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Wo der WM-Ball herkommt

Eine runde Sache. In einer einzigen Stadt werden fast alle Fußbälle der Welt produziert.

Der WM-Ball „Telstar 18“ wurde in Pakistan hergestellt. SN/www.picturedesk.com
Der WM-Ball „Telstar 18“ wurde in Pakistan hergestellt.

Er ist in diesen Tagen das meistbeachtete Objekt der Welt: "Telstar 18", der offizielle Fußball der Weltmeisterschaft in Russland. Wie bei jeder WM seit 1970 hat Sportartikelhersteller Adidas einen neuen Ball entwickelt. Und wieder einmal sind manche Fußballer, vor allem die Torhüter, geteilter Meinung darüber. Denn jedes Fabrikat hat andere Flugeigenschaften, flattert manchmal mehr oder dreht dann in der Luft plötzlich ab. Der spanische Torhüter David de Gea fand, der "Telstar 18" hätte "besser konzipiert werden können". Ausgerechnet de Gea rutschte dann im Spiel gegen Portugal ein leichter Schuss von Cristiano Ronaldo durch die Handschuhe. Ingenieure haben den Ball buchstäblich runderneuert. Holger Kraetschmer, der bei Adidas für Entwicklung zuständig ist, sagt: "Man muss testen, testen, testen, um zu sehen, wie der Ball fliegt." Ein Roboter schoss Tausende Male die Bälle, außerdem mussten sie so wie ein neues Auto in den Windkanal. Neben Kunststoff enthält das Innenleben des Balls unter anderem sogar Zuckerrohr. Erstmals ist ein Chip eingebaut. Jeder Handy-Besitzer kann sein Gerät somit mit dem Ball verbinden, allerdings sind vorläufig nur allgemeine Informationen abrufbar. Schon bald könnte der Fußball Auskunft darüber geben, wie oft er geschossen wurde oder wie viele Kilometer er zurückgelegt hat. Die erste große Reise machen die Bälle gleich nach ihrer Herstellung. In der pakistanischen Stadt Sialkot werden etwa 85 Prozent aller Fußbälle weltweit produziert, pro Jahr 60 Millionen Stück. Seit die Sportkonzerne in den 1990er-Jahren heftig kritisiert wurden, gibt es in den Fabriken auch keine Kinderarbeit mehr. Die Frauen und Männer, die heute dort die Bälle herstellen, verdienen etwa 90 Euro pro Monat. Das ist deutlich weniger, als ein Ball später in Europa im Handel kosten wird (ca. 150 Euro), aber mehr, als beispielsweise in der Textilindustrie zu verdienen ist, wo überdies die Arbeitsbedingungen schlechter sind. Sialkot gilt dank der Fußballerzeugung als reiche Stadt, in der die Straßen asphaltiert sind und höhere Löhne bezahlt werden als sonst in Pakistan. Nur die Weltmeisterschaft, bei der ihr Produkt im Mittelpunkt steht, interessiert die meisten Arbeiter herzlich wenig: Pakistan war noch nie bei einer Fußball-WM dabei, und Nationalsport ist Kricket.

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