Kinder

"Uns zwingt niemand, das Kopftuch zu tragen"

Salzburger Schülerinnen erzählen. Warum sie freiwillig ein Kopftuch tragen, obwohl ihre Eltern das teils noch gar nicht wollen.

Hadiga, Seda und Maida sind Musliminnen und wollen ein Kopftuch tragen. „Uns zwingt niemand dazu.“  SN/mack
Hadiga, Seda und Maida sind Musliminnen und wollen ein Kopftuch tragen. „Uns zwingt niemand dazu.“

Yeah, der Unterricht ist vorbei! Maida, Seda und Hadiga strahlen und kommen mit einer Menge anderer Kinder aus dem Schulhaus gelaufen. Die drei Freundinnen sind gekleidet wie die meisten ihrer Schulkolleginnen am Christian-Doppler-Gymnasium: Sie tragen lässige Turnschuhe, Hosen, Shirts und Jacken, wie man sie an jeder Ecke kaufen kann.

Auffällig an zwei von ihnen ist nur: Maida und Seda verstecken ihre Haare unter einem Kopftuch. Die Dritte im Bunde, Hadiga, hat sich die Kapuze ihres Pullis über den Kopf gezogen. Warum sie - so wie ihre Mütter - ihre Haare bedecken, wollen sie uns erzählen. Denn: In Österreich wird darüber diskutiert, ob es per Gesetz verboten werden soll, dass muslimische Mädchen in Kindergarten und Volksschule ein Kopftuch tragen.

Hadiga, Seda und Maida fordern, dass die Entscheidung für oder gegen das Kopftuch, das die meisten Musliminnen ab dem Beginn der Pubertät aufsetzen, weiterhin jedem Mädchen selbst überlassen sein soll.

Seda (11) hat sich schon früh, mit acht Jahren, dazu entschieden, ihre Haare zu bedecken, sobald sie die Wohnung verlässt. "Dabei wollten meine Eltern das damals noch gar nicht. Sie fanden, dass ich zu jung dafür bin." Aber die gebürtige Tschetschenin wollte wissen, wie es sich anfühlt. "Das Kopftuch ist nicht einfach ein Kleidungsstück. Man muss dafür bereit sein. Ich trage es, um meine Zugehörigkeit zu meinem Gott Allah zu zeigen", sagt sie. Nur zu Hause, wenn die Familie unter sich ist oder wenn sie mit ihren Freundinnen beisammen ist, nimmt Seda es ab.

Ihre fast 16-jährige Schwester trägt kein Kopftuch. "Meine Mutter akzeptiert das. Man kann auch ohne gläubig sein. Aber wenn man sich dafür entschieden hat, soll man dabei bleiben."

Hadiga (12) ist "noch nicht ganz bereit dazu. Sie sagt, sie habe mit Kopftuch schlechte Erfahrungen gemacht, die sie sich zu Herzen genommen habe. Komische Blicke, negative Bemerkungen - das kennen alle drei. "Wir verurteilen auch kein Mädchen dafür, wenn es Make-up und Minirock tragen will", sagt Seda.

Maida (11) verdeckt seit Schulanfang ihre Haare. Bereits ihre fünfjährige Schwester trägt im Kindergarten Kopftuch. "Wir waren in den Sommerferien in unserer Heimat Somalia in einem Geschäft einkaufen, meine Mama wollte sich neue Kopftücher besorgen. Doch dann habe ich auch ein Hübsches entdeckt. Mama hat die passende Größe herausgesucht." Sie sagt, dass sie nicht dafür verurteilt werden wolle, Kopftuch zu tragen. "Ich bin stolz darauf. Ich möchte, dass das respektiert wird."

Ob es auch Mädchen gibt, die dazu gezwungen werden, Kopftuch zu tragen? "Die gibt es, aber das darf nicht sein. Jedes Mädchen soll selbst entscheiden dürfen", sagt Hadiga. Und wenn es verboten wird? "Dann tragen wir es trotzdem. Es geht um den Respekt für unsere Entscheidung", sind sich alle einig.

Quelle: SN

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