Kinder

Brauchen wir eigentlich Politiker?

Bald wird wieder einmal gewählt. Und zwar eine Bundesregierung. Und das, obwohl wir ja eine haben, ganz ohne Politiker und ohne Wahl.

 SN/apa/herbert neubauer

Im Grunde ist es ein bisschen seltsam: Österreich wird gerade regiert von genauso vielen Politikern, wie eigentlich vorgesehen sind. Auch eine Bundeskanzlerin gibt es, sogar eine, die sich ziemlich gut auskennt. Sie und ihre Minister sind gerade einmal seit dem Sommer bei der Arbeit. Und es regt sich auch kaum jemand darüber auf, wie sie und ihre Kollegen ihre Arbeit machen, vielleicht, weil sie gar nicht so schlecht darin sind.

Jedenfalls: Warum müssen die Erwachsenen dann in zwei Wochen schon wieder wählen gehen? Wo man doch an einem Sonntagvormittag auch in den Zoo oder ins Bad gehen könnte, wenn das Wetter schön ist.

Die Antwort ist: Die Bundeskanzlerin, Birgitte Bierlein heißt sie, und ihre Helfer, die Minister - die sind eigentlich nur Ersatz-Politiker. So, wie wenn eine andere Lehrerin in die Klasse kommt, weil der eigentliche Klassenlehrer krank ist. Es war nämlich so: Österreich hatte eine ganz normale Regierung aus richtigen Politikern, noch bis Ende Mai. Und dann kam dieses Ibiza-Video heraus, von dem manche sicher schon gehört haben. Da haben ein paar von den obersten Politikern so einen Blödsinn geredet, und sich nachher so dafür geschämt, dass sie quasi gleich gekündigt haben. Und das Parlament hat dann entschieden, dass es besser ist, wenn jetzt einfach mal Ersatz-Regierende kommt und schaut, dass in Österreich alles so halbwegs normal weiterläuft. Und zwar so lange, bis man wieder neue Wahlen abgehalten hat und dann wieder eine Regierung aus richtigen Politikern in die schönen, großen Regierungsbüros in Wien einziehen kann. Und genau diese Wahlen sind Ende September.

Das ist also das einzige Problem der Ersatz-Politiker, die jetzt die Chefs unseres Landes sind: Eigentlich hat sie niemand von uns direkt gewählt. Wobei das Lustige ist: In Wirklichkeit hat auch die "normalen Politiker", die wir sonst als Kanzler und Minister haben, niemand ganz direkt gewählt. Wir wählen nämlich die Leute, die später im Nationalrat sitzen dürfen, und die suchen sich dann den Bundeskanzler und die Minister aus.

Man sieht: Die Politik ist eine komplizierte Sache und man kann darüber streiten, wer am ehesten das Recht hat, in Österreich im Chefsessel zu sitzen. Fest steht: Wer der nächste Kanzler wird, darüber entscheiden alle die mit, die bei der Wahl ihr Kreuzerl machen. Und unsere Ersatz-Politiker machen dann wieder die Jobs, die sie vorher schon hatten.

Hier gibt's den Artikel als pdf zum Downloaden.

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