im Gütertransport oder bei Flug- oder Bahnverbindungen zu vermeiden. Die Uhren werden dabei immer am letzten Sonntag im März vor und am letzten Sonntag im Oktober wieder zurückgestellt.

Quelle: SN

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