Kinder

Silvester in der Stadt der Liebe

Total verknallt in Paris. Heute berichtet SNuppi aus Paris, wo er viel gelernt hat. Vor allem die Devise: Bussis sind besser als Böller.

So richtig romantisch wird es erst, wenn Licht ohne Knallerei auskommt. SN/dell - stock.adobe.com
So richtig romantisch wird es erst, wenn Licht ohne Knallerei auskommt.

Salut, meine lieben Freunde. Hier ist euer SNuppi. Ich grüße euch heute aus Paris, weil ich mich schon sooooo auf Silvester freue. Dazu müsst ihr wissen: Paris ist erstens die Stadt der Liebe, zweitens die Hauptstadt von Frankreich und drittens eine der wenigen Städte der Welt, in der Feuerwerke bereits seit 2011 total verboten sind. Meine Hausmenschen sind mit mir voriges Jahr zum ersten Mal zu Silvester dorthin gefahren. Und ich sage euch: Das war traumhaft. Denn vom zeitlichen Rhythmus her wusste ich ja noch, dass es bald wieder so weit sein würde. So kurz nach Weihnachten (das mir total taugt, weil es da immer superfrische Würste gibt und schönes, gemütlich flackerndes Kerzenlicht), geht es bei uns daheim schon immer mit den Böllern und Krachern los. Keine Ahnung, was den Menschen daran so gut gefällt. Es ist ja nur laut, es stinkt und gesund ist das Ganze auch sicher nicht.

In Paris war im Vorjahr alles anders. Wir spazierten gemeinsam hinauf auf den Montmartre und blickten auf Paris hinunter. Meine Hausmenschen bestellten Champagner, ich bekam ein Mineralwasser von Perrier im versilberten Futternapf. Auf dem Place du Tertre wurde auf Gitarren Flamenco gespielt und junge Franzosen verteilten als Einhörner verkleidet Zuckerl an fremde Passanten. Dann wurde heruntergezählt: "Cinque, quatre, trois, deux, un ..." Und dann? Dann wurde kurz gejubelt und es wurden ein paar schöne Lieder gesungen (die Franzosen sagen übrigens Chansons dazu). Ein paar Pärchen summten ihre eigenen Melodien und tanzten dazu, während sich wildfremde Menschen freundlich umarmten. Das hat mir gefallen.

Daheim war ich immer ganz fertig. Der Lärm der Knallerei hat mir immer so etwas von Angst gemacht. Das kann ich euch gar nicht sagen. Aber in meiner Zeitung, in den SN, die ihr ja auch gerade in Händen haltet, habe ich gelesen, dass Feuerwerke nicht nur laut sind. Sie verursachen auch ganz grauslig viel Feinstaub. Da haben ein paar Wissenschafter in der steirischen Landeshauptstadt Graz und im tschechischen Brünn herausgefunden, dass zu Silvester vor allem eine wilde Konzentration der Metalle Aluminium, Kupfer, Strontium, Barium und Wismut in der Luft vorhanden ist. Die hohen Werte können, so die Wissenschafter, ziemlich unangenehme Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben, da dieser Ultrafeinstaub bis in die kleinsten Lungenverästelungen vordringt. Und dann ist es im Vorjahr in Paris passiert. Obwohl es so ruhig war, hab ich mich total verknallt. Und zwar in Shanti. Sie war mit ihren indischen Hausmenschen auf Urlaub in Paris. Es hat sofort gefunkt zwischen uns, das kann ich euch sagen. Aber unsere Liebe auf den ersten guten Geruch war dann ein bisserl getrübt, als mir Shanti erzählte, dass ein Großteil der Feuerwerke, vor denen ich mich so gefürchtet habe, in China und Indien produziert wird. In Kinderarbeit! Das müsst ihr euch mal vorstellen, meine lieben Kinder. Viele dieser Kinder haben deshalb verätzte Hände und keine Fingernägel mehr. Macht es also wie Shanti und ich. Habt euch lieb - in aller Ruhe,

Hier gibt's den Artikel als pdf zum Downloaden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 05.04.2020 um 06:47 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/silvester-in-der-stadt-der-liebe-81190171

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