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SNuppi: Warum wir uns (manchmal) so gerne gruseln

Gänsehaut am ganzen Körper, ein eiskalter Schauer, wildes Herzklopfen. Der Grusel ist da. Gut so!

So ein Geist – oder lieber ein Monster? Auch Gruseln ist Geschmackssache.  SN/stockadobe
So ein Geist – oder lieber ein Monster? Auch Gruseln ist Geschmackssache.

Ich fahr bestimmt nicht mit der Geisterbahn - ich fürchte mich so vor den Monstern. Auch wenn die ja gar nicht echt sind. Weiß ich doch. Trotzdem ... Geht es euch auch manchmal so? Dass ihr euch richtig gruselt?

"Sich vor etwas fürchten können ist ganz wichtig. Nicht nur für uns Menschen, sondern für alle Lebewesen. Meistens schützt uns die Furcht vor etwas, das uns schaden könnte. Dann ist sie berechtigt und hilft uns zu überleben oder gesund zu bleiben", erzählt Claus Lamm. Er ist Professor für Biologische Psychologie an der Uni Wien.

Oft fürchten wir uns aber auch vor Dingen, die uns "nicht ganz geheuer" vorkommen - also vor Dingen, mit denen wir uns noch nicht ganz auskennen. "Das bedeutet, wir haben zu wenig Erfahrung mit der Situation, und da ist vorsichtig sein mal eine ganz gute Überlebensstrategie."

Was das Gruseln betrifft, so gibt es verschiedene Stufen. Das geht von leichtem Schaudern oder auch Ekel über richtige Abscheu und nacktes Grauen bis hin zur Panik und fürchterlichem Entsetzen. So ein bisschen Gruseln kann ja sogar Spaß und Lust machen. Wenn man etwa eine eklige Mutprobe schafft, die Fahrt mit der Geisterbahn überstanden hat oder einen Monsterfilm anschaut. "Das ist eine gute Möglichkeit, mit Furcht und Angst spielerisch umgehen zu lernen", erklärt Claus Lamm. "Es findet ja in einem geschützten Rahmen statt." Ihr setzt euch ja wahrscheinlich nicht allein in die Geisterbahn, sondern mit einem Freund, einer Freundin oder einem Erwachsenen. Und ihr wisst, dass die Schreckgestalten nicht echt sind. "So können wir lernen, dass wir uns vor dem Unbekannten nicht fürchten müssen." Und das sei eben oft sehr lustvoll. Weil das Überwinden von Furcht und Angst mit einem positiven Gefühl verbunden ist. Also wie eine Achterbahnfahrt aus Anspannung und Entspannung. Wenn wir gefährliche Situationen überstehen, dann schüttet unser Gehirn Botenstoffe aus, so wie etwa Dopamin. Das führt dann dazu, dass sich etwas gut anfühlt und oft auch, dass wir die selbe Situation immer wieder ausprobieren wollen.

Auf der ganzen Welt, in allen Kulturen erzählen sich die Menschen seit jeher Gruselgeschichten. Je schauriger und ekeliger die Berichte sind, desto besser können sich die Zuhörer diese merken und weitererzählen. Das kennt ihr bestimmt selbst auch. Stellt euch vor, ihr esst einen Apfel. Das würdet ihr doch niemandem einfach so erzählen, oder? Aber: Wenn in dem Apfel lauter Würmer gekrochen sind, dann muss man das unbedingt berichten.

Ob Werwolf, Monster oder böse Hexe - wovor wir uns gruseln, das ist ganz unterschiedlich. Problematisch wird es erst dann, wenn man die Angst beispielsweise mit ins Bett nimmt. Und wenn man nicht mehr trennen kann zwischen dem, was echt ist, und der Fantasie. "Dann ist es am besten, schnell zu Mama oder Papa zu laufen. Die helfen einem dann dabei zu erkennen, dass unter dem Bett ganz sicher kein Monster wartet", rät Claus Lamm. Dann könnt ihr eurem Gehirn sagen: "Alles ist gut, entspann dich, und schlaf ein."

Aufgerufen am 20.10.2021 um 03:06 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/snuppi-warum-wir-uns-manchmal-so-gerne-gruseln-110214121

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