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Warum es noch Tierversuche gibt

Forscher führen Versuche an Mäusen und Kaninchen durch, um neue Medikamente zu entwickeln. Die Zahl der Tierversuche steigt in Österreich. Und das sorgt für Kritik.

Die Maus ist das am öftesten eingesetzte Versuchstier. SN/gorodenkoff/stock.adobe.com
Die Maus ist das am öftesten eingesetzte Versuchstier.

Bei dieser Frage geraten sich Forscher und Tierschützer immer wieder in die Haare: Sind Tierversuche nun gut oder schlecht? "Wir brauchen Tierversuche, um neue Medikamente zu testen", sagen die einen. "Diese Versuche sind Tierquälerei und gehören abgeschafft", sagen die anderen. Die Zahl der Tierversuche ist in den vergangenen Jahren laut amtlicher Statistik gestiegen. Die aktuellsten Zahlen liegen für 2016 vor. In diesem Jahr wurden in Österreich rund 236.000 Tiere für Versuchszwecke eingesetzt. Das waren um 9000 mehr Tiere als im Jahr 2015.

Bei Tierversuchen bekommen Mäuse, Ratten, Kaninchen oder andere Tiere zum Beispiel bestimmte Stoffe gespritzt. So kann man herausfinden, ob diese Stoffe Schmerzen auslösen oder krank machen. Bei mehr als 80 Prozent der Versuche kommen Mäuse zum Einsatz. Warum? Weil die Gene von Maus und Mensch zum größten Teil übereinstimmen und weil viele Krankheiten, die Menschen haben, auch bei Mäusen vorkommen: zum Beispiel Krebs, Infektionen oder Diabetes. Wissenschafter führen diese Versuche durch, um beispielsweise zu testen, wie Medikamente wirken. Und solche Tests werde man auch weiter brauchen, sagt Bruno Podesser. Er ist Herzchirurg und leitet die Tierforschung an der Medizinischen Universität Wien. Medikamente müssten nun einmal "nach ganz strengen Kriterien" geprüft werden, sagt Podesser. Erst dann könne man diese Medizin beim Menschen anwenden. Tierversuche brauche man zum Beispiel bei der Suche nach Mitteln für Krebspatienten und bei der Entwicklung künstlicher Herzklappen und Herzen.

Dagegen kritisiert Romana Rathmanner vom Internationalen Bund der Tierversuchsgegner, dass zu viele Tiere unnötig leiden müssten. Wir alle müssten uns eine Frage stellen, sagt Rathmanner: "Inwieweit dürfen wir Tiere für unsere Zwecke nutzen?" Allerdings bemühen sich heute auch Forscher, andere Methoden zu finden. So werden immer öfter tierische oder menschliche Zellen im Labor bearbeitet. Dort kann dann künstliche Haut hergestellt werden, auf der später die Wirkung von Chemikalien erforscht wird. Das Ziel sei klar, sagt Bruno Podesser: "Wir wollen die Zahl der Versuchstiere so gering wie möglich halten."

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