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Ein Leuchtturm bewacht den Sand

Mit dem Rad am Strand. Wie kommt der Sand ins Meer und wird zum Strand, auf dem wir uns sonnen und Urlaub machen?

Damit man sehen kann, wo der Sand ins Meer kommt, muss man das Rad abstellen: Der Leuchtturm von Bibione steht auf dem Sand, den der Tagliamento aus den Bergen bringt. SN/bef
Damit man sehen kann, wo der Sand ins Meer kommt, muss man das Rad abstellen: Der Leuchtturm von Bibione steht auf dem Sand, den der Tagliamento aus den Bergen bringt.

Der Leuchtturm steht wie eine kleine Burg in der Einsamkeit. Er bewacht die Mündung eines Flusses, der den Namen Tagliamento trägt. Die Mauern rund um den Leuchtturm wachsen aus feinem Sand. Auf einer Seite wird dieser Sand zu einem breiten, leeren Strand. Hier kann jeder liegen und baden, wo er will.

Nach ein paar Kilometern sind an dem Strand Tausende bunte Liegen und Sonnenschirme in Reih und Glied aufgestellt. Es gibt kleine Lokale und Eisgeschäfte, man kann allerlei Schwimmsachen kaufen. Das kennen viele. Denn hier an den Stränden an der Oberen Adria in Italien verbringen in den Ferien jedes Jahr auch viele österreichische Familien ihren Urlaub. Der Sand, auf dem sie am Meer liegen, kommt mit dem großen Fluss aus den Bergen.

Und beim Leuchtturm kann man zusehen, wie der Sand ins Meer kommt. Auf der einen Seite des Flusses liegt Bibione, auf der anderen Seite Lignano. Beides sind bekannte Urlaubsorte. Auf beiden Seiten des Flusses gibt es Radwege, die wegführen von den Stränden in Auen voller seltsamer Vögel und mit versteckten Kanälen, aus denen die Felder der nahen Bauernhöfe bewässert werden. Denn es regnet hier wenig. Hier - in der Nähe des großen Flusses - glaubt man gar nicht, dass Strand und Meer nur ein paar Kilometer entfernt sind. Geformt wurde die Landschaft vom großen Fluss. Rundherum gibt es ein Naturschutzgebiet, ein Europaschutzgebiet. Manche nennen es auch "Serengeti Mitteleuropas", denn wie in der berühmten Steppe in Afrika gibt es am Tagliamento überdurchschnittlich viele Tier- und Pflanzenarten.

Erst an seinem Ende, knapp vor dem Meer, haben die Menschen diesen Fluss in ein künstliches Bett gedrängt. Sonst ist dieser Fluss einer der letzten große Wildflüsse in Europa.

170 Kilometer lang ist er. Er entspringt in den Bergen am Passo della Mauria, ungefähr 20 Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt. Zuerst muss er durch enge Täler, dann durch eine breite Tiefebene. Entlang des Flusses gibt es rund 600 Inseln und Landzungen, perfekte Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen. Wer auf der Autobahn über Kärnten und durch die italienische Provinz Friaul in den Süden fährt, den begleitet das breite, steinige Flussbett eine lange Strecke. Oft ist dieses Flussbett trocken und nur ein kleines Rinnsal bewegt sich in einer weißen Steinwüste. Sieht ganz harmlos aus und nichts erinnert an die Größe, die der Fluss an der Mündung hat.

Das Harmlose kann bei Regen oder wenn der Schnee in den Bergen schmilzt, aber schnell verschwunden sein. Dann ist der Fluss reißend und wild. Aber egal ob er sanft plätschert, wild reißt oder am Ende recht gemächlich dem Meer zurinnt: Auf dem ganzen Weg zerbröselt sein Wasser Felsen und Steine, rollt und bewegt sie, bis aus ihnen feiner Sand wird. Das macht der Fluss seit Zehntausenden Jahren. Und weil er das macht, entstanden an seinem Ende im Mittelmeer viele Inseln und Strände, Lagunen und Nebenarme.

Mit der Strömung des Meeres wird der Sand verteilt. Wenn man an der Mündung des Flusses steht, sieht alles aus, als wäre es immer schon da gewesen. Aber der Fluss hört nicht auf, sich zu bewegen. So verändert sich auch die Landschaft dauernd. Das passiert aber ganz langsam und dauert Jahrhunderte. Und auch wenn sich alles bewegt und alles fließt, muss keiner Angst haben, dass der Strand unter ihm wegschwimmt.

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