Kinder

Wo man sich nie die Hände wäscht

Bei uns liegt Schnee, Weihnachten ist vorüber - und man muss sich gegen Schnupfenviren schützen. Am anderen Ende der Welt spielt all das keine Rolle. Ein Besuch bei den Himba im Norden von Namibia.

Frauen und Mädchen vom Stamm der Himba essen Maisbrei. Die komplizierten Frisuren zeigen an, ob eine Frau verheiratet ist. SN/resch
Frauen und Mädchen vom Stamm der Himba essen Maisbrei. Die komplizierten Frisuren zeigen an, ob eine Frau verheiratet ist.

Es ist noch nicht einmal Mittag, aber das Thermometer zeigt schon fast 35 Grad. Und es wird täglich heißer. Denn im nördlichen Namibia steht jetzt der Hochsommer vor der Tür. Warum? Weil es auf der Südhalbkugel der Erde liegt und dort Sommer ist, wenn bei uns der Winter gekommen ist. Die paar Dutzend Himba-Frauen und Himba-Männer, die mit ihren Kindern auf dem Sandboden hocken, können sich gar nicht vorstellen, wie es ist, mit Fäustlingen und Haube über den Christkindlmarkt zu spazieren. Denn in Namibia schneit es nie, nicht einmal im Juli oder August.

Kein Wunder, dass in dieser Hitze auch Schnupfenviren keine Chance haben. Während wir in Österreich uns derzeit dauernd die Hände waschen sollen, tun die Himba das überhaupt nicht. Ab der Pubertät verbrennen sie einfach Kräuter in einem Topf und "baden" in dem Qualm. Der tötet Parasiten und sonstige Schädlinge ab und riecht auch angenehm. Das ist aber nicht das Einzige, was bei den Viehzüchtern ganz anders ist als bei uns. Zum Beispiel deren Häuser: Das sind runde Hütten, fast ohne Einrichtung, die aus Holz, Palmblättern und dem Dung von Tieren gebaut werden. Auch laufen die Himba nach unseren Begriffen fast nackt durch die Gegend - auch die Frauen sind "oben ohne"! Allerdings fühlen sie sich dabei nicht nackt. Denn die Teile, die ihnen am wichtigsten sind, halten sie immer bedeckt: die Knöchel. Dort tragen die Frauen schöne Metallspangen und fühlen sich gut angezogen. Das Auffälligste an den erwachsenen Himba-Frauen sind aber die Frisuren: Man braucht drei oder vier Tage, um so eine Haarpracht hinzubekommen - ihr könnt sie auf dem Bild oben sehen. Die dicken Zöpfe werden mit einer Mischung aus Ockerfarbe und Tierfetten zusammengeklebt. Die dicken Büschel am Ende sind meistens keine eigenen Haare, sondern "Extensions" aus Tierhaaren. Wenn eine Frau erwachsen wird, dann darf sie ein Stück getrocknete Lammhaut oben draufsetzen, die fast wie ein Krönchen aussieht. So leben die 7000 Himba mit ihren Viehherden. Die Männer sind oft nicht da, weil sie weit entfernt die Tiere hüten. Die Frauen kümmern sich um das Dorf und die Kinder und verkaufen Kleinigkeiten an Touristen. Reich werden sie davon nicht, aber Reichtum ist für die Himba sowieso etwas anderes: Man ist wohlhabend, wenn man eine große Rinderherde hat.

Übrigens erzählt uns unser Führer, dass viele der Leute im Dorf das Christentum angenommen hätten. Weihnachten wird aber nicht gefeiert. Und die nächste Kirche ist 250 Kilometer entfernt. Das ist ganz schön weit, weil die Himba die Strecke zu Fuß gehen müssten.


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