Kinder

Langeweile liefert die besten Ideen

Warum Däumchen drehen nützlich sein kann. Wer nichts zu tun hat, hat oft ganz plötzlich einen kreativen Einfall.

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Schule, Musikkurs,
Fußball und mit Freunden treffen. All das war vor dem Coronavirus ganz selbstverständlich.

Jetzt sollen wir am besten alle zu Hause bleiben! Und dann ist sie plötzlich da, die Langeweile! Ihr schlurft unruhig umher und wisst einfach nicht, was ihr mit euch und eurer Zeit anfangen sollt. Und schwupps, habt ihr euch plötzlich doch in irgendetwas vertieft. Zauberei? Nein!

Langeweile fördert nämlich die Kreativität und die innere Balance, heißt es. Auf einmal seid ihr ganz
zufrieden mit euch und eurer Welt - ganz ohne Programm. Wie das geht?

Vom Däumchendrehen, so sagt man, wenn einem langweilig ist, kommen die besten Ideen. Gelangweilte Leute werden so zu richtigen Erfindern. Sie kommen ganz durch Zufall plötzlich drauf, was sie interessiert und was sie am besten können. Es
entstehen plötzlich die spannendsten Dinge und Spiele - sie sind richtig kreativ! Das macht sie in Folge ruhig und gelassen, weil sie auf einmal
sehr zufrieden sind mit sich und der Welt. Das nennt man dann innere Balance.

Die Kinderpsychologin Katharina Dornetshuber-Roth erklärt: "Wenn ihr immer etwas zu tun habt, ob Schulaufgaben oder Freizeitprogramm, erledigt eurer Kopf immer alles nach Plan. Ihr müsst nicht überlegen, wie ihr eure Zeit gestalten könntet. Es ist dann einfach kein Platz mehr im Kopf für neue Ideen ohne Programm. Wenn ihr nach Schule, Sportkurs, Einkaufen und Freunde treffen jeden Tag erst spät nach Hause kommt, und keine Zeit mehr ist für
irgendetwas anderes, werdet ihr
irgendwann sehr unzufrieden."

Dagegen hilft Langeweile. Probiert es aus!

Auch wenn Corona wieder vorbei ist. "Macht einmal nichts mit Freunden aus, räumt alle Spielsachen weg, um frei im Kopf zu sein für neue Ideen, und schaut, was passiert!", rät die Psychologin. Könnt ihr schließlich frei entscheiden, was ihr tun wollt -
ganz ohne Planung -, werdet ihr sehr zufrieden sein.

Vor über 200 Jahren galten Langeweile und Däumchendrehen übrigens als wichtig und notwendig, sagt der Pädagoge Jan-Uwe Rogge. Die Menschen frönten dem Nichtstun, um wieder Energie zu tanken. Heute hat die Langeweile zwar einen schlechten Ruf. Aber immer mehr Menschen versuchen trotzdem wieder, die Langeweile neu zu lernen - und zu sehen, was dann aus dem Nichtstun entsteht.

Quelle: SN

Aufgerufen am 01.12.2020 um 09:48 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/langeweile-liefert-die-besten-ideen-86886448

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