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Die "Fisch-Dinos" von Hellbrunn

Urtümliche Fischart. Die Besucher im Hellbrunner Park staunen regelmäßig über die Riesen im Schlossteich.

Einer der Störe im Schlossteich von Hellbrunn.  SN/schlossverwaltung hellbrunn
Einer der Störe im Schlossteich von Hellbrunn.

Sie ziehen regelmäßig alle Blicke auf sich, die riesigen Fische im hintersten Teich von Hellbrunn. Majestätisch gleiten die Riesen durch das Wasser. Nicht nur Kinder lieben es, sie zu beobachten. Auch Touristen zücken dann die Handys. Zum Staunen gesellt sich bei einigen auch Ängstlichkeit, wenn sie die "Haiflosse" sehen. Die Angst ist unbegründet.

Fünf Störe leben im sogenannten Forellenteich im Hellbrunner Schlosspark in Salzburg. Sie waren ein Geschenk an das Haus. Störe sind urtümliche Knochenfische, typisch ist der breite Schädel mit der spitzen Schnauze und den auffälligen Bartfäden. Die einzige Rückenflosse sitzt weit hinten am Körper. Aus ihren Fischeiern wird Kaviar hergestellt, eine teure Delikatesse. Das ist auch der Hauptgrund, warum ihr Bestand weltweit gefährdet ist. Dazu kommen die durch Kraftwerke verbauten Flüsse.

Dieses Gemälde eines 1617 in der Salzach gefangenen „Hausen“ (eine Stör-Art) samt Inschrift hängt in der Dauerausstelllung „Schaulust“ im Schloss Hellbrunn.  SN/schlossverwaltung hellbrunn
Dieses Gemälde eines 1617 in der Salzach gefangenen „Hausen“ (eine Stör-Art) samt Inschrift hängt in der Dauerausstelllung „Schaulust“ im Schloss Hellbrunn.

Die Störe gelten als lebende Fossilien oder "Fisch-Dinos". Der Grödiger Fischexperte Walter Grüll sagt: "Man kann sie durchaus so nennen. Diese Fischart gibt es seit mehr als 200 Millionen Jahren. Sie stammt aus der Zeit der Dinosaurier."

Verschiedene Störarten ziehen ihre Runden im Schlossteich, Sibirische Störe und ein Weißer Stör. Die zwei größten Exemplare sind rund 1,90 Meter lang, wiegen zwischen 40 und 45 Kilogramm und sind gut vierzig Jahre alt. "Bis zu drei Meter könnten sie schon noch werden und auch ein Alter von 80 Jahren erreichen", sagt Walter Grüll. Für ihn sind die Störe etwas Besonderes. "Sie sind nicht aggressiv, werden sogar zahm und zutraulich. Junge würden die Störe in Hellbrunn nicht kriegen, dafür müssten die Lebensbedingungen perfekt sein. Ursprünglich sind sie ja Wanderfische.

Kritik an ihrer Haltung in Hellbrunn gibt es nach Information von Wassermeister Michael Huber nicht. "Sie leben da in frischem Quellwasser, haben viel Platz." Sorge hätten die Leute nur dann, wenn der Teich gekehrt werde und die Flossen oben rausschauten. "Aber das machen wir nur ein Mal im Frühjahr und ein Mal im Herbst. Die Fische kennen das schon." Ein Mal in der Woche füttert Huber die Störe mit Fischfutter. Grundsätzlich ernähren sie sich von den kleinen Krebsen und anderen Kleinstlebewesen im Teich.

Die "Fisch-Dinos" sind in heimischen Gewässern so gut wie ausgestorben. Nur in der Donau in Oberösterreich lebt noch eine kleine Population des Sterlet, der kleinsten Stör-Art. Die riesigen Störe kommen hingegen nur noch in der unteren Donau bis zu deren Mündung ins Schwarze Meer vor. Früher tummelten sich "Hausen" auch in der Salzach. Das beweist ein Gemälde im Schloss Hellbrunn.

Es zeigt einen lebensgroß gemalten Stör samt einer Inschrift. Demnach wurde er 1617 im damals salzburgischen Tittmoning (die Stadt gehört heute zu Bayern) aus der Salzach gefischt - er wog 133 Kilogramm.

Die Bildtafel hängt in der Dauerausstellung "Schaulust. Die unerwartete Welt des Markus Sittikus" im Schloss.

Ingrid Sonvilla, die Leiterin der Schlossverwaltung Hellbrunn, geht davon aus, dass Störe damals auch auf dem Speisetisch des Erzbischofs gelandet sind. "Dieser große Fisch war wohl schon damals eine Kuriosität. Das war ganz bestimmt nicht alltäglich."

Hier gibt's den Artikel als pdf zum Downloaden.

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