Kinder

Basit, 14, Flüchtlingskind

Vor fünf Jahren floh Basit aus seiner Heimat Afghanistan. Was das für ihn und seine Familie bedeutete, erzählt der Schüler der SNuppi-Redaktion.

Basit über seine früheren Lehrer in Afghanistan: „Angst hatte ich keine. Man gewöhnt sich daran.“ SN/maria mackinger
Basit über seine früheren Lehrer in Afghanistan: „Angst hatte ich keine. Man gewöhnt sich daran.“

"Flucht, was heißt das? Darüber habe ich vorher nichts gewusst", sagt Basit aus Bergheim. Vor fünf Jahren hat er am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, aus der Heimat flüchten zu müssen.

"Ich komme aus Afghanistan", erzählt er. Afghanistan liegt in Asien und ist eines der ärmsten Länder der Welt, weil es dort schon lange keinen Frieden mehr gibt. Immer wieder kommt es dort zu Terroranschlägen und Kämpfen, die viele Tote fordern.

In der Hauptstadt Kabul lebte Basit mit seiner Familie. In der Schule war es nicht unüblich, vom Lehrer geschlagen zu werden, "mit dem Gürtel oder mit dem Lineal. Angst hatte ich keine, man gewöhnt sich daran", sagt der 14-Jährige. "Mein Vater hatte ein Geschäft und verkaufte Motorräder. Ich habe ihm oft geholfen." Eines Tages explodierte eine Bombe und zerstörte das Geschäft, ein Mitarbeiter wurde getötet. Kurz darauf machte sich Basit mit seiner Familie auf die Flucht.

In seiner Klasse in Bergheim hat er im Unterricht schon von seiner wochenlangen Reise von Afghanistan nach Österreich erzählen dürfen. "Wir haben eine Weltkarte aufgehängt und ich habe allen gezeigt, wo wir ungefähr unterwegs waren." So ganz genau weiß Basit das nicht, er war ja erst neun Jahre alt. Nur, dass es mit dem Bus von Afghanistan in den Iran ging, ab dort war er zu Fuß unterwegs, oft 13 Stunden am Stück. "Wir mussten übers Gebirge, durch den Schnee, meine Füße haben so weh getan. Wir hatten Hunger und ständig Angst, dass uns jemand entdeckt und uns wieder zurück nach Afghanistan schickt. Darum waren wir auch viel in der Nacht unterwegs. Meine jüngste Schwester war noch kein Jahr alt, sie weinte ständig. Da hat einer aus der Gruppe gesagt, wir sollen ohne sie weiterziehen, sonst werden wir alle entdeckt. Mein großer Bruder hat ihn gefragt, was er denn für ein Mensch ist." Von der Türkei nach Griechenland ging es in einem kleinen Plastikboot, "da waren so viele Menschen drin". Schließlich kam er im Bus ("da habe ich auf dem Boden geschlafen") in Wien an. Das Paradies für ihn, denn hier gab es zu essen und zu trinken. "Ich durfte einen Kakao haben, der war super."

Inzwischen lebt seine sechsköpfige Familie in Bergheim in einer kleinen Wohnung, die aus Küche, Wohnzimmer, Bad und Klo besteht. Geschlafen wird im Wohnzimmer. "Aber der Spielplatz ist gleich in der Nähe, wir wollen hier bleiben." Jeder sei freundlich, er müsse keine Angst mehr haben. Deutsch, sagt er, habe er schnell gelernt. "Denn ohne Sprache findet man keine Freunde", hat sein Vater ihm geraten. Freunde hat Basit in seiner Mittelschulklasse viele. Wie gut, dass am Montag die Schule wieder beginnt. Was er einmal werden will? "Polizist, das wünscht sich meine Mama."

Quelle: SN

Aufgerufen am 28.09.2020 um 08:24 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/basit-14-fluechtlingskind-92601001

Kommentare

Schlagzeilen