Kinder

Einfach nur treiben lassen

Greta Thunbergs bester Mann. Warum ein Franzose in einem Fass mit Wein, Gänseleber und ohne Energieaufwand den Atlantik überquerte.

Jean-Jacques Savin hat in einem Fass den Atlantik überquert. SN/apa/afp/lionel
Jean-Jacques Savin hat in einem Fass den Atlantik überquert.

Bitte versucht euch vorzustellen, dass ihr in einem Fass mitten im Atlantischen Ozean auf einen riesigen Tanker zusteuert.

Ja. Ihr habt richtig gelesen. Man kann in einem Fass von Europa nach Amerika reisen. Das ist nicht besonders bequem, lustig ist es schon gar nicht. Im Fass ist nur Platz für eine Person. Und diese Person ist der 72-jährige Franzose Jean-Jacques Savin. Er bekommt es mit der Angst zu tun, setzt Funksprüche ab. Der Tanker reagiert aber nicht - und Jean-Jacques kann nicht reagieren. Denn er reist mit der Drift. Soll heißen: Jean-Jacques kann nur der Meeresströmung folgen. Wie durch ein Wunder sei sein Fass dann doch noch am Tanker vorbeigekommen, berichtete der ehemalige Fallschirmjäger und Hobbytriathlet kurz darauf mittels Satellitentelefon, mit dem er Kontakt zur Außenwelt halten konnte.

Die Außenwelt von jemandem, der in einem Fass unterwegs ist, das nur sechs Quadratmeter Grundfläche hat, ist ziemlich groß. Auf dieser kleinen Fläche hat er sich einen Schlafplatz, eine Sitzecke, eine Küchenzeile, einen Kartentisch und etwas Stauraum eingerichtet. Dafür besaß er das größte Bad der Welt. Das war der Atlantik, in dem er täglich - sofern es das Wetter zuließ - schwamm und auch seine Nahrung suchte. Jean-Jacques hatte auch eine Harpune dabei. Somit gab es täglich frischen Fisch. Erst zum Schluss, nachdem er sämtliche Pfeile verschossen hatte, griff er auf seine Thunfischdosen zurück.

"Eigentlich hatte ich alles, was ich brauchte", erzählte er nach seiner Ankunft im Hafen von Fort-de-France auf der Karibikinsel Martinique. "Manchmal saß ich stundenlang vor meinem Fernseher." Fernseher? "Ja", sagte er. "Ich habe auf dem Boden des Fasses ein Fenster. Da konnte ich die Fische beobachten." Außer dem größten Bad der Welt hatte er also auch noch das größte Aquarium der Welt.

122 Tage und neun Stunden ließ sich Jean-Jacques solcherart treiben. Am besten ließ er es sich am 14. Jänner gehen. Da feierte er zwar mutterseelenallein seinen Geburtstag. Aber der aus dem Bordelais stammende Jean-Jacques hatte auch ein paar Flaschen Bordeaux und etliche Dosen Foie Gras (Stopfleber) geladen. Warum er diese gefährliche Reise auf sich nahm? "Ich bin Vater einer jungen Tochter", antwortet er. "Also wollte ich noch etwas Waghalsiges unternehmen. Als Großvater tut man so etwas nicht mehr." Und aufgepasst: Kinder sollten so etwas erst recht nicht tun. Also weder allein den Atlantik überqueren - noch Stopfleber essen und Wein trinken.

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