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Jung, motiviert, studiert, sucht Job

Berufseinstieg. Es ist nicht leicht, nach dem Studienabschluss einen Job zu finden. Vor allem, wenn man kein naturwissenschaftliches oder technisches Fach studiert hat, das auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragt ist. Warum es mit einem Uni-Abschluss dennoch keinen Grund gibt, den Kopf hängen zu lassen.

Jung, motiviert, studiert, sucht Job SN/bilderbox.com

Ihre Jobsuche hätte sich Susanne einfacher vorgestellt. Die 27-jährige Wienerin hatte schließlich während ihres Italienischstudiums zahlreiche Praktika absolviert - unter anderem bei einem Lebensmittelkonzern, einer Unternehmensberatung und einem Übersetzungsbüro. "Dass ich mich wirklich mehr als ein Jahr lang bloß von einem befristeten Job zum anderen hanteln muss, damit hätte ich nie gerechnet", sagt Susanne. Deshalb habe sie diesen Herbst erneut ein Studium begonnen, diesmal an der Wirtschaftsuniversität Wien. Susanne hofft auf mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit einem Bachelor in Betriebswirtschaft.

Statistisch betrachtet ist dies der Fall. Laut dem aktuellen Absolventen-Tracking, das die Universität Wien gemeinsam mit der Statistik Austria seit 2003 durchführt, fanden studierte Wirtschaftswissenschafter 2014 nach ungefähr nach zwei Monaten einen Job. In sprachwissenschaftlichen Fächern wie Romanistik, das Susanne studiert hat, konnte die Suche schon ein bis drei Monate länger dauern. Am gefragtesten auf dem Arbeitsmarkt waren Absolventen der sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Ihre Arbeitssuche beschränkte sich auf nur einen Monat.

Die Durchschnittsdauer, bis Absolventen der Uni Wien ihren ersten "richtigen" Job gefunden hatten, betrug 2014 2,9 Monate - einen halben Monat mehr, als das 2011 der Fall gewesen war. Angesichts der stetig steigenden Arbeitslosigkeit in Österreich wundert das nicht. Sie ist seit 2011 von 6,7 auf 9,1 Prozent um fast ein Drittel angestiegen. Auch Akademiker sind von dieser Entwicklung betroffen - wenn auch in weit geringerem Ausmaß als Personen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen. Ihre Arbeitslosenquote stieg zwischen 2011 und 2015 um einen Prozentpunkt von 2,4 auf 3,4 Prozent.

Mit einem abgeschlossenen Studium hat man also ganz generell gute Karten auf dem Arbeitsmarkt - unabhängig von der gewählten Fachrichtung. "Für Neueinsteiger ist die Arbeitssuche aber schon seit 20 Jahren schwierig, weil Arbeitgeber immer mehr Berufserfahrung voraussetzen. Das Wichtigste ist also, dass man bereits während des Studiums einschlägig gearbeitet hat", sagt Sabine Putz von der Arbeitsmarktforschung des Arbeitsmarktservice Wien. Das kann Christian aus eigener Erfahrung bestätigen. Er hat im Juni sein Masterstudium in Internationaler Betriebswirtschaft abgeschlossen und ist seither auf Jobsuche. Bisher habe er - trotz seiner guten Noten im Studium - zwar positive Rückmeldungen, aber dennoch Absagen bekommen. "Bei einer der Firmen, bei denen ich mich beworben habe, musste man einen Fall ausarbeiten, um überhaupt zum Assessment-Center zugelassen zu werden", erzählt Christian. Dennoch sei er zuversichtlich, bald eine Festanstellung zu finden.

Ein abgeschlossenes Studium erhöht nicht nur die Chancen, einen Job zu finden. Das Absolventen-Tracking von Uni Wien und Statistik Austria zeigt auch: Wer studiert hat, verdient auch mehr. So beträgt das durchschnittliche Einstiegsgehalt 2024 Euro brutto pro Monat und steigt innerhalb von fünf Jahren auf knapp 2900 Euro an. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent. Wobei es auch hier große Unterschiede je nach abgeschlossener Studienrichtung gibt. So verdienen Absolventen eines MINT-Fachs, insbesondere Pharmazeuten, am meisten. Sie kamen 2014 nach nur drei Berufsjahren auf fast 3800 Euro brutto im Monat.

Die Studienwahl ist demnach enorm relevant für die spätere Berufstätigkeit. Davon ist auch Christa Schnabl, die Vizerektorin für Studium und Lehre an der Uni Wien, überzeugt. Sie rät angehenden Studierenden, sich daher gut zu überlegen, was sie studieren wollen. Das Absolventen-Tracking sei dafür eine wertvolle Hilfe. Schnabl warnt jedoch davor, die Studienwahl einzig an den Jobchancen und Einkommensaussichten auszurichten. "Das Wichtigste ist die Leidenschaft für das Fach. Ohne sie hält man ein Studium kaum durch", betont sie. Wer sich für eine Studienrichtung begeistern könne, nehme in Kauf, dass die Jobsuche mitunter länger dauern könne.

So wie Susanne, die schon als kleines Kind wusste, dass sie später einmal Italienisch studieren wird. Ihr Traum sei, für ein italienisches Unternehmen in Österreich zu arbeiten. Oder für eines, das in Italien tätig ist. Aus diesem Grund habe sie nun beschlossen, nach ihrem Master in Romanistik das Bachelorstudium in BWL dranzuhängen. "Ich hoffe aber, dass es keine drei Jahre - bis zu meinem Abschluss - dauert, bis ich so einen Job gefunden habe", sagt Susanne.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 07:51 auf https://www.sn.at/panorama/jung-motiviert-studiert-sucht-job-934825

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