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Die eisige Kapelle

Hans Gold ist eigentlich der Pistenchef bei den Gasteiner Bergbahnen. In seiner Freizeit schnitzt er leidenschaftlich gern. Im Winter bearbeitet er Schnee statt Holz.

Eine Kapelle komplett aus Schnee gemacht. Und innen drin steht ein Altar mit einer Skulptur darauf, nämlich dem Christus. Der wird modelliert aus reinem Eis. So eine Schneekapelle hat Hans Gold vergangenes Jahr angefertigt, nämlich für das Winter-Kunstfestival "Art on Snow" oben bei der Bergstation am Stubnerkogel in Bad Gastein. Und genau dort soll - wenn die Coronamaßnahmen es zulassen - so eine Kapelle auch heuer wieder einen schönen Platz finden.

"Mit einer Fräse wird zuerst ein großer Schneeblock freigelegt", erzählt Hans. Dann müssen er und seine Kollegen vom Pistendienst ordentlich stampfen - sie treten den Schnee mit den Füßen fest. So wird alles kräftig verdichtet. Nun bleibt das Ganze einige Tage stehen, damit die Basis noch stabiler werden kann. Danach geht es ans Aushöhlen. Hans und seine Kollegen rücken mit schwerem Werkzeug an: mit Motorsägen, Eisenwerkzeug, Schnitzmessern. Fünf Meter breit, fünf Meter lang und vier Meter hoch soll das imposante Bauwerk am Ende groß sein. Als Nächstes werden das Dach und die Fassade der Kapelle außen herausgearbeitet. Und dann formen die Männer den Schnee-Altar mit der Christusskulptur darauf. "Das alles wird aus einem Stück herausgeschnitzt", erzählt Hans. Das ist der kniffligste Teil. So feine Konturen wie beim Holzschnitzen sind im Schnee nicht möglich, aber man sieht zum Schluss trotzdem genau, was dargestellt werden soll.

Fünf Leute arbeiten über eine Woche lang an dem Projekt, bis die Kapelle fertig ist.
"Schnee ist viel einfacher zu bearbeiten als Holz, er ist nicht so hart." Der Nachteil: "Sobald die Sonne daraufscheint, also wenn warme Temperaturen sind, dann sind die Kunstwerke aus Schnee furchtbar schnell vergänglich." Wenn die Kapelle dann oben bei der Bergstation am Stubnerkogel steht, wird natürlich immer wieder nachgebessert. Vor der Sonne schützen kann man so ein Gebilde leider nicht. Also, man kann beispielsweise nicht einfach einen Sonnenschirm darüberspannen, denn: "Da oben auf dem Berg weht häufig ein kräftiger Wind", weiß Hans. Man kann nur auf möglichst niedrige Temperaturen hoffen, denn dann halten die Schneeskulpturen lange. Spätestens Richtung Ostern ist dann die Sonne stärker als der Schnee und die Kunstwerke schmelzen dahin. "Schade ist das schon, man arbeitet ja lange daran", sagt Hans.

Das Winter-Kunstfestival "Art on Snow" ist eine Freiluftveranstaltung und soll auch heuer wieder in geplanter Form stattfinden (30. Jänner bis 5. Februar). Die Coronamaßnahmen (Mindestabstand etc.) werden berücksichtigt. In den Skigebieten und Zentren der Gasteiner Orte sollen Kunstwerke zum Thema "Europa zu Gast in Gastein" zu sehen sein. Alle aktuellen Infos und die derzeitigen Bestimmungen: www.gastein.com

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