Kinder

Sie sprechen mit den Händen

Gehörlose Kinder sind auf Gebärden angewiesen - also auf Zeichen von Armen und Händen. Und sie lesen von den Lippen. Wie das geht, lernen sie in einer Salzburger Schule. Ein Snuppi-Team war dabei.

Sie sprechen mit den Händen SN/Andreas Kolarik
Hände nach oben und drehen: Das heißt „Applaus“. Im Bild die 1a und die 1b der Josef-Rehrl-Schule in Salzburg.

Die Hände von Lehrerin Anu Dakic fliegen durch die Luft. Mit unglaublicher Geschwindigkeit formt sie Zeichen mit Armen, Händen und Fingern. Denn am Mittwoch in der ersten Stunde steht Gebärdensprache auf dem Stundenplan der 1a der Josef-Rehrl-Schule. Lehrerin Anu Dakic ist gehörlos und unterrichtet gemeinsam mit ihrer hörenden Kollegin Jutta Onrednik.

Oguzhan (12) besucht die Josef-Rehrl-Schule in Salzburg seit der ersten Klasse Volksschule. Er trägt ein Hörgerät. Für ihn ist die Gebärdensprache nichts Neues. Seine Schulkollegin Marie ist das erste Jahr an der Schule. Die Gebärdensprache zu lernen macht ihr Spaß. "Die Gebärdensprache ist leichter als Englisch", sagt die Elfjährige. Die Hälfte der Klasse ist hörbehindert, die andere Hälfte kann ganz normal hören. Die Begriffe "taub" und "taubstumm" werden übrigens nicht gern gehört, bevorzugt werden "hörbehindert" oder "gehörlos".

Die meisten Kinder, die mit einer Hörbehinderung auf die Welt kommen, bekommen ein technisches Hilfsgerät, um hören zu können: Entweder ein Hörgerät oder ein Implantat, das hinter dem Ohr eingesetzt wird - das Cochlea-Implantat. Mit dem Cochlea-Implantat können viele gehörlose Menschen wieder hören.

Was aber passiert, wenn eines dieser technischen Hilfsmittel ausfällt? Dann sind sie auf die Gebärdensprache angewiesen. Was betroffene Kinder noch lernen: von den Lippen lesen. So wie Oguzhan: Er hat an diesem Tag sein Hörgerät vergessen. Trotzdem versteht er alles Gesprochene - nur durch Ablesen der Lippen. Das heißt "Mundbild" und ist auch in der Gebärdensprache wichtig. So ist die Gebärde für Buch und Heft die Gleiche: Die flachen Hände werden vor der Brust zusammengeklappt - wie ein Buch. Nur das "Mundbild" verrät, was gemeint ist. In der Josef-Rehrl-Schule können diese Kinder gemeinsam mit hörenden Kindern unterrichtet werden. So lernen sie, dass eine Hörbehinderung kein Hindernis beim Sprechen ist.

Quelle: SN

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