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Stars gibt's, die gibt es gar nicht!

Berühmt, aber nicht echt: Mit 16 ist Hatsune Miku längst eine berühmte Sängerin. Aber etwas unterscheidet sie von anderen Popsternen.

Hatsune Miku, hier als Heldin in der Oper „The End“. SN/APA/dpa/Daniel Reinhardt
Hatsune Miku, hier als Heldin in der Oper „The End“.

Sie wird mit Jubel und viel Gekreische empfangen, wo immer sie auch auftritt. Am Anfang war sie nur in Japan berühmt. Aber mittlerweile gibt sie auf der ganzen Welt Konzerte. Wie ein großer Popstar reist sie von Konzerthalle zu Konzerthalle. Allerdings braucht sie dafür weder einen Tourbus noch ein Hotel. Hatsune Miku ist ja auch kein Mensch, sondern ein Computerprogramm.

Ihre Fans stört das nicht. Sie kaufen Konzertkarten, stellen sich geduldig an, und schwenken begeistert Tausende Leuchtstäbe, wenn die Comicfigur mit den langen türkisen Zöpfen dann auf der Bühne erscheint und anfängt zu tanzen und zu singen. Dass sie dabei kaum einen Fehler macht, versteht sich für einen digitalen Star von selbst.

Ursprünglich war sie nur als Werbemaskottchen gedacht: für ein Computerprogramm, das menschliche Singstimmen nachmachen kann. Wer das Programm benutzt, kann also Lieder aufnehmen, in denen der Computer das Singen übernimmt. Die Entwickler wollten der künstlichen Stimme aber auch ein Gesicht geben. Also wurde ein Mädchen erfunden, das aussieht wie aus
einem japanischen Comic.
Ihr japanischer Name bedeutet so viel wie "erster Sound aus der Zukunft". Wie diese Zukunft aussehen würde, hat aber vielleicht dann doch auch die Erfinder von Hatsune Miku überrascht.

Immer mehr Nutzer des Programms wollten Lieder mit der Stimme von Hatsune Miku machen. Ziemlich rasant wurde sie also berühmt. Mittlerweile hat sie mehr als 100.000 Songs auf Lager. Und bei Konzerten hofft jeder komponierende Fan, dass sie eines seiner Lieder singt. Fast 2,5 Millionen Anhänger hat Hatsune Miku auch auf Facebook. Einer von ihnen ist Lady Gaga: Die echte Sängerin ließ ihre digitale Kollegin bei sich im Vorprogramm singen.

Bei ihren Auftritten war Hatsune Miku früher meist als Trickfigur auf einer Leinwand zu sehen. Heute wirbelt sie als Hologramm in 3D über die Bühne. Die Technik macht es möglich. Nur eines hat sich mit dem Ruhm nicht verändert: Ihr Alter. Hatsune Miku ist 16 - und das seit mehr als zehn Jahren.

Doch ausgerechnet die ewige Jugend, über die sich andere Stars wohl unendlich freuen würden, ist für sie auch schon einmal zum Problem geworden. Ein japanischer Komponist hat sich eine Oper für die Kunstfigur ausgedacht und lässt Hatsune an ihrem künstlichen Leben (ver)zweifeln. Freilich nur auf der Opernbühne. Als virtueller Popstar ist Hatsune Miku weiter unermüdlich unterwegs. Derzeit ist sie auf großer Europatournee - mit Konzerten in Barcelona, Berlin und Paris.

Aufgerufen am 07.04.2020 um 02:27 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/stars-gibt-s-die-gibt-es-gar-nicht-82088170

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