Kinder

Das Monster in mir

Es zieht im Bauch, der Nacken verspannt sich, die Zähne beginnen zu klappern. Man will davonlaufen vor dem, was sich da innerlich zusammenbraut. Die Angst ist ein bedrohliches Gefühl.

Für manche Kinder ist die Angst ein wildes Tier. SN/ra2 studio/stock.adobe.com
Für manche Kinder ist die Angst ein wildes Tier.

Einige Kinder beschreiben Angst als Gewitter im Inneren, mit dunklen Wolken, Blitz und Donner. Andere empfinden das Gefühl als wildes Tier, das im Körper wohnt. "Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben", weiß Edith Haberpeuntner, Musiktherapeutin in Salzburg. "Diese innerlichen wilden Tiere, diese Unwetter, sind manchmal besonders stark zu spüren - etwa weil man eine Situation nicht richtig einschätzen kann, man Erwartungen fühlt, die nicht erfüllt werden können, man unsicher ist oder weil jemand anderer Angst hat und gerade Kinder alles um sich herum oft intensiv spüren können." Gerade jetzt, in Zeiten der Coronapandemie, mit Terror und Krieg und all den Folgen, breitet sich oft eine Atmosphäre der Angst aus. Die meisten Kinder orientieren sich an der Reaktion ihrer Eltern. Sind die gelassen und ruhig? Oder wirken sie nervös und angespannt? Denn die Eltern kennen die Welt ja schon ein wenig länger, sie wissen, wie eine Situation einzuschätzen ist. Blöd ist es nur, wenn Eltern zwar sagen: "Es ist alles in Ordnung", aber man genau erkennt, dass das nicht stimmt, weil sie angespannt und unruhig sind. Kinder merken das genau, es verunsichert sie und sie fragen sich: "Traue ich dem, was ich fühle, oder dem, was meine Eltern sagen?" Besser: Fakten kindgerecht und ohne Beschönigung beim Namen zu nennen.

Vielleicht könnt ihr selbst gut über eure Ängste reden, aber viele andere tun sich damit verdammt schwer. "Je nach Charakter kann sich ein Kind zurückziehen, erstarren oder es reagiert öfter als gewohnt mit Weinen, Schreien oder Schlagen. Dieses Verhalten zeigt deutlich eine Überforderung, darunter liegt oft Angst", weiß Edith Haberpeuntner. Es hilft, wenn Eltern die Ängste ihrer Kinder ernst nehmen und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Die Expertin rät zu einer gemeinsamen Entdeckungsreise, bei der man versucht herauszufinden, wo im Körper die Furcht "sitzt": "Da kann man dann nachschauen, -hören und -fühlen, wo sich die Angst verstecken könnte und wie diese aussieht. Einmal aufgespürt, kann das Angstwesen gezeichnet, beschrieben oder gebastelt werden. Eventuell sieht die Angst genauso aus wie ein Stofftier, dann kann auch das verwendet werden." Im nächsten Schritt wird das Angstwesen gefragt, wer es ist und was es denn eigentlich möchte. So haben Kinder immer wieder die Möglichkeit, mit der Angst zu sprechen, sie kennenzulernen. "Wenn das anfangs zu schwierig ist, kann ein Schutzwesen (Tier, Zauberer …) der Angst zur Seite gestellt werden, um sie davor zu schützen, zu viel unangenehmes Empfinden zu erzeugen", rät Edith. Es gibt also gute Möglichkeiten, sich seinen Ängsten zu stellen und auch anderen zu helfen.

Aufgerufen am 26.11.2020 um 02:37 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/das-monster-in-mir-95531386

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