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Der Friedhof der treuen Freunde

Auf dem Tierfriedhof Wien lassen Tierbesitzer ihre Lieblinge begraben. Teilweise sind bei den Beerdigungen auch Pfarrer dabei.

Schon beim Eingang ist klar: Das hier ist kein normaler Friedhof.

Das Erste, was man sieht, sind kleine Skulpturen von Hunden und anderen Haustieren auf einem Betonsockel. Dahinter gibt es viele Gräber, große und kleine, mit Aufschriften wie:

Danke Gustav

Unvergessen Tarzan

Mein treuer Freund Blacky

Wir vermissen Dich, Stupsi

Wir sind auf dem Wiener Tierfriedhof. Immer wieder kommt jemand vorbei, um auf einem Grab die Blumen zu gießen. Einer von ihnen ist Alfred Kauderer. Seine Katze Sara ist vor Kurzem gestorben.
Zwölf Jahre war sie alt. Eigentlich war Sara ein Kater. Aber das wusste Herr Kauderer am Anfang nicht, deshalb bekam der Stubentiger einen Weibchen-Namen. "Sie ist friedlich eingeschlafen", sagt Herr Kauderer. "Zuvor hat sie noch zwei Mal miaut. Sie wollte sich verabschieden. Sie hatte ein Problem mit den Nieren und der Leber."

Sara war ein wichtiger Weggefährte für Herrn Kauderer. In der Wohnung ist der Kater immer an seiner Seite geblieben. "Sara war ein treuer Gefährte."

Jetzt liegt Sara in einem kleinen Grab auf dem Wiener Tierfriedhof. Herr Kauderer ist froh, dass es diesen Friedhof gibt. "Meine Frau und ich wollten einen Ort, wo wir hinkommen können", sagt er. Und tatsächlich kommt Herr Kauderer jeden dritten Tag auf Besuch. "Auch wenn es mir einmal schlecht geht, fahre ich hierher zum Grab." Zum Glück haben Herr Kauderer und seine Frau auch noch Kater Mischa zu Hause.

Seit zehn Jahren gibt es den Tierfriedhof. Der gehört der Stadt Wien und befindet sich ganz in der Nähe des großen Wiener Zentralfriedhofs.

Rund 700 Gräber gibt es hier. An die 1000 Tiere wurden bis jetzt hier beerdigt - vor allem Katzen und Hunde. Aber auch Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und eine Schildkröte wurden hier bestattet. Die meisten Haustiere haben ein Grab, nur ein kleiner Teil liegt in einer Urne.

Wenn ein Tier bestattet wird, läuft das ähnlich ab wie auf einem normalen Friedhof. Da wird das Haustier zunächst bei Kerzenschein in einer kleinen Halle verabschiedet - das ist die "Aufbahrungshalle".

Dann wird der geliebte Vierbeiner in einer kleinen Zeremonie von der Halle zum Grab gebracht. Meistens versammelt sich dort dann die Familie, bei der das Tier gelebt hat. Beim größten Begräbnis waren einmal 30 Leute versammelt. "Drei Mal war auch schon ein Pfarrer dabei und einmal eine Opernsängerin", sagt Hermann Hahner, der Chef des Wiener Tierfriedhofs.

Das billigste Grab kostet rund 300 Euro, das teuerste knapp 700 Euro - damit ist für die ersten paar Jahre alles bezahlt. Später zahlt man dann zwischen 59 und 79 Euro pro Jahr - so hoch ist die "Grab-Miete".

Manche Menschen geben sehr viel Geld aus, damit ihre tierischen Freunde ein schönes Grab haben. Der Besitzer von Hund Rocky zum Beispiel hat die Grab-Miete sogar schon bis in das Jahr 2098 bezahlt. Das auffällig große Grab mit dem Dach und den beiden Löwen-Skulpturen wird also jedenfalls noch 77 Jahre am Wiener Tierfriedhof zu sehen sein.

Aufgerufen am 25.07.2021 um 11:28 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/der-friedhof-der-treuen-freunde-106587325

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