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Was ein Weizenfeld alles kann

Alte Sorte - neu entdeckt. 40 Körner gab es noch vom Laufener Landweizen. Jetzt wird er wieder angebaut.

 SN/maria mackinger

Ein Marmeladebrot gehört für die meisten von uns zu einem guten Frühstück dazu. Brot ist ein Grundnahrungsmittel, hergestellt wird es vor allem aus Getreide. Dessen Anbau hat die Menschheit geprägt, denn ehe unsere Vorfahren entdeckt haben, was sich aus Getreide alles machen lässt und wie sie es anbauen können, sind sie als Jäger und Sammler auf der Suche nach Nahrung umhergezogen. Der Ackerbau hat den Menschen vor 12.000 Jahren sesshaft gemacht. So alt ist der Laufener Landweizen zwar noch nicht. Aber diese spezielle Weizensorte, die im 16. Jahrhundert zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde, schien schon ausgestorben. Die industrielle Landwirtschaft entwickelte nämlich Getreidesorten, die viel mehr Ertrag einbrachten. Was jetzt kommt, hört sich fast wie in einem Krimi an: Ein Wissenschafter entdeckte 1996 in einer deutschen Samenbank die letzten 40 Körner des Laufener Landweizens und es gelang ihm, ihn zu kultivieren. Seit 2012 wird diese Weizensorte deshalb im Flachgau und Rupertiwinkel wieder angebaut. Aber warum eigentlich - wenn es doch Sorten gibt, die schneller wachsen und eine größere Ernte versprechen? Aus denen viel mehr Mehl und damit mehr Brot gemacht werden kann? Dieser Frage sind wir gemeinsam einer Schulklasse nachgegangen und haben uns wortwörtlich in einem Weizenfeld in Laufen (Bayern) auf Entdeckungstour begeben. Bunt sieht es darin aus - vor allem die Ackerwildkräuter fühlen sich inmitten dieser alten Sorte pudelwohl. Bis zu 74 verschiedene Wildkräuter könnten bei genauer Untersuchung zwischen den Weizenähren entdeckt werden. "Vier Mal so viele wie in der konventionellen Landwirtschaft, die Unkrautvernichtungsmittel verwendet", sagt Wolfram Adelmann von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege.

Zwischen den Wildkräutern finden jede Menge Insekten ihren idealen Lebensraum und die Insekten sind wiederum Nahrungsquelle für viele Vögel. Der Laufener Landweizen sorgt somit für eine Vielfalt und Lebendigkeit in unserer Landschaft, die auf den ersten Blick gar nicht zu erahnen war. Viele selten gewordene Pflanzen und Tiere - vor allem das Rebhuhn - profitieren enorm von diesem Stückchen Ackerland.

Weil nur schwach und mit Mist gedüngt wird, wächst dieser Weizen langsamer, aber stabiler. Dafür wird er dann bis zu zwei Meter hoch, was die Bauern nach dem Dreschen freut, weil sie viel Stroh als Einstreu für ihre Tiere im Stall haben. 34 Bauern aus Bayern und dem Flachgau beliefern inzwischen vier Mühlen mit Landweizen, zehn Bäcker verarbeiten das Mehl zu Brot. Bis es daheim auf dem Tisch landet und mit Butter und Marmelade bestrichen wird, hat es also nur wenige Kilometer hinter sich gebracht. Im Gegensatz zu vielen Lebensmitteln, die oft Strecken über den halben Planeten zurücklegen und wenige Großkonzerne reicher machen. Stell dir doch auch öfter die Frage, wo dein Essen herkommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt worden ist.

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