Kinder

Das Glück dieser Erde

… das erlebt Fiona Strassl ganz klar mit ihren Tieren. Eine Geschichte über Westernreiten und Wandern mit dem Pferd.

Pinto-Stute Curly Sue trägt Fiona ruhig und sicher durchs Unterholz. Die beiden verstehen sich blind, es ist pure Harmonie zwischen Pferd und Reiter.

Wann Fiona das allererste Mal geritten ist, daran kann sie sich überhaupt nicht mehr erinnern. Ihre Eltern waren schon begeisterte Reiter: "Mit acht habe ich mein erstes eigenes Pferd bekommen - den heute 24-jährigen Appaloosa Manitou."
Die Appaloosa-Pferde stammen vom spanischen Pferd ab, das im 18. Jahrhundert nach Nordamerika importiert wurde. Sie sind super Freizeitpferde und gerade fürs Westernreiten besonders geeignet. Und diese Art zu reiten mag Fiona. Ein paar Dinge beim Reiten mag sie aber gar nicht: "Ich bin kein Fan vom Runterriegeln des Pferdes, vom Im-Zügel-Hängen' und vom Sporengeben. Das Schöne beim Westernreiten ist, dass die Arbeit viel mehr mit dem Pferd als gegen das Pferd passiert."

Beim Westernreiten gefallen Fiona die Geschicklichkeitsaufgaben, die man gemeinsam mit seinem Tier löst. Beispielsweise beim Trail. Der Begriff kommt von der Rinderarbeit. Da muss der Reiter vom Pferd aus ein Tor so öffnen, dass keine Kühe entkommen können. Bei einer anderen Übung wird das Pferd rückwärts durch einen Stangenparcours gelenkt. Besonders ist auch das Training mit dem Lasso, das hat sich aus der Arbeit der Cowboys heraus entwickelt. Darauf ist auch der Westernsattel ausgelegt. Er hat ein Sattelhorn, das dazu dient, das Lasso zu fixieren. Und er hat eine besonders große Auflagefläche, wiegt gute zehn Kilogramm und muss es auch aushalten, wenn eine Kuh daran zieht. Die Cowboys sollten tagelange Strecken gemütlich darauf sitzen können. Da bekäme man auf einem englischen Sattel wohl einen wunden Popo.

Das gemütliche, lange Reiten finden Begeisterte auch beim Wanderreiten. "Es ist eigentlich, wie mit dem Pferd wandern zu gehen", beschreibt es Fiona. Da kann man auch mal wochenlang unterwegs sein. "Man reitet dann beispielsweise von Salzburg bis nach Italien ans Meer runter." So ein Trip braucht viel Planung und Organisation. Praktischerweise gibt es bereits fixe Routen. "Im Mühlviertel findet man ein gut ausgebautes Wanderreitnetz", weiß Fiona. Es gibt etliche Stationen, wo man mit dem Pferd übernachtet. Im Schnitt kann man in der Ebene 35 Kilometer am Tag zurücklegen. Wichtig dabei ist, was in die Packtasche kommt. Viel passt da ja gar nicht hinein.

"Ich habe gerade bei der Wanderreitakademie Österreich die Ausbildung zum Wanderreitführer gemacht", erzählt Fiona. Als Guide ist sie bei einer Tour dann verantwortlich zu checken, ob die teilnehmenden Reiter und Pferde genügend Kondition für lange Strecken aufweisen und wo man am besten einkehren kann. Bei ihrer Ausbildung hat sie gelernt, wie man sein Pferd in der Wildnis anbindet, was Pferde nicht fressen dürfen oder auch was zu tun ist, wenn man gerade in den Bergen unterwegs ist und das Pferd das Hufeisen verliert. Diese Ausbildung passt gut mit der Liebe zum Westernreiten zusammen.

Vom Wanderreitführen allein zu leben, das ist in Österreich schwierig, aber: "Als Nebenverdienst wäre es etwas, das mir sehr viel Spaß machen würde." Außerdem sitzt Fiona sowieso fast jeden Tag auf dem Pferd und da wäre es doch cool, wenn man sie ihr Hobby ein wenig zum Beruf machen könnte.

Aufgerufen am 29.10.2020 um 02:25 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/das-glueck-dieser-erde-94240969

Kommentare

Schlagzeilen