Kinder

Warum wir abheben in der Nacht

In Träumen können wir fliegen wie Peter Pan, uns vor gefährlichen Tieren retten oder Saltos machen. Unser Körper verarbeitet in Träumen das, was wir tagsüber erlebt haben. Wie funktioniert das genau?

Fliegen wie Peter Pan - in Träumen geht das. SN/pixabay
Fliegen wie Peter Pan - in Träumen geht das.

Ihr Bett war umringt von lauernden Krokodilen, die nach ihren Füßen schnappen wollten. Sie kauerte sich in einer Ecke zusammen. "Mein Bett war immer meine sichere Insel", erzählt Katharina. Gut, dass alles nur ein schlechter Traum war. In der vergangenen Woche rief die SNuppi-Redaktion Kinder dazu auf, ihre Träume einzuschicken.

Immer wieder geht es in den Geschichten um Gefahren: Einer träumte davon, vom Blitz getroffen zu werden. Eine andere lief im Schlaf jede Nacht vor etwas davon, bis sich ihre Beine vom Boden lösten und sie fliegen konnte. In Träumen gelten keine Naturgesetze. Wir können leichter springen, fliegen oder Saltos machen. Aber warum träumen wir überhaupt und was macht das mit uns?

Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens damit, zu schlafen. Das ist wichtig für unseren Körper, damit er sich erholen kann. Während sich unser Körper entspannt, arbeitet unser Gehirn allerdings auf Hochtouren. "Wir verarbeiten in unseren Träumen das, was wir tagsüber erlebt haben", erzählt Psychologin Brigitte Holzinger vom Institut für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien. Häufig spielen dabei starke Gefühle wie zum Beispiel Angst eine große Rolle. Wie auch in Katharinas Traum mit den Krokodilen. "Viele Kinder haben Angst davor, allein zu schlafen", erklärt die Psychologin. Auch Katharina stellte sich in der Nacht wohl dieser Furcht.

Träume zu deuten ist allerdings nicht leicht. "Ein Traum ist wie ein Kunstwerk", erklärt die Psychologin. Man kann nie ganz eindeutig wissen, was ein Traum über uns aussagt. Aber Träume sollten respektiert werden und ernst genommen werden. Vor allem bei Albträumen sei es wichtig, mit jemandem, am besten mit den Eltern, darüber zu reden.

Hinzu kommt aber, dass Träume flüchtig sind: Kaum ist man wach,
erinnert man sich oft nicht mehr. Das liegt daran, dass wir unterschiedliche Schlafphasen haben. Dazu gehören Leicht- und Tiefschlafphasen und die sogenannten REM-Phasen. Das kommt aus dem Englischen und bedeutet "Rapid Eye Movement", zu Deutsch: schnelle Augenbewegung. In dieser Zeit ist unser Gehirn sehr aktiv, wir träumen.

Wenn wir in einer solchen Phase aufwachen, können wir uns gut an unsere Träume erinnern. Wachen
wir aber zum Beispiel durch einen Wecker in einer Tiefschlafphase auf, können wir uns nur schlecht an unser Geträumtes erinnern. Etwa drei bis fünf Mal wiederholen sich diese verschiedenen Phasen in der Nacht.

Übrigens ist aus der Schlafforschung bekannt, dass wir im Schlaf nicht nur Erlebtes verarbeiten, sondern auch lernen können. Das Gehirn erinnert sich besonders gut an die Dinge, mit denen wir uns zuletzt beschäftigt haben. Wenn wir kurz vor dem Einschlafen also noch einmal die Vokabeln durchgehen, die wir uns schlecht merken können, hat das
Gehirn nachts Zeit, sich genau diese Wörter einzuprägen.

Was Forscher noch herausgefunden haben: Kinder träumen mehr als Erwachsene. Das kommt daher, dass Kinder generell mehr Schlaf benötigen als erwachsene Menschen und daher auch mehr Zeit für Träume haben. Und: Man geht auch davon aus, dass Tiere träumen. In verschiedenen Versuchen zeigten sie ähnliches Verhalten wie Menschen. Was Krokodile sich nachts wohl so ausmalen?

Aufgerufen am 23.08.2019 um 02:07 auf https://www.sn.at/panorama/kinder/warum-wir-abheben-in-der-nacht-74544988

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